Utrecht Halbmarathon 2017 – FatBoysRun Communitytreffen

Freitag, 03. März 2017
Ich kehre aus Japan zurück und lande wieder in Deutschland.

Sonntag, 05. März 2017
Ich begleite Inga auf dem Luisenturmlauf und weiche nicht von ihrer Seite während des Laufes. Ich habe Jetlag, bin müde, aber gehe es als lockeren Lauf an. Meine Beine sind vom Tokio Marathon immer noch schwer, den ich ja nur eine Woche zuvor lief.

Donnerstag, 09. März 2017
Ich beschließe, nach einem Telefonat mit Ariane, definitiv zum Utrecht Halbmarathon zu fahren. Der Hauptgrund ist das FatBoysRun Community-Treffen. Schließlich höre ich die Beiden seit es Folge 3 gibt. Stand Heute gibt es um die 80 Folgen. Sie haben mich also schon lange begleitet und unterhalten und ich möchte die beiden endlich kennenlernen.

Montag, 13. März 2017
Ich habe eine leichte Bronchitis und werde zu zwei Tagen Ruhe von meiner Hausärztin verdonnert. Es ist fragwürdig, ob ich am Wochenende überhaupt wieder fit genug für das Laufen bin. Ich bin traurig

Samstag, 18. März, FatBoysRun Community-Treffen mit Pastaparty
Ich stehe auf und beschließe erst in diesem Moment, dass ich nach Utrecht fahre. Ich bin wieder halbwegs fit, sage ich mir zumindest, fühle ich mich aber unsicher. Gegen 11:00 Uhr geht es los. 250 km später bin ich in Utrecht und treffe Ariane bei der Abholung der Startnummern. Wir teilen uns ein Zimmer, denn das macht es ein wenig kostengünstiger.
Vom Hotel geht es dann zu Philipp, einem der beiden FatBoys vom FatBoysRun Podcast. Ich bin von den Parkplatzpreisen schockiert: Ca. 4 Euro pro Stunde. Ariane und ich diskutieren und beschließen dann, die Gebühr für 5 Stunden zu bezahlen. Wir können das aber nicht, da der Automat nur Kreditkarten annimmt und wir beide darauf nicht vorbereitet waren. Ariane geht schon einmal vor, ich fahre ich das Auto wieder zurück zum Hotel und gehe die knapp 4 km zu Fuß.
Als ich ankam, war ich der letzte eintreffende Gast. Shit happens. Jedoch gab es genug Pasta und vegane Soßen, so dass ich gleich direkt von Philipp mit einem vollen Teller begrüßt wurde. Es begann ein netter Abend, wo ich viele neue, nette Personen kennen gelernt habe und einige sicher dieses Jahr auf der einen oder anderen Veranstaltung wiedersehen werde. Neben vielen netten kleinen Gesprächen mit anderen aus der Community über Ultraläufe, Marathons und natürlich den Hermannslauf. Es gab es auch ein kurzes Gespräch mit René, den zweiten vom FatBoysRun-Podcast, und auch Philipp.
Der Abend verging für mich wie im Flug, bis wir kurz vor 22 Uhr freundlich von Philipp raus geschmissen wurden. Marius und Daniel waren zwei aus der Community, die ich kennenlernen durfte. Sie schliefen im selben Hotel und nahmen uns mit zurück und ersparten uns die 4 km Rückweg zu Fuß. Auf diesem Wege nochmal: Vielen Dank!

19. März 2017
Ariane und ich standen auf und frühstückten mit Daniel und Marius. Daniel lief den ganzen Marathon, Marius hingegen lief den halben, wie Ariane und ich.

Wir fuhren zu viert, in zwei Autos, vom Hotel zum Start. Im Parkhaus angekommen, parkten René und Philipp keine 10 Sekunden später fast neben uns. Gemeinsam gingen wir erst zur Kleiderabgabe und dann weiter in ein Café, wo wir die anderen aus der Community trafen. Nach etwas Schnack und aufwärmen, gingen wir gemeinsam zum Start. Es war wirklich sehr windig und dadurch war es nicht gerade warm. Wenigstens war es trocken und ich hoffte, dass dies zumindest bleibe. Ich war mir sicher, dass auf Grund meiner Erkrankung, meinem mangelnden Training und vor allem auch dem enormen Wind hier keine Bestzeit drin war. Ich beschloss zwischen 1:35 und 1:45h zu laufen, um den Lauf möglichst zu genießen.

Wenige Sekunden vor dem Start bemerkte ich, dass ich im völlig falschen Startblock G stand. Daher lief ich dort raus, komplett um alle anderen Startblöcke herum und konnte ganz kurz vor knapp in meinen Block D einchecken. Puh! Das waren sicher 200m im zügigen Tempo.

Start
Der Start war interessant. Es gab vor der Startlinie eine absichtliche Verengung. Sie hatte ich zwar ab der Startlinie sofort sehr viel Platz, jedoch musste ich bis zum Start Schlange stehen und warten. Dass ich aber direkt viel Raum und Platz hatte, empfand ich auf jeden Fall, als die nettere Option.

Km 0 – 5
Die ersten Kilometer flogen dahin. Wir liefen durch Wohngebiete, schönen Parkanlagen und Fahrradwegen. Es gab hier etwas Publikum. Interessant waren die Elektrolytgetränke. Die Becher hatten einen Deckel mit Strohhalm. Irgendwie war ich es nicht gewohnt so während des Laufens zu trinken.

Km 5 – 10
Einer der für mich wohl schönsten Abschnitte der Strecke war jener zwischen Km 5 und 10. Es ging in Richtung Innenstadt an Grünflächen und Grachten vorbei. In der Innenstadt gab es eine unheimlich gute Stimmung. Gemischt mit engen Gassen und schönen, teils alten Gebäuden.

Dort lief ich auch auf den Pacemaker für den Marathon auf: 3:15h. Ich dachte, ich hänge mich ein wenig dran, änderte aber schon nach 100 m meinen Plan. Der Knubbel um den Pacemaker war schon etwas größer und irgendwie auch ein unangenehmes Gedrängel. Ich beschloss zu überholen und weiter mein Tempo zu laufen.

Bei Km 8 bemerkte ich, dass ein Läufer mich schon länger als Pacemaker nutzte. Ich sprach ihn an. Sein Name war Bart und ich meinte zu ihm, dass ich bewusst ab Km 10 das Tempo raus nehme. Wir unterhielten uns ein wenig. Er erklärte mir, was ich noch von der Strecke zu erwarten hatte: Lange Geraden, viel Natur, wenig bis kein Publikum. Wir quatschten danach über alles Mögliche: Alte Wettkämpfe, Utrecht, Ziele und Pläne. Bei Km 10 nahm ich das Tempo raus und ließ meinen Gesprächspartner ziehen.

Km 10 – 15
Nach gut 42/43 Minuten passierte ich die 10 km. Ich wollte den zweiten Teil des Laufes nur noch genießen und nichts mehr riskieren. Laut Plan, sollte hier bald etwas zu trinken kommen. Ich hatte Durst und ein wenig Hunger. Eine Banane sollte geben. Bei Km 12 kam endlich die Getränkestation, jedoch ohne Obst.

Ich war enttäuscht, aber lief nach etwas Wasser und Elektrolyte weiter. Es hieß doch im Vorfeld, dass es auch Obst für die Halbmarathonläufer_innen geben solle, jedoch gab es sie nicht und dies sollte sich auch nicht mehr ändern. Nicht einmal im Ziel, doch dazu gleich mehr.

Km 15 – 20
Es war schon irgendwie schön durch die Natur zu laufen. Viele hatten mich überholt und es war ok. Wir liefen lange gerade Straßen entlang, durch Felder, an Bauernhöfen vorbei und es gab tatsächlich wenig Publikum. Bei Km 18 blieb ein Läufer plötzlich stehen und wankte und hechelte. Ich blieb sofort stehen und fragte, ob er einen Arzt bräuchte. Er meinte, es wäre alles in Ordnung und er käme klar. Als er weiter wankte, fragte ich nochmal nach, ob er wirklich sicher sei. Seine Atmung klinge nicht gut und er wanke sehr stark. Er verneinte erneut und unterstrich, dass er wirklich keinen Arzt bräuchte. Ich lief los und drehte mich nach 100 m wieder um, und sah ihn langsam traben. Ich war mir nicht sicher, ob es ihm wirklich so gut ginge. Doch nach weiteren 100 m lief ich an einem Arztteam vorbei, die sehr aufmerksam alle anschauten und musterten.

Bei Km 19 überholte mich eine Läuferin, die mit einem Läufer zusammen lief. Aber irgendwie blieben die nun wenige Meter vor mir und liefen nicht mehr schneller.

Km 20 – Ziel
Als der letzte Kilometer anfing dachte ich, dass ich die beiden wieder überholen könnte und entschied mich dazu leicht das Tempo anzuziehen. Auch bemerkte ich, dass ich knapp unter 1:35 bleiben könnte.

Als ich die beiden überholte, zog plötzlich die Läuferin mit. Der Läufer blieb zurück. Bis kurz vor dem Ziel pushte die Läuferin mich und ich sie auf ein gutes Tempo. Wir liefen knapp hinter einander ins Ziel. Ich trabte aus, holte Luft und freute mich auf die Zielverpflegung. Diese Bestand aus Wasser und Elektrolyte. Ich war erneut enttäuscht und ging ohne Essen duschen.

Achja, natürlich konnte man im Parkhaus nur mit Kreditkarte bezahlen und sonst gar nicht. Dank eines freundlichen Läufers, konnte ich ihm die Gebühr in Bar geben und er bezahlte für mich die Gebühr mit seiner Karte.

So sehr ich das Communityevent gefeiert habe und mir die Strecke gefiel, so sehr muss ich klar Kritik an der Verpflegung des Halbmarathons üben. Ich war bis zu diesem Punkt wirklich positiv von dem Wochenende angetan. Wer im Vorfeld Essen für die Läufer_innen verspricht, der sollte es auch einhalten. Dass es nicht einmal etwas im Ziel gab, irritierte mich. Hätte ich das im Vorfeld gewusst, hätte ich entsprechend vorgesorgt und mir etwas mitgenommen. So fuhr ich mit leerem Magen nach Hause und holte mir unterwegs irgendwas an einer Tankstelle.

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Tokyo Marathon 2017

Freitag, 24. Februar 2017
Ich stehe vor zwei Rolltreppen und meine größte Unterstützerin steht neben mir. Unsere Wege trennen sich hier. Ich schaue zu ihr rüber; sie zu mir. Die linke Rolltreppe ist nur für Teilnehmer_innen und die Rechte für alle anderen. Ich fahre rauf und komme in einen Bereich, wo ich freundlich empfangen werde. Ich habe als Ausländer nur ein Pult an dem ich mich anstellen darf. Darüber hängt ein Schild „International Guests“. Alles klar. Das Pult ist leer und ich komme direkt dran. Mein Pass wird geprüft und nachdem der Mann vor mir steht davon überzeugt ist, dass ich der bin, der ich bin, bekommen ich meine Marathonpapiere einen Stempel. Ich glaube, ich habe nun den Passierschein A38 für den Tokio Marathon erhalten. Bei dem Gedanke muss ich Schmunzeln.

Ich darf weitergehen, ganze 10 Schritte, bis eine ältere Frau zu mir eilt. Ich benötige nun ein Sicherheitsbändchen. Mit dem Passierschein, dem Bändchen darf ich 10 Schritte weitergehen und erhalte meine Startnummer und eine zusammengelegte Tüte für die Kleiderabgabe im Startbereich. YEAH! Ich fühle mich langsam wie bei dem Spiel ‚Ich packe meinen Koffer‘. Mit dem Passierschein, dem Armband, der Tüte für die Kleiderabgabe und der Nummer darf ich ungefähr 30 Schritte gehen und erhalte einen leeren Beutel, wo ich alles rein packen darf. Zuvor darf ich den beigelegten Chip testen lassen. Der Monitor des Testgerätes zeigt meine Nummer, mein Namen und ich nicke zufrieden. Mit dem Passierschein, der Nummer, dem Bändchen … Ach wir lassen das. Es gibt noch eine Station, wo ich ein T-Shirt bekomme. Es gibt nach der T-Shirt Station mehrere Tische, wo ich alles einpacken und umpacken kann. Das Angebot nutze ich und packe es zu einem Gesamtpaket. Ich werde weitergeleitet in einen Flur, voller Sicherheitshinweise auf Japanisch. Ich gehe weiter und sehe einen Japaner mit einem Schild auf seiner Brust „English Speaker“. Ich gehe zu ihm hin und lasse mich hinsichtlich der Sicherheitsaspekte aufklären. Sein Englisch, so ehrlich möchte ich sein, ist nicht das Beste. Er bemüht sich redlich und ich bin froh, überhaupt jemanden zu haben, der mit mir Englisch spricht. Er sagt mir, dass der Buchstabe vor meiner Nummer der Startblock ist. Ich starte in C. Er macht mich darauf aufmerksam, dass es bis L geht. Ich müsse also schon recht zügig sein, wenn ich in C starten würde. Gefolgt von einigen Sicherheitshinweisen, die ich abspeichere, gehe ich weiter und treffe Katja, die erwähnte Unterstützerin, wieder.


Sie wartet am Ende, in einer großen Halle wo alle Fotos machen. Auch wir! Gefolgt von einer unglaublich lauten Messe, wo alle schreien. Ich verstehe kaum etwas, wenn ich an einem Stand bin, weil alle so laut waren. Wenn ich dort arbeiten müsste, würde ich Taub und mit Kopfschmerzen abends nach Hause gehen. Wir gehen weiter und erreichten den Asics Verkaufsstand. Ich werde zwar arm werden, aber ich nehme neue Laufkleidung mit. Mit all den Dingen gehen wir zurück ins Hotel. Jetzt sind es nur noch 1,5 Tage bis zum Start des Marathons.

Sonntag, 26. Februar 2017
03:00 Uhr
Hab ich verschlafen? Ein Blick auf den Wecker und die Antwort war nein. Ein kurzer Gang zur Toilette und wieder ins Bett, gefolgt vom Versuch weiter zu schlafen.

05:13 Uhr – Stockende Gedanken
Ich erwache. 2 Minuten vor dem Wecker. Bin Müde, hab keine fließenden Gedanken. Aufstehen, anziehen, präparieren. Das Essen muss rein. Irgendwelche Milchbrötchen aus dem Supermarkt. Egal. Blicke in die Supporter-WhatsApp-Gruppe mit neuen Nachrichten. In Deutschland ist es acht Stunden früher. Freue mich und antworte. Überprüfe, ob alles in meiner Tasche ist. Nummer, Chip, Mütze, Sicherheitsarmband, Wechselkleidung, Handtuch, U-Bahn-Ticket. Überprüfe es nochmal. Immer noch Gedanken, die wie gestückelt wirken. Verabschiede mich von meiner größten Unterstützerin mit einem Kuss. Hoffe sie kann wieder einschlafen. Gehe los.
Verpasse die U-Bahn um wenige Sekunden. Muss warten, Zeit vergeht nicht. Sehe andere Läufer. Hoffe bald richtig klare Gedanken wieder zu fassen. Wach bin ich. Glaube ich zumindest.
Fahre U-Bahn. 40 Minuten. Nach und nach gibt es immer mehr Läufer_innen in der Bahn. Bin wohl richtig eingestiegen. Steige aus und denke mir: Ein Klo im S-Bahnhof ist besser als jedes Dixi. Super Idee. Hatten wohl auch viele andere. Muss warten…

07:14 Uhr – Ankommen
Als ich das Klo verlasse, fühle ich mich deutlich besser. Die Massen an Läufern und die frische Luft geben mir endlich die Möglichkeit klarer zu denken. Seit 7 Uhr dürfen die Läufer in den Startbereich. Es gibt sechs Gates, also Zugänge. Jeder Läufer und jede Läuferin darf nur über ein ganz bestimmtes Gate eingelassen werden. In meinem Fall ist das Gate Vier. Als ich kurz vor dem Gate war, sehe ich das viele Läufer_innen umpacken, sich umziehen und zum Sicherheitscheck gehen. Ich leere meine Wasserflasche in wenigen Zügen und schmeiße sie vor dem Sicherheitscheck in eine Tonne, weil ich das muss. Sicherheitsbestimmungen.

Der Einlass ist schnell, auch der Sicherheitscheck, da es keine langen Schlangen gibt. Nun geht es zur Kleiderbeutelabgabe, damit ich trockene Kleidung im Ziel habe. Danach noch zwei schnelle Fotos für den offiziellen Fotodienst und weiter zu den Verpflegungsständen. Eine halbe Banane und ein halbvoller Becher mit Wasser sind schnell im Magen verschwunden. Weiter geht es zum Startblock C. Es geht von A bis L. Wobei A die schnellsten Läufer enthält.


08:10 Uhr – Im Startblock
Ich bin 60 Minuten vor dem Start, und ca. 30 Minuten vor dem Schließen der Startblöcke im Block C und stelle mich vorne rein. Es ist sehr kalt, da unser Block im Schatten der Hochhäuser steht. Ich friere. Nein, wir alle frieren und warten. Um 8:40 sehe ich heran sprintende Läufer_innen, da die Blöcke kurz davor sind geschlossen zu werden.

Neben mir erscheinen die Pace-Maker für 3:30 Stunden als Zielzeit. Zwischen Block A und B stehen die 3:00 Stunden Pace-Maker. Um 8:50 Uhr sind dann wirklich alle Blöcke zu und die Unterscheidung der Blöcke wird aufgehoben. Alle rücken auf. Es gibt die Nationalhymne Japans, Ansprachen und um 9:05 Uhr den Start der Handbiker. Ich schaue mich kurz um, sehe einen männlichen Sailor-Moon, Pikatchu, Ruffy aus One Piece und viele andere Kostüme. Meine Anspannung steigt mitten in Tokio, neben dem Rathaus. Es ist ein Moment der mir Ehrfurcht abverlangt.

9:10 Uhr – Start des Marathons
0 km
Der Start des Marathons erfolgte durch Konfetti-Kanonen. Von rechts und links der Strecke abgeschossen, trafen sie sich in der Mitte über den Läufer_innen. Doch damit endete es nicht. Es gab Brücken zwischen Gebäuden und von der Brücke direkt über dem Start wurde eine weitere abgeschossen. Es sah sehr beeindruckend aus. Wir gingen alle langsam los und an einer riesigen Tribüne vorbei, die vor dem Tokioer Rathaus aufgebaut war. Das gehen sollte für mich keine zwei Minuten dauern, bis ich auf der Strecke war und lief.

Km 0 bis 10
Die ersten 10 Kilometer lassen sich schwer in Worte fassen, weil die Emotionen so intensiv und unterschiedlich waren. Auf der einen Seite entschloss ich mich per Puls zu laufen und blieb bei einem GA2 (Grundlagenausdauerbereich 2) Puls von um die 80% bis 82%. Ich muss mich immer wieder richtig bremsen und runter fahren vom Tempo. Auf der anderen Seite waren diese ersten 10 Kilometer annähernd einmalig und lassen sich nur mit den Kilometern in Manhattan beim New York Marathon vergleichen. Die Massen an Zuschauern, die Stimmung puschten einen so sehr, dass man gerade hier in Tokio enorm aufpassen musste, nicht direkt zu schnell zu laufen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es einigen passiert sein dürfte. Mir fiel es unheimlich schwer entspannt und locker zu bleiben. Diese Jubel, diese Anfeuerungen, dazu das wirklich perfekte Laufwetter. Wir hatten um die 10 Grad bei blauem Himmel und kaum Wind. Die Menschen standen in mehreren Reihen hinter einander und feuerten an. Ich sah wie einige an mir vorbei sprinteten und liefen als wäre der Teufel hinter ihnen her. Ich hatte die ersten Kilometer fast durchgängig Gänsehaut wusste oft nicht wohin ich gucken sollte, welche Reize ich gezielt aufnehmen sollte. Diese Rennphase war so unglaublich reizüberflutend. Ich war froh, dass Katja nicht extra zum Start gekommen war. Ich hätte sie höchstwahrscheinlich nicht gesehen oder gefunden. Vor allem das Läuferfeld war zu diesem Zeitpunkt natürlich noch sehr kompakt auf der Straße. Dazu kommen noch die Impressionen der Häuserschluchten, die das Gesamtbild eines großen Marathons abrundeten.

Nach ungefähr 7,5 km gab es eine Streckenteilung, wo die Läufer_innen der 10 km Distanz von den Marathonläufer_innen getrennt wurden. Das sah etwas seltsam aus, da die sehr wenigen, ja gar nur einzelne Teilnehmer_innen der Kurzdistanz fast die halbe Straßenbreite hatten und alle Marathonläufer_innen die andere.

Ich beendete meine ersten 10 Km in genau 45:00 Minuten. Die Zeit verging wie im Flug. Gefühlt nahm die Begeisterung der Menschen nicht ab. Die Zuschauer standen natürlich nur noch einreihig, aber sie waren unverändert motiviert am jubeln, schreien und anfeuern. Hätte ich mich von der Stimmung frei tragen lassen und mich nicht kontrolliert, hätte es sicher auch eine 40/41 Min Zeit werden können. Aber wozu? Ich hatte noch 32 km vor mir und ein besseres Preis/Leistungsverhältnis.

Km 10 bis 16
Bei Km 11 traf ich Katja, die mir zuwinkte. Wir hatten vereinbart, dass ich versuche immer einen kurzen Status Update zu geben. Hier war er „Ich laufe auf eine 3:10h Zielzeit.“
Ich sah auf die Gegenfahrbahn und las das „Km 27“ Schild. Wenn ich dort erst einmal bin. Das dauert aber noch mehr als eine Stunde, dachte ich. Es ging weiter. Bis Km 16 nahmen gefühlt die Euphorie und die Genialität des Laufes nicht ab. Bei Km 15 gab es den ersten U-Turn.

Wir liefen erst auf einen alten Schrein zu, der umhüllt von hohen Gebäuden war. Dann ging es um 90 Grad nach rechts und es kam wie aus dem Nichts der Skytree in Tokio einen in den Blick. Nach wenigen Metern ging es wieder um 90 Grad nach rechts und plötzlich befand ich mich auf der Gegenfahrbahn der Straße, die ich zuvor belief. Erst da realisierte ich langsam, dass wesentlich mehr Menschen hinter mir sind, als vor mir. Die Straße war viel voller. Bei mir war es schon gut und entspannt laufbar, aber hinter mir schien es ein höheres Gedränge zu geben. Bei Km 15,5 gucke ich auf die Uhr und dachte mir, dass die Weltspitze nun sicher ungefähr bei Km 25 sein musste. Als ich in eine Links Kurve einbog zwischen Km 16 und 17, sah ich plötzlich wieder leere Straßen auf der Gegenfahrbahn und das Schild „Km 25“. Was soll ich sagen? Die Weltspitze kam in dem Moment mir entgegen.

Km 16 bis 21,1
Nun war ich bei Km 17. Auf der Gegenfahrbahn las ich etwas später das Schild Km 24. Auf der Gegenfahrbahn sah ich vereinzelte kleinere Gruppen. Die liefen sicher auf eine 2:20h oder 2:30h Zielzeit, zumindest dachte ich mir das. Auf diesem Abschnitt war die Stimmung weitaus gedämpfter und weniger laut. Natürlich gab es immer noch unzählige Menschen die am Rand standen, doch mit mehr Ruhe und Zurückhaltung. Wenn sie jemand sahen, den sie kannten, dann rasteten die Japaner total aus. Ich erschreckte mich das eine oder andere mal, weil sie plötzlich, aus dem Nichts völlig aus dem Häuschen waren, schrien und rumsprangen.

Bei Km 19, auf einer kleinen Brücke, war mein zweiter Treffpunkt mit Katja. Ich sagte ihr, dass ich nun langsamer laufen werde. Ich merkte, dass ich schon kleinere Probleme mit den Beinen hatte. Es schien als wenn es für meinen Körper kein idealer Tag gewesen war. Meine Oberschenkel zwickten hier und da. Bei Km 20 hatte ich genau 1:30h auf der Uhr. Da ich das Tempo bewusst raus nahm, wusste ich nicht, wie viel Zeit ich liegen lassen würde. Mit meiner Halbmarathonzeit lief ich weiterhin grob auf eine 3:10h Zielzeit hinaus. Doch, dass sollte sich ja nun ändern. Spätestens bei km 30 sollte es sichtbar sein, dass es nichts mehr mit einer 3:10h wird. Dieser zweite von insgesamt 3 U-Turns war deutlich leiser beim Publikum und weniger spektakulär.

Km 21,1 bis 26
Nach dem zweiten U-Turn ging es zurück zu jenen Punkt, wo ich die Weltspitze sah. Je weiter ich lief, umso voller wurde die Gegenfahrbahn. Ich dachte, es gehe kaum noch voller, doch ich hatte Unrecht. Irgendwann durchfuhr mich das Bild einer dahin fließenden, riesigen Masse. Um mich herum geschah genau das Gegenteil: Es wurde immer leerer. Ich hatte unglaublich viel Platz und es wurde immer einsamer.

Bei Km 22 traf ich Katja wieder. Selbe Brücke wie bei Km 19, nur auf der anderen Straßenseite. Ich war sehr froh sie zu sehen und jemanden da zu haben, der mich unterstützte. Damit war das dritte von fünf geplanten Treffen auf der Strecke absolviert.

Immer wieder sah ich mich um und konnte nur schwer den Umstand greifen, dass ich in Tokio, auf der anderen Seite der Welt, gerade laufe. Was ich in diesem Abschnitt endlich begriffen hatte, war das Klo-System für die Läufer. An jedem Klo stand ein Helfer mit einem Schild auf dem zum Beispiel „Next Toilet 200m“ stand. Ich verstand endlich, dass diese Schilder auf aktuelle bereitstehende Toiletten hinwiesen, aber auch klar zeigten, wann die nächsten kamen. Die Toiletten waren Dixis, die hinter den Zuschauer standen, jedoch mit frei gehaltenem Ein- und Ausgang. So etwas ist wirklich hilfreich und jetzt wo ich darüber nachdenke, wünsche ich mir so eine Hilfe überall auf den Marathons.

Bei Km 25 guckte ich rüber auf die Km 16 Marke, da wo ich die Weltspitze gesehen hatte. Die Straße bei Km 16 war immer noch sehr voll. Unglaublich wie viele Menschen hinter mir liefen. Kurz nach Km 25 bogen ich links in eine Straße. Nun war die Gegenfahrbahn mit jenen Läufer_innen gefüllt, die nun ungefähr bei Km 12,5 waren. Hier wurde deutlich mehr gewalkt und die Straße war weniger voll.

Km 26 bis ‚Mann mit dem Hammer‘
Bei Km 26 / 27 erkannte ich die offiziellen Schlussläufer, die ungefähr Km 11 passierten. Hinter Ihnen räumten Aufräumtrupps mit hohem Tempo eine Verpflegungsstelle auf. Neben ihnen fuhren große Müllwagen. Hinter den Müllwagen war der Besenbus. Wem der Begriff des Besenbuses nichts sagt, dem sei kurz dies erklärt. Der Besenbus bildet den Abschluss des gesamten Feldes und sammelt all jene ein, die es zeitlich oder warum auch immer nicht mehr schaffen einen Lauf erfolgreich zu beenden. Ich war traurig, als ich erkannte, dass in dem Bus schon Personen drin saßen. Der Bus hatte gute 500 bis 800 m Abstand zu den Schlussläufern.

Ich war vor dem Marathon skeptisch, ob das wirklich schön ist, wenn eine Strecke drei U-Turns hat und alle im Grunde drei lange Straßen hin und wieder zurück liefen. Aber ich muss sagen, dass ich an diesem Moment das wirklich zu schätzen wusste. Ich wusste nach jedem U-Turn was kommt und es war einfach unglaublich spannend für mich das Feld vor mir, aber auch hinter mir zu sehen. Zudem ist Tokio mir so unbekannt, dass ich auf jedem Rückweg immer etwas neues entdeckte und Bilder, wie das Aufräumen eines Verpflegungspunktes genauso interessant waren, wie die Weltspitze laufen zu sehen.

Leider sah ich meine Supporterin nicht bei Km 27. Wie sie mir später im Hotel erklärte, hatte sie ein dringendes Verlangen nach einem Klo. Das hatten leider auch sehr viele andere Zuschauer und sie verlor eine Menge Zeit und kam nicht mehr rechtzeitig zum Treffpunkt. Als sie auf Facebook die Service Nachricht sah, dass ich schon bei Km 30 durch bin, fuhr sie weiter zum letzten Treffpunkt.

Bei Km 30 war ich immer noch offiziell auf einer Zeit von 3:15h unterwegs. Meine Beine waren aber schwer und ich merkte, wie schon der Mann mit dem Hammer neben mir auftauchte und mich mit seinem fiesen Grinsen ansah. Dreckiger Typ sag ich euch. Ich konnte noch zwei Kilometer vor ihm fliehen, doch bei Km 32 war es dann soweit. Er stellte sich vor mich, lächelte, zwinkerte mir zu und schlug auf mich ein. BÄM! Ich war k.o. Was jetzt?

Km ‚Mann mit dem Hammer‘ bis 40
Bei Km 32,5 kam eine Verpflegungsstation. Ich nahm Elektrolyte und blieb stehen, das erste Mal. Während dieses Verpflegungspunktes wollte ich nicht weiter laufen, sondern mich richtig aufbauen und etwas erholen. Der Schlag mit dem Hammer saß und das spürte ich. Aus etlichen anderen Läufen weiß ich: Ruhe bewahren, aufpeppeln und durchatmen. Ich aß ein Stück Apfel, es gab M&Ms und Traubenzucker. Alles wurde mit Wasser ordentlich nachgespült. Ich trabte wieder langsam an. Dabei beschloss ich, dass ich mir keinen Zeitstress oder -druck mache. Ich war in Tokio. ALTER! Ich war um die halbe Welt gereist, nur um hier Spaß zu haben, also hatte ich jetzt Spaß. Nix Stress! Nix Druck! SPASS! Mir diesen Umstand so klar zu machen, half enorm. Ich nahm erheblich das Tempo raus, aber ich lief. Mein Ziel war es, bis auf die Versorgungsstationen durchzulaufen.

Es gab hier auch immer wieder Phasen, wo sehr viele Personen am Rand standen und eine Totenstille herrschte. Dann gab es Phasen, die extra markiert schienen, in denen die Personen richtig Stimmung machten und rumschrien. In dem Abschnitt zwischen 30 und 40 waren die wenigsten Zuschauer. Ich hatte schon erwartet, dass in dieser U-Turn Schleife weniger los sein würde. Die S-Bahn Verbindung war schlechter. Das hatte ich vorher extra nachgesehen, da Katja und ich Treffpunkte ausgemacht hatten. Ich wünschte mir zwar, dass sie irgendwo zwischen Km 30 und 40 stand und mich anfeuerte, doch es machte einfach keinen Sinn. Ich hatte zu ihr gesagt, dass es hier kaum Publikum geben wird, da die Zuschauer_innen natürlich ihre Angehörigen eher vor dem Ziel sehen wollen. Auf Grund der mauen S-Bahn Verbindung in diesem Abschnitt war das aber kaum rechtzeitig möglich.

Irgendwann bei Km 35,5 kam ich in die letzte U-Turn Schleife. Nun ging es wieder komplett zurück. Im Grunde durfte ich diese Straße nun knappe 6 Km entlang laufen und dann sollte da irgendwo das Ziel stehen. Gesagt, getan. Ich blieb an Wasserpunkten nicht stehen, sondern trank im Gehen. Bei den Verpflegungspunkten, die mehr als nur Wasser anboten, blieb ich kurz stehen und aß etwas. Die Helfer an diesen Punkten munterten mich auf, dass sah ich in ihren Gesichert. Ihre Rufe habe ich auf Grund mangelnder Kenntnisse der japanischen Sprache nicht verstanden. Ich lächelte zurück, nickte und hoffte, dass meine Reaktion nicht beleidigend war.

Ich war glücklich und tief in meinem inneren Zufrieden. Mir hing dieser miese Hammerschlag noch nach, aber bei Km 36 ging es mir langsam besser und ich beschleunigte sogar wieder. Bei Km 38 verfluchte ich das fehlende Km 40 Schild und fragte mich, wieso es nicht käme. Bei Km 39 verfluchte ich meine Beine. Bei Km 40 verfluchte ich meine Uhr, weil diese schon bei Km 42,5 war und mich seit Beginn des Laufes völlig veräppelte.

Aber halt. Moment. Sekunde. Ich war bei Km 40. Yeah. Das Tal der Tränen war nun hinter mir. 2,195 km lagen vor mir und ich erkannte, dass ich bei ungefähr 3:15h nun war. D.h. ich hatte noch 20 min für diese Distanz, um eine neue Persönliche Bestleistung zu erreichen. Das gab mir neuen Auftrieb, zu wissen, dass dies mein bisher schnellster Marathon werden sollte. Ich guckte nach rechts, auf die Gegenfahrbahn (in Japan ist Linksverkehr). Dort war die Straße sehr voll und alle Läufer_innen waren gerade bei Km 31. Ich wünschte ihnen, dass sie besser durch diesen letzten Abschnitt kämen.

Km 40 bis Ziel
Ich hatte so viele Eindrücke, dass ich gefühlt zügig Km 41 erreichte. Dort irgendwo zwischen 41 und 42 sollte Katja stehen. Ich fragte mich, wie der letzte Kilometer werden würde. Er ist in Berlin durch das Brandenburger Tor etwas Besonderes und in New York durch den Central Park auch. Kurz nach dem Km 41 Schild lief ich in eine Allee mit hohen Häusern, wieder vielen Zuschauern und einer unglaublich guten Stimmung.


In der Menge der Zuschauer winkte und schrie Katja mir zu. Ich winkte zurück, lief zu ihr, klatschte sie mit einem High Five ab, warf ihr einen Luftkuss zu und schrie: „WAS EIN LAUF! BESTZEIT!“ Sie schrie irgendwas zurück, was ich nicht verstand. Es war wirklich laut. Aber es beflügelte mich noch einmal anzutreten. Diese letzten 500 m kannte ich zufälligerweise vom Vortag, da wir hier zu Fuß waren, um uns alles anzusehen. Ich schaute nach links und rechts, ich lachte, grinste und wurde emotional. Die Strecke bog nach Links ein und da war es: Der Bereich, wo man auf den Kaiserpalast sah und das Ziel. Es waren nur noch wenige Meter. Es gab eine Anzeige, die uns die Siegerzeit „2:03:58“ darstellte und darüber die aktuelle Zeit.

Viele, aber nicht alle, jubelten, schrien und freuten sich. Als ich hinter der Ziellinie war zeigte ich kurz den Daumen hoch in meine Kamera. Danach schaltete ich die Kamera aus. Dieser Moment danach im Ziel, der gehört mir und wird an dieser Stelle nicht geteilt.

Der wohl am meisten bewegende Moment war nach dem Ziel
Und als ich mir meinen Moment genommen hatte, ging ich weiter. Schließlich wollte ich meine trockene, warme Kleidung haben und natürlich die Medaille. Ich ging und ging und ging und nichts geschah. Wir Läufer_innen wurden gleich geteilt anhand der Farbe der Nummer. Je nach Farbe gab es woanders die Kleidungsbeutel. Ich ging gute 500 m bevor ich ein Finisher Handtuch bekam, einige Meter danach eine Wärmedecke, dann nach einigen Metern eine Flasche Wasser, danach eine leere Plastiktüte. Ich fühlte mich so unfassbar an die Ausgabe der Startnummer erinnert. Diesmal hieß es: Ich packe meine Finisher-Versorgungstüte. Tatsächlich gab es Stände mit Bananen, Brote und anderen Kleinkram. Erst nach der Versorgung und nach fast einem Kilometer gab es die Medaille. Ich sah links nämlich die Stelle, wo das Km 41 Schild stand.

Hier wurden wir nochmals nach der Farbe der Startnummer getrennt. Irgendwann sah ich endlich den Weg zu meiner Baggage Claim (Rückgabe des Kleiderbeutels). Ich war völlig in Gedanken, wo ich gleich noch hin wollte und wie ich am besten zur S-Bahn komme, die mich ohne Umweg zum Hotel bringen würde. Ich konzentrierte mich schon völlig auf die Abreise bis zu jenen Moment, wo ich bemerkte, dass der Läufer vor mir plötzlich beklatscht wurde von den Helfer_innen beim Baggage Reclaim. Ich dachte: „Na wenn da jemand nicht Bekannte stehen hat.“ Doch die Helfer_innen hinter den ersten machten weiter. Dann klatschen sie mir zu, gratulierten mir. Jeder tat das. Viele gaben mir ein High Five, aber alle klatschten und gratulierten mir. Der Baggage Reclaim für Orange war sicher gute 80 m lang. Alle standen Spalier und bejubelten jeden einzelnen der da durch ging. Es lief mir kalt den Rücken runter und ich war völlig überfordert, weil ich absolut nicht damit gerechnet hatte. Das war der für mich der wohl am meisten bewegende Moment, weil ich alles was ich hinter der Ziellinie fühlte, hier wieder hochkam und noch einmal getoppt wurde. Danke an die Japaner_innen, die mir diesem unvergesslichen Moment an Freude und Glück geschenkt haben. Ich werde dies niemals vergessen.

Nachdem ich meinen Kleiderbeutel bekommen hatte und im Bereich hinter der Kleiderabgabe gestanden hatte, zog ich mir fix warme Sachen an, ging zu Seiko, um an der Finisher-Aktion teilzunehmen. Jeder der wollte, durfte ein riesiges Plakat beschreiben, mit seiner offiziellen Finisherzeit. Diese wurden am Folgetag in den U-Bahnen aufgehängt. Ich fand die Aktion sehr toll und nahm dran teil.

Danach ging es direkt ins Hotel zu Katja und zur Dusche. Endlich duschen, endlich ausruhen und die vielen Eindrücke verarbeiten. Danke Tokio, ich werde davon lange zehren. Ich hoffe wir sehen uns wieder.

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Wie ich überraschend Ostwestfalenmeister im Crosslaufen für die Alterklasse Männer 30 wurde

Januar 2017
Ich stöberte in den Resultaten der Ostwestfalen-Crossmeisterschaften (OWL-CM) 2016 und sah, dass ich durchaus in der Lage wäre, im Mittelfeld mitzulaufen. Daraufhin beschloss ich, den Verein zu bitten, mich zu den OWL-CM 2017 zu schicken. Gesagt, angemeldet und voller Vorfreude.

Sonntag, 05. Februar 2017

Vor dem Start
Der Lauf war in Lüchtingen, Höxter. Die Anfahrt war entsprechen weit für mich, um die 80 km pro Weg. Als ich ankam, stand dort die Feuerwehr und zeigte mir, sehr höflich und freundlich, wo ich parken durfte. Es war alles total entspannt und gut organisiert.
Ich kam im Stadion an und sah mehrere Kinder, die gerade in ihren Disziplinen starteten. Parallel gab es Siegerehrungen. Dies war mein erster „echter“ Wettkampf seit gut 6 oder 7 Jahren. Mein letzter Wettkampf waren die Cross-Kreismeisterschafen, wo ich damals in der Altersklasse Männer (20 bis 29) Kreismeister wurde. Was ich mit „echt“ meine? Es war eine Meisterschaft, wo es auch um den Titel Ostwestfalenmeister ging. Eine realistische Chance für einen Sieg habe ich mir nicht ausgerechnet oder gar dran gedacht. Ich versuche im Moment meine Bindung mit dem Verein wieder zu stärken und für ihn auf Meisterschaften zu fahren. Meine Zeiten sind in Ordnung, aber reichen eben nicht für Siege. Gerade in der Altersklasse M30 (Männer, 30-34) erlebe ich es immer wieder, dass ich zwar im Gesamtfeld eher vorne mitlaufe, jedoch in der Altersklasse eher nicht vorne mitlaufe.

Der Lauf
Fast alle Namen wurden vor dem Start von einem Wettkampfrichter vorgelesen. Nachdem die Anwesenheit fest- oder eben nicht festgestellt worden ist, ging es los in die erste von sechs Runden. Gelaufen wurden insgesamt 7,9 km, aufgeteilt auf sechs Runden.
Ich hatte mich im Stadion warm gemacht und mir gar nicht die Strecke angesehen. Dort liefen ja die ganze Zeit Wettkämpfe und ich wollte dort einfach nicht stören. Insgesamt, rückblickend, gefiel mir die Runde. Es ging mit einer leichten Steigung über mehrere hundert Meter los. Dann gab es einen ähnlich langen, gut zu laufenden Downhill. Gefolgt wurde der Abschnitt aus mehreren scharfen Kurven und einem hügligen auf und ab bis es am Ende ins Stadion ging. Eine halbe Stadionrunde war am Ende zu absolvieren. Jetzt ging es noch fünfmal von vorne los.
Nach den ersten beiden Runden lag ich schon hinter der Zeit, die ich mir vornahm: 11:30 min zeigte meine Uhr an. Damit lief ich also auf eine 34:30 min hinaus. Eine 32 min Zeit hatte ich mir vorgenommen. Als mir ab der dritten Runde die Luft ausging, dachte ich, dass wohl nicht mehr viel möglich sein würde.
In der fünften Runde ging es mir wieder besser und ich zog an. Insbesondere da ein anderer Läufer von hinten immer näher heran lief, schöpfte ich daraus Motivation vor diesem Läufer zu bleiben. Am Ende der fünften Runde wurde ich von ersten drei Läufern überrundet.
In der letzten Runde machte ich nochmal richtig Tempo. Ich würde vermuten, dass ich nun die schnellste Runde lief. Als ich realisierte, dass ich knapp unter 35 Minuten ins Ziel kommen könnte, startete ich zu einem richtigen Zielsprint über gut 300 m und kam nach 34:58 min ins Ziel.

Das Warten
Nach dem Lauf ging es unter die Dusche. Noch nie war die Umkleide so klein und die Duschen so wenige für das Starterfeld. Ich musste anstehen, um überhaupt in die Umkleide gehen zu können.

Ich dachte erst, ich würde die Siegerehrung verpassen, jedoch ließ diese auf sich lange Zeit warten. Der Aushang sagte, dass ich zweiter der M30 (Alter 30-34) wurde. Yeah! Okay, okay … Ich wurde zweiter von vieren. Aber dennoch freute ich mich sehr, denn ich hatte definitiv eine schlechtere Platzierung erwartet. Dann kam die Siegerehrung der M30. Der Erste der M30 wurde aufgerufen und ich wartete nervös auf meinen Namen.

Als der Sprecher mich aufrief erklärte er, dass ich zweiter wurde und neuer OWL-Crossmeister der M30 bin. Ich dachte, das muss ein Versprecher sein, denn ich bin zweiter. Als ich mich auf das Siegertreppe als zweiter stellte, überreichte man mir zwei Urkunden: 2. Platz für den Crosslauf und 1. Platz für den Ostwestfalenmeister. Ich besprach mich mit dem Sieger und dieser mit einer Wettkampfrichterin. Sie wies darauf hin, dass er für die OWL Meisterschaften nicht startberechtigt sei. Er käme von außerhalb von OWL und starte entweder für eine Stadt oder einen Verein, der nicht zu OWL gehöre. Er meinte, er sei geborener Ostwestfale. Sie entgegnete, dass dies nicht ausreiche.

Und so kam es, dass ich total überraschend OWL-Meister über 7900m Cross der Altersklasse M30 wurde. Ich kann euch sagen, den restlichen Tag konnte ich nicht mehr aufhören zu grinsen. 🙂

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Borgholzhausen Weihnachtscross 2016

Der Weihnachtscross in Borgholzhausen sollte mein Abschluss im Laufjahr 2016 zeichnen. Ein letztes Mal wollte ich 16 km mit einem zügigen Tempo laufen. Nach dem recht erfolgreichen Nikolauslauf in Everswinkel, wollte ich eine vergleichbare Leistung erbringen. Zu der Distanz kamen noch gute 450 Höhenmeter. Ich kannte die Stecke, lief ich sie in den letzten Jahren des Öfteren. Mein Ziel war es eine neue Bestzeit auf dieser Strecke zu laufen, in unter 1:10h.
Dafür nahm ich dieses Mal keine Kamera mit, um mich vollständig auf den Lauf zu konzentrieren. Deswegen gibt es dieses Mal keine Bilder.

Vor dem Start
Ich war mit zwei Freundinnen angereist: Ariane und Inga. Ariane lief die 10 km Runde. Inga, die schon in Everswinkel dabei war, und ich starteten auf der 16 km Runde.
Der Weihnachtscross ist das, was der Name verspricht: Ein Crosslauf mit einigen Höhenmetern kurz vor Weihnachten. Der einzige Unterschied zwischen der 10 km und 16 km Runde ist, dass der zu bewältigende Hügel exakt ein zweites Mal erklommen werden durfte.
Ich weiß gar nicht, wie oft ich diesen Lauf schon absolviert habe. Ich glaube dies war mein fünftes Mal. Der Weihnachtscross ist der dritte Lauf innerhalb des Trailcups 2016 / 2017, an dem ich unter anderem teilnehme.
Ebenfalls hieß es, dass ein sehr kleiner Teil der Strecke von einigen hundert Metern geändert wurde. 2016 gab es eine sehr rutschige Passage, die zu Stürzen und Stopps geführt hat. Diese Passage war kurz nach dem Start. Dieses Jahr sollte diese Passage durch einen Straßenabschnitt umlaufen werden.

Start
Es ging erst einmal auf eine dreiviertel Runde durch das Stadion, in dem wir starteten. Als wir das Stadion verließen waren wir direkt auf der neuen Passage. Die Straße war viel angenehmer zu laufen, als die rutschige Passage von 2016. Mir kam die neue Strecke ein wenig länger vor. Ich schätze so 200 m dürften das zusätzlich gewesen sein. Es ging sehr schnell zurück auf die „alte“ Strecke in Richtung der ersten Runde und damit dem ersten Anstieg.

1. Runde
Der Crossabschnitt fing nach ungefähr 2 km an und sollte bis km 13,5 nicht enden. Es war teilweise matschig, wegen des eher schlechten Wetters die Tage zuvor. Ich muss jedoch auch klar sagen: Der Großteil der Strecke war gut zu laufen. Ich hatte eine für mich angenehme Pace gefunden und lief diese auch bis zur ersten schweren Steigung gut durch. Dort angekommen, nahm ich das Tempo etwas raus. Der größte Fehler beim Weihnachtscross ist es, sich direkt in der ersten Runde kaputt zu machen.
Oben angekommen konnte ich etwas Luft holen und wieder das Tempo anziehen. Zu meiner Überraschung war der eine Getränkepunkt nicht da. In den letzten Jahren gab es immer einen Getränkepunkt, der nun fehlte er. Einen Schluck heißen Tee hätte ich mir dennoch gewünscht. Ich hatte mich, basierend auf meiner Erfahrung der letzten Jahre mit der Strecke, auch drauf eingestellt hier etwas zu trinken zu bekommen.
Ich musste erst den gesamten Berg runter laufen, bis ich zur Versorgungsstelle kam. Beim Downhill hatte ich ehrlich gesagt, gemischte Gefühle. Ich konnte es zwar gut laufen lassen, jedoch merkte ich, dass ich mich noch immer unsicher bei Downhills durch den Transalpine-Run fühlte.

2. Runde
Als ich den Berg runter gelaufen war, hatte ich ein Schluck Wasser genommen und keinen Tee. Es ging sofort weiter, da nun die zweite Runde anfing, die größtenteils identisch mit der ersten Runde war. Mir kamen einige 5 km Läufer_innen entgegen. Noch vor dem Anstieg lief ich auf die Gesamt-dritte Frau der 16 km auf und überholte sie. Kurz danach erreichte ich die 10 Kilometermarke in knapp 43 Minuten. Ich hatte 27 Minuten für Anstieg, das runter laufen und einen flachen Abschnitt zurück zum Ziel. Insgesamt waren es noch 6 km bis ins Ziel. Hier überholte auch Ariane und weitere Läufer_innen der 10 km Runde, die später gestartet waren. Beim Anstieg beschloss ich mich erneut nicht an mein Limit zu gehen, da ich die Kraft im flachen nutzen wollte. Es zogen einige an mir vorbei. In dieser Phase war es schwer an meinem Plan festzuhalten, doch ich konnte mich zusammenreißen. Als ich oben ankam fing das Zick-Zack-Laufen an, da ich viele aus der 10 km Runde überholte. Die anderen Läufer_innen ließen immer eine Gasse zum Überholen oder wichen kurz zur Seite, wenn sie bemerkten, dass jemand von hinten angelaufen kam. Über diesen Umstand war ich sehr erleichtert.

Ziel
Als ich den Hügel runter gelaufen war, nahm ich mir nur ein Schluck Wasser vom Verpflegungspunkt und trank im Laufen. Seit dem Downhill lief ein anderer Läufer in meinen Hacken und ich beschloss ihn nicht mich passieren zulassen. Die Konsequenz war, dass ich eine 3:55 min pro Km Pace lief. Diese wollte auf den letzten zwei Kilometern auch halten, irgendwie. Aktuell hatte ich nach 13,5 km eine gute Stunde auf der Uhr.
Mein Plan ging auf. Ich lief mit hohem Tempo in Ziel und ließ niemanden mehr mich überholen. Das schwerste war es, die Läufer_innen der 10 km Runde auf diesem flachen Abschnitt zu überholen. Das Überholen rieß mich kurzzeitig aus dem runden Rhythmus. Als ich ins Stadion einlief und noch die letzte 3/4 Runde vor mir hatte, wusste ich, dass ich auf jeden Fall unter 1:10h bleiben würde. Dennoch hielt ich mein Tempo und lief das Rennen zu Ende. 1:08:10h Brutto sollte es am Ende geworden sein. Netto habe ich keine offizielle Zeit, da ich zu den 50 Personen gehörte, wo die Messung fehlschlug und ein Brutto = Netto gemessen wurde. Laut meiner Uhr hätte es eine 1:07:58h sein müssen. Egal. Ich konnte meine Leistung vom Lauf in Everswinkel bestätigen und war letztendlich zufrieden. Ich wartete im Ziel auf Inga und Ariane, die beide einige Minuten nach mir einliefen.
Zu dritt machten wir uns auf den Weg nach Hause.

Fazit
Es war mal wieder ein schöner, gut organisierter Lauf. Die Streckenänderung empfand ich als sehr gut und ich hoffe, die Veranstalter behalten sie bei. Schade war es, dass die Chip-Messung dieses Jahr nur Suboptimal verlief.

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Nikolauf 2016 – Everswinkel

Wo stehe ich? Ich hatte ein dreiviertel Jahr nicht auf Tempo trainiert. Ich wollte im Jahr 2017 etwas mehr an Geschwindigkeit gewinnen und neue Bestzeiten erreichen. Mit welchem Spielraum ich rechnen kann, das wusste ich nicht. Der Nikolauslauf in Everswinkel (korrekterweise heißt er nur Nikolauf Everswinkel), sollte mir ein Gefühl davon geben, was für mich realistisch ist. Die Gesamtdistanz von offiziell vermessenen und flachen 15 km, wurden innerhalb von 6,5 Runden erlaufen.
Es war wieder ein Lauf, wo ich einige, wenige Personen fragte, ob sie mitkommen wollten. Am Ende kam Inga mit! Sie war die Frau mit der ich im Sommer 2016 fast alle langen Einheiten zusammen gelaufen bin. Juhu! Ich freute mich darüber.

Vor dem Start:
Wir kamen mit einer guten Stunde vor dem Start an. Ich kannte die Organisatoren nicht und plante etwas mehr Zeit ein. Ich wusste nicht, was mich vor Ort an Laufwegen und langen Schlangen erwartete. Es war sehr einfach einen Parkplatz zu finden. Dieser war direkt neben der Halle, wo man duschen, sich umziehen und die Startnummern bekommen konnte. Im Endeffekt hatten wir sehr viel Zeit. Es gab weder lange Laufwege, noch lange Schlangen noch sonst irgendetwas, was viel Zeit kosten könnte. Ich muss sagen, alles war sehr entspannt und gut organisiert.
Der Lauf in Everswinkel hatte einen Charme von einem kleinen, familiären Volkslauf. Eltern verkauften Kuchen oder gaben einem die Startnummern, Kinder tollten durch die Sporthalle. Alles war sehr überschaubar und sehr viele Starter gab es nicht. Es war wirklich eine nette, freundliche und schöne Grundatmosphäre.
Inga und ich zogen uns etwas später um und liefen uns mit einer halben Runde erst einmal warm. Denn am Parkplatz war zwar das Ziel, jedoch nicht der Start. Im Grunde war es nicht schlimm erst einmal eine halbe Runde zu laufen, denn warmlaufen ist grundsätzlich eine gute Sache. Wir hatten zwar recht kaltes aber trockenes und sonniges Wetter.

Der Start der 15 km Läufer_innen war auf einem Parkplatz. Es gab lediglich zwei kleine in den Boden gerammte Schilder, die auf den Start hinwiesen. Das einzige, was wir vermissten, war jemand Offizielles, der den Start geben könnte. So sammelten sich knapp 50 Personen und warteten auf einen Startschuss, den es aber nicht gab, weil niemand diesen geben konnte.

Ein bis zwei Minuten nach dem eigentlichen offiziellen Start kam ein Radfahrer angerast, entschuldigte sich und erläuterte, dass jemand ausgefallen sei. Er sprach über ein Funkgerät, da der Start der 7,5 km und 15 km Läufer_innen synchron passieren musste. Wir hatten zwar alle einen Laufchip für eine individuelle Laufzeitmessung, jedoch war bei diesem Lauf trotzdem Brutto = Netto-Zeit. Es gab nur eine Matte im Zielbereich die den Chip verarbeiten konnte. Somit musste die Zeitmessung im Zielbereich synchron über das Funkgerät gestartet werden.

Die erste Runde (ausführlich)
Es ging los. Da wir nur wenige Starter waren, gab es direkt kein Gedrängel. Wir liefen vom Start aus über Straßen zu einer Hauptstraße. Hiermit ist auch schon gut ein fünftel der Runde beschrieben.

Dort ankommen ging liefen wir auf dem Fußgängerweg neben der Straße zu dem Zielbereich. Dies war für mich der wohl unschönste Abschnitt. Hier hatte sich das Feld schon so sehr gezogen, das ich alleine lief. Der Zielbereich selbst war geteilt. Wer links einlief hatte es geschafft, wer rechts durchlief musste eine weitere Runde laufen. Kurz nachdem Zielbereich kamen wir zu der einzigen Verpflegungsstation, wo es Wasser und Tee gab. Da jede Runde etwas länger als 2 km war, brauchte ich nicht jede Runde etwas trinken. Ich griff in der dritten und fünften Runde zu und gönnte mir eine Erfrischung.

Nach dem Getränkepunkt führte die Strecke durch ein kleines Waldstücken. Ab der zweiten Runde brannten hier viele große Teelichter, die eine schöne, warme Stimmung bei mir erzeugten. Jede Runde war dieser Abschnitt eines meiner Highlights, auf die ich mich freute. Wer bei Wald nun einen einen Trail/Cross Abschnitt denkt, muss ich leider enttäuschen. Die Gesamte Runde wurde auf Asphalt gelaufen. Nach dem Wald folgte eine kleine Siedlung.

Als nur sehr wenige Häuser passiert waren, war ich wieder zwischen Feldern und lief der untergehenden Sonne entgegen, was an diesem Tag traumhaft schön war. Hier lief ich auf die ersten 7,5 km Läufer_innen auf, die eine viertel Runde vor uns gestartet waren.

Kaum hatte ich die Atmosphäre aufgesogen, war die Runde auch schon vorbei und ich lief am Start vorbei.

Runde zwei bis Sechs
Ich wollte Tempo machen und einige Läufer, die ungefähr mein Tempo liefen halfen mir eine Orientierung zu bewahren. Nach Runde zwei wusste ich, welche Abschnitte schneller zu laufen waren und welche langsamer zu laufen sind. Ich konnte ab Runde drei anfangen meine Kräfte entsprechend einzuteilen. Zudem war es schön, jede Runde aus der Siedlung heraus in die Felder zu laufen. Der Blick auf die untergehende Sonne war immer wieder schön. Neben den Teelichtern im Wald war dieser Abschnitt ein weites Highlight, was dem Wetter geschuldet war. Ab Runde vier fing ich an andere Läufer_innen aus der 15 km Gruppe zu überrunden. Inga sah ich jedoch nicht einmal. Ich vermutete sie knapp hinter mir und das sie ein tolles Rennen laufen würde.
In der sechsten Runde blickte ich hinter mich. Einige der Läufer, die mir als Orientierung dienten, waren etwas zurück gefallen. Ich beschloss für die letzte Runde noch einen drauf zu setzen und alles zu geben. Dies gelang mir auch. 400 m vor dem Ziel zog ich meine Kamera für den Zieleinlauf heraus. Das war gar nicht so einfach bei einer 3:45 min pro Kilometer Pace. Ich hätte mir das mit der Kamera auch sparen können, weil alle Bilder ausnahmslos stark verwackelt sind.

Ziel
Wie ich später zu Hause aus der Ergebnisliste erfuhr, lief ich als Gesamt Zehnter in 1:02:00h ein. Das war eine neue persönliche Bestzeit für flache 15 km. Als ich auf Inga wartete, hatte ich noch eine Diskussion mit den Zeitnehmerinnen. Auf diese gehe ich gleich im Fazit ein. Nach einigen Minuten lief Inga ein und hatte es als zweite Frau ebenfalls erfolgreich geschafft. Als Belohnung gab es einen Stutenkerl, der recht lecker war. Zur Siegerehrung blieben wir nicht. Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, ging es zurück nach Hause.

Fazit
Es war für mein ein toller Lauf. Ich habe nichts zu kritisieren, bis auf eine Sache. Im Ziel drohten mir die Zeitnehmerinnen mit Disqualifikation, weil ich Kopfhörer trug. Sie wussten weder, was ich hörte, noch ob ich etwas mir angehört hatte. Nur der Fakt, dass ich welche aufhatte, führte dazu, dass sie mich disqualifizieren wollten. Als ich entgegnete, dass mir das herzlich egal sei, schauten sie mich ungläubig an und meinten, dass der vierte sich über den dritten schon beklagt hätte. Dies sei schließlich ein offizieller DLV Lauf und es könnte um Qualifikationen gehen. Ich erwiderte, dass ich solche Läufe laufe, als Belohnung für mein Training und nicht als Ziel für mein Training. Ich führte weiter aus, dass ich mir auch Podcast anhöre und nicht notwendigerweise Musik. Dann kam das Thema Sicherheit als Argument. Ich entgegnete, dass ich hier voll zustimme, und dass ich extra aufliegende Kopfhörer habe, damit ich die Geräusche von außen möglichst nicht gedämpft wahrnehme, da ich In-Ears-Kopfhörer als Dämpfung empfunden hatte. In Kombination mit einem Podcast wäre es, als wenn ich mich mit anderen Läufern unterhalte. Alles das war den beiden Damen herzlich egal. Sie meinten, ich müsse mich nun beim Renndirektor melden und angeben, dass ich Kopfhörer auf hätte und mich disqualifizieren lassen. Sie selbst könnten es nicht entscheiden. Wir beendeten die Diskussion hier und ich ging nicht zum Renndirektor.
Das ist sicherlich ein ernstes Thema für einen ernsten Lauf, wo es um etwas geht. Wahrscheinlich war für einige dieser Lauf ein wichtiger. Für mich ging es aber um nichts, außer um eine Zeit und eine Einschätzung, was nächstes Jahr drin ist. Ich bin bei diesem Lauf nicht angetreten, um eine Platzierung zu erreichen oder um auf das Podest zu klettern. Ich wollte einfach einen tollen Lauf erleben, was ich auch habe. Ich war für die Streckenposten immer voll ansprechbar. Tatsächlich wurde ich in Runde sechs mehrfach angesprochen, ob dies meine letzte Runde sei oder ob ich in Runde fünf sei. Diese Diskussion im Ziel trübte meine Stimmung. Dies ist mein einziger negativer Punkt zum Nikolauf in Everswinkel.

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1. St. Martinslauf in Paderborn – Ein 10 km Lichtlauf

1. St. Martinslauf in Paderborn – 10 km in 5 Runden

Nach dem Röntgenlauf Ende Oktober, wo ich eine große innere Zufriedenheit verspürte, war ich zwei Wochen später, am Freitag, den 11. November 2017 in Paderborn zum 1. St. Martinslauf angemeldet. Die Idee des Laufes erschien mir schön: Eine 2 km Runde, die im Dunkeln gelaufen wird und auf unterschiedlichster Weise illuminiert wird. Sprich: Es ist ein Lichtlauf.
Zu meiner Überraschung, denn es war ja der Erste, war der Lauf über beide angebotenen Distanzen vollständig ausverkauft. Angeboten wurden 3 Runden (6 km) und 5 Runden (10 km). Insgesamt gab es 850 Starter_innen, wobei die meisten die 10 km Runde liefen.
Der Veranstalter war der gleiche, wie beim Paderborner Osterlauf.
Ich werde die erste Runde ausführlich berichten und die letzten vier Runden nur grob.

Anreise
Dieser Lauf fiel erneut in die Kategorie: Ich habe mehrere Leute gefragt, ob sie mit möchten, einige sagten ja, doch am Ende kam keiner mit. Die Anreise nach Paderborn selbst war entspannt.
Ebenso entspannt war die Abholung der Startnummer. Sie war direkt neben dem Start-/Zielbereich, der wiederum auf dem Domplatz in Paderborn war. Da es bitter kalt war, entschloss ich mich in einer nahe liegenden Arcade zu warten. Ich hatte noch gute 45 min bis zum Start und bei 0 Grad Außentemperatur, war ich um jede warme Minute froh. Auf dem Weg zum Start/-Zielbereich sah ich erste bunte Beleuchtungen. Es war sehr schön und ich war gespannt, wie es werden sollte.

Start
Auf dem Weg zum Start, gab ich meinen Kleiderbeutel ab. Kurz noch zu den reichlich aufgestellten Dixies und dann zur Startlinie. Mein Eindruck bis hierhin: Alles war top organisiert und ich konnte mich über rein gar nichts beklagen.

Gestartet wurde in drei kleinen Blöcken und leicht zeitversetzt. Jeder sollte sich selbst einsortieren, entsprechend seiner Selbsteinschätzung über die läuferische Stärke. Der erste Block ging bis zu einer Zielzeit von 42 Minuten und so stellte ich mich dort rein. Ich hatte keine Ambitionen, doch die Zeit sollte ich laufen können. Ich packte meine Kamera aus und wollte die erste Runde filmen.
Und dann ging es los!

Die erste Runde (ausführlich)
Ich lief los, direkt in eine rechts Kurve an Geschäften vorbei, wieder rechts auf einer Straße, gefolgt von einer kleinen Gasse. Ich kam bei einer Ansammlung von Cafés heraus und vor alten, wahrscheinlich katholischen Gebäuden heraus. Die Stimmung an der Strecke war je nach Hotspot sehr gut. Es kurzes Warnschild, dass nun Treppen kommen. Nach diesen Treppen ging es durch einen Innenhof und erneut Treppen runter. Bis hier hin war es schon eine sehr abwechslungsreiche Runde, doch wir hatten nicht einmal einen Kilometer vollenden.

Der nächste Abschnitt war ein kleiner Park. Dort waren große Teelichter/Kerzen aufgestellt, die nur schwach leuchteten aber es war trotzdem ein sehr schöner Anblick. Eine andere Stelle im Park war ein Lichtspiel, wo nur der Boden abwechselnd blau und orange beleuchtet war. War dieses Lichtspiel erlebt, hieß es kurz durchatmen, sich auf den Pflasterstein konzentrieren bis zum nächsten Event, welches auch sehr schnell kam.

Eine Bahn aus dutzenden Diskokugeln und -beleuchtung war aufgebaut und alle Läufer_innen durften da direkt durchlaufen. In meiner Erinnerung war dieses Event sicher gute 50 m lang. Vielleicht auch 70 m. Großartig!. Es war mein persönliches Highlight der Runde. Danach war das Publikum sehr motiviert, rief fast jedem zu, motivierte immer wieder.

Wieder bog ich in eine Gasse ein, die sehr schmal war. Hier war es schlecht zu überholen, denn es gab einfach kaum Platz. Das musste ich mir für die nächsten Runden merken. Nach der Gasse ging es Links einen doch knackigen, kurzen Anstieg hoch. Die Belohnung des Anstieges war die Beendigung der Runde und damit die das Wissen, die ersten zwei Kilometer absolviert zu haben.

Runde zwei bis fünf
Ich packte nach der ersten Runde meine Kamera weg. Nun wollte ich die Atmosphäre auf mich wirken lassen und mehr auf das drum herum achten. Die Runde änderte sich ja nicht mehr, jedoch die Menschen, die einen begegneten. Ich sah Väter und Mütter, die mit ihren Kindern liefen oder gingen. Sie hatten Startnummern, und trugen Laternen vor sich her. Das sah sehr süß aus. Ich freute mich darüber, dass dies wirklich kein Wettkampf war, sondern mehr ein Event. Ein Lob muss ich auch aussprechen. Wenn ich mal jemanden überholte, so reichte ein „Achtung bitte. Ich überhole von links“ und die alle haben mir oft, sofern möglich, etwas Platz gemacht oder ließen mich ohne Probleme vorbei. Es gab schon Veranstaltungen, wo dies anders war. Doch hier in Paderborn machte ich durchweg positive Erfahrungen.
In runde vier wurde ich vom ersten Läufer der 10 km überrundet. In dieser Runde realisierte ich auch erst, dass ich wirklich gut unterwegs war und entschied die letzten zwei Runden ein höheres Tempo anzugehen.

Ziel
Am Ende überquerte ich als 36. Gesamt die Ziellinie (von 486) in 41:00 min. Die Strecke offenbarte, dass sie laut meiner Uhr nur 9,5 km lang war. Auch die Topläufern liefen kaum schnellere Zeiten, als auf einer flachen 10 km Runde. Der Anstieg, die Treppen, die engen Gassen ermöglichen keine Topzeiten.

Ich erhielt einen Stutenkerl als Belohnung und holte meine Tasche ab. Die Zielverpflegung war sehr gut und es gab auch hier für mich nichts zu kritisieren. Ein tolles Event, welches sich auf jeden Fall für mich gelohnt hat. Ich werde wieder kommen. Als Eventlauf mit toller Stimmung und Organisation ist dieser Lauf absolut zu empfehlen. Ich merkte der Organisation ihre Erfahrung mit dem Paderborner Osterlauf an. Daumen hoch.

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Röntgenlauf 2016 – Ein Ultramarathon (63,3 km) zum genießen

September 2016
Nach dem Transalpine-Run 2016 und all den anderen alpinen Langläufen merkte ich, wie unzufrieden ich mit mir und der Situation aus dem Jahr war. Ich hatte viel erreicht, hatte ein unglaublich intensives und erfolgreiches Jahr bis hier hin geleistet. Die meisten alpinen Läufe fühlten sich nicht wie „richtige“ Läufe an, weil ich viel gewandert war. Ich merkte, wie sehr ich mich danach sehnte einen Marathon durch zu laufen. Ich meine, so richtig zu laufen. Es ging mir nicht um eine Zeit, nicht um irgendein Tempo, sondern ich wollte einfach laufen und am besten die Natur dabei genießen. Verena, eine Laufbekannte, die ich beim Scott Rock the Top mit ihrer Familie traf, empfahl mir den Röntgenlauf. Juliane, meine Marathonpartnerin, wollte unbedingt noch den Frankfurt Marathon laufen, da dort das Asics Frontrunner Team auch zu gegen war. Ich mag den Frankfurt Marathon nicht. Ich bin ihn 2011 und 2015 gelaufen und beide Male stellte ich fest: Ich mag ihn nicht. Der Röntgenlauf hingegen bot zwei Vorteile: Er war ein klassischer Trailmarathon und er erlaubte es flexibel seine Distanz während des Rennens noch zu ändern. Ich hätte beim Halbmarathon oder beim Ultra aussteigen können, wenn ich mich für den Marathon anmelden würde. Mhmm Ultra … Ich entschied mich, eben wegen dieser Freiheit und Flexibilität, direkt für den Ultra anzumelden und dann ggf. beim Marathon den Lauf vorzeitig zu beenden. Es tut mir Leid Juliane, ich wäre gerne mit dir zusammen gelaufen und ich hätte gerne die Frontrunner getroffen. aber Frankfurt hätte für mich bedeutet, dass ich wieder einen Marathon auf Tempo mache und genau das wollte ich 2016 nicht mehr machen. Anbei fragte ich einige Leute, ob sie nicht mitkommen wollten und vielleicht auf kürzeren oder gleichen Distanzen zu laufen. Erst gab es einige Zusagen, die jedoch wieder aufgehoben wurden.

29. Oktober 2016, Samstag
Ich fuhr sehr entspannt am frühen Nachmittag nach Remscheid, checkte in mein Hotel ein und fragte nach der Möglichkeit etwas vor 7:00 Uhr zu frühstücken. Das war alles kein Problem. Danach fuhr ich weiter auf die Marathonmesse, Pasta Party und die Startnummerausgabe. Was soll ich sagen? Es war einfach alles entspannt. Ich fand einen guten, kostenlosen Parkplatz. Die Ausgabe der Nummer war ohne jegliche Schlange, die Marathonmesse war klein und nett und ich hatte ein langes und wirklich interessantes Gespräch mit dem Herrn Mick von Salomon. Beim Wandern durch die Messe bemerkte ich, dass ich einiges zu Hause vergessen hatte. Also wurde z.B. ein Gürtel für die Nummer und Gels nachgekauft. Die Schlange bei der Pastaparty war ok. Ich glaube nach 10 Minuten saß ich und aß meine Portion. In dem Moment dachte ich darüber nach, dass es schade war, dass niemand letztendlich mitkam. Der Fakt, dass ich komplett alleine war, hält mich am Ende nicht auf. *zwincker* Danach ging es zurück ins Hotel und es wurde früh geschlafen.

30. Oktober 2016, Sonntag, Renntag

06:45 Uhr
Nach dem Aufstehen ging es zum Frühstück. Das Hotel hielt sein Wort und ich konnte schon vor der eigentlichen Startzeit des Frühstücksbuffet des Hotels frühstücken. Ich sah einige Läufer_innen, die sich fleißig am Buffet bedienten. Danach ging es weiter zum zentralen Sammel-Parkplatz des Röntgenlaufs. Am Vorabend am Infopunkt des Laufes erklärte man mir, wohin ich fahren müsste. Da 4000 Läufer_innen erwartet wurden, brauchte es einen großen Parkplatz und der war etwas weiter weg. Mit dem Busshuttle ging es direkt zum Start. Alles war sehr gut organisiert, alle Helfer waren freundlich und ich fühlte mich gut aufgehoben und entspannt. Ein riesen Dank an dieser Stelle an die Organisation und den Helfer_innen des Röntgenlaufes.

08:10 Uhr
Ich kam wieder bei der Startnummerausgabe an, zog ich mich fix um, verkabelte mich und packte meinen Laufrucksack. Danach stellte ich meine Tasche zum Duschen ab. Denn der Start war gleichzeitig das Ziel für die Ultraläufer. Ich ging weiter zum Start und traf Katharina. Ich weiß wirklich nicht mehr, wie wir ins Gespräch kamen, aber wir quatschten kurz und lernten uns kennen. Es war ihr erster Ultra und ich erinnere mich, dass sie mich nach meinen Vorerfahrungen fragte. Ich berichtete sehr knapp aus meinem Sommer und das ich seit Wochen nicht wirklich trainiert habe, da ich Winterpause mache. Ich habe keine Zeitambitionen und betone, dass ich davon ausgehe, dass sie mich überholt oder einfach direkt stehen lässt. Sie schien ungläubig zu sein, aber ich meinte es so.


08:30 Uhr, Km 0, Start
Es geht los! Die Halbmarathon-, Marathon- und Ultraläufer starteten gemeinsam. Katharina und ich verabschiedeten uns und ich fragte mich, ob wir uns auf der Strecke wiedersehen werden. Der Trail sollte erst ein wenig auf sich warten lassen, denn die ersten Kilometer wurden auf Aspahlt gelaufen. Ich durfte direkt bergauf laufen. Danach, auf dem Weg in die Altstadt, wurde es flach. Die ersten 5 km entpuppen sich als eine Schleife. Wir liefen aus der Altstadt raus und fast vollständig zurück zum Start. Erst etwas später liefen wir in einen Wald, was ich nicht schlimm fand. Ich entdeckte viel Publikum, eine volle Strecke und eine unfassbar gute Stimmung.

Km 6 – Eine lange Diskussion beginnt
Als ich in Richtung Wald lief, hatte ich plötzlich eine tolle Aussicht. Ich und noch ein Herr zogen gleichzeitig unsere Kameras und mussten lachen. Er kam aus Solingen und läuft den Marathon. 3:45h wollte er laufen und sei gut in der Zeit. Wir unterhielten uns einige Kilometer über Läufe, Ziele und quatschen einfach nett. Irgendwann nahm ich das Tempo raus und ließ ihn ziehen, weil ich auf keinen Fall mich anstrengen wollte. Ich wollte einfach Spaß und Freude am Laufen haben.

Km 9 – Die Diskussionen enden nicht
Doch bevor der Läufer aus Solingen wegzog, traf ich Thorsten. Er kommt aus Gütersloh und ist auch 12-facher Hermannsläufer. Er hatte sich der Diskussion angeschlossen. Wir liefen zu zweit bis ungefähr Km 18. Wir quatschten die ganze Zeit und der Lauf verflog förmlich. Es ging einiges bergauf und viel bergab. Irgendwann zwischendurch kam der „Sektberg“. Ein knackiger Anstieg, den ich gerne gelaufen wäre, wenn nicht alle auf diesem Singletrail gegangen wären. Oben angekommen gab es Sekt für alle! Ich lehnte dankbar ab und lief weiter.

Km 18 – Ende der Gespräche
Ich war total überrascht, als ich plötzlich das Km 18 Schild sah. Auf meine Bemerkung hin, dass wir gerade auf eine Zeit von ca. 1:50h für den Halbmarathon aus waren, sagte Thorsten, dass er nun das Tempo raus nehmen müsse. Er wollte im besten Fall den ganzen Marathon laufen und sei etwas angeschlagen. So lief ich alleine weiter und sah Thorsten hier nach nicht mehr. Es ging weiter bergab und ich ließ es laufen.

Km 21,1 – Halbmarathon Fazit
Der erste Halbmarathon war für mich geschenkt, dank der tollen Gespräche. Es war sehr asphaltlastig, mehr als ich es erwartet hatte. Das war nicht schlimm, aber ich dachte es sei insgesamt einfach mehr Trail. Bei 1:50 bog ich auf die Zielgerade ein und sah das Splitschild: Links Halbmarathonläufer, Rechts: Marathon, Ultra und Staffel. Ich bog rechts ein und fragte mich wie es nun werden würde. Die meisten Starter waren ja Halbmarathonläufer. Ich zog am Ziel vorbei und lief weiter und es war plötzlich sehr ruhig, denn ich sah deutlich weniger Läufer und vor allem war ich nun alleine. Bisher trug ich die Kopfhörer eher als Deko, daher wurde es nun Zeit sie zu benutzen. Ich stellte mir meine Podcasts an und keine Musik. Ich wollte mich einfach berieseln lassen.


Km 33 – Zweifel
Seit dem Halbmarathon wurde nahm der Anteil an Trailabschnitten erheblich zu und von der Natur her wurde es immer schöner. Wenn der erste Halbmarathon eher bergab ging, so war der zweite Halbmarathon von der gesamten Bilanz eher flach, trotz seiner vielen Höhenmeter. Ich lief einfach ein gutes und entspanntes Tempo für mich und blickte immer wieder nach links und rechts, um die Natur zu genießen. Neue Gesprächspartner fand ich nicht, außer an den Verpflegungspunkten. Einer dieser Punkte war bei Km 33. Ich weiß noch, dass hier der Moment meines Tiefs anfing.
Es war die berühmte Wand, gegen die ich gelaufen bin. Mein Körper wollte nicht mehr rhythmisch laufen und entsprechend anstrengend wurde es. Ich fragte mich, ob es nicht sinnvoller wäre nun beim Marathon auszusteigen. Schließlich konnte ich diese Option wahrnehmen und ein offizieller Finisher werden. Mittlerweile hatte ich das Gefühl bekommen an einem echten Traillauf teilzunehmen. Straßen gab es so gut wie fast keine mehr. Wenn wir mal eine Straße überquerten, so waren diese immer sehr gut gesichert. Es bestätigte mich in meiner Wahrnehmung bei einem wirklich gut organisierten Lauf zu sein. Die leichten Auf- und Abstiege wirkten wie Wellen auf mich. Keiner war wirklich schlimm, aber jeder war in dieser Phase für mich kräftezerrend. Dennoch versuchte ich das Beste aus der Situation zu machen. Ich zwang mich nach links und rechts zu schauen, denn es gab überall diese goldenen Herbsteindrücke, die mich ein stückweit für meine Mühen entlohnten.

Km 38 – Es läuft wieder
Mit jedem Kilometer dachte ich immer mehr nicht weiterzumachen. Die Verpflegungspunkte kamen alle 5km und so folgte der nächste zwischen Km 38 und 39. Hier wollte ich mich langsam entscheiden, ob ich nun mit dem Marathon aufhöre oder entsprechend doch, wie geplant, den Ultra laufe.
An diesem Verpflegungspunkt entschied ich mich grundlegend zu verpflegen. D.h. ich aß Banane, Salz, und trank ordentlich. Im Allgemeinen fühlte ich mich jetzt besser. Ich hatte mir vorher auch schon immer Zeit für Essen und Getränke genommen, doch irgendwie war es jetzt anders. Als ich los lief, fühlte ich mich direkt besser. Es fühlte sich wieder leicht an zu laufen. Nichts destotrotz bin ich erfahren genug, um zu wissen, dass sich das sehr schnell ändern kann. Daher wollte ich mich erst beim Marathonziel entscheiden, ob ich weiterlaufe.

Km 42,2 – Ein Marathon und eine Entscheidung
Ich lief weiter, durch die goldene Herbststimmung, vorbei an Bächen und wundervollen Schattenspielen. Wenn es einen perfekten Herbsttag gibt, dann war es dieser. Wirklich. Ich muss es einfach wiederholen. Diese Natur gab mir nun Kraft und ich merkte, wie ich mich danach sehnte den 3. Teil des Röntgenultras zu sehen, denn von den Eindrücken auf deren Webseite schien es der schönste Abschnitt zu sein. Ich lief in ein Freibad und da war das Schild: Ultra und Staffel links, Marathon rechts einsortieren. Eine Sekunde lang dachte ich nach und bog nach links, vorbei an den wartenden Staffelläufern, vorbei an einem Marathonfinisher, der seine Medaille bekam.


Ich war zudem einen Moment lang völlig irritiert, da ich über die Wiese des Freibades rennen musste, um zur Zielverpflegung des Marathons zu gelangen. Ich dachte erst, ich wäre falsch, doch vor dem Verpflegungsstand wiesen mich gelbe Pfeile nach draußen. Ich nahm mir Zeit, um mich in Ruhe zu verpflegen. Ach und all die leckeren Sachen, die dort in der Zielverpflegung lagen. Ich traute mich nicht sie zu probieren, hatte ich doch noch einen halben Marathon vor mir. Ich hätte gerne eine der legendären Marathonschnecken probiert. Ich hoffte, es gab eine für mich im Ultraziel. Nach einer Banane, etwas alternativen Obst und Elektrolyten lief ich raus. Ich lief an einem Finisher vorbei, der gerade zum Bus-Shuttle ging. Ich gratulierte ihm, er wünschte mir viel Spaß. Ich antwortete, dass es ja nur noch die Hälfte der bisher gelaufenen Strecke sei. Er lachte und meinte „Ach, dann seh‘ es doch lieber so: Es sind nur noch 2 lockere 10 km Runden.“ Ich sah auf die Uhr und berechnete im Kopf die verbleibende Zeit bis zum Cut-Off, der bei 9 Stunden lag. Ich hatte noch 4:50h für zwei lockere 10 km Runden. Alles war entspannt und ich hatte wieder meine Lauffreude gefunden. Gut so!

Km 44 – Der Berg!
Das letzte Drittel des Rennsteig-Ultras war der Gegensatz zum ersten Drittel: Es geht verstärkt bergauf. Ich stellte mich darauf ein, dass es nun sicher der langsamste Halbmarathon werden sollte. Was auch nicht schlimm war, denn ich wollte den Lauf nur genießen. Es war nur mental für mich wichtig, mich drauf einzustellen: 2,5 Stunden Spaß in der Natur! Das war nun mein Motto. Was sagte Thorsten während unseres Gespräches zu mir? Er lief ja 2015 den Ultra: Bei km 44 geht es steil bergauf. Da sollte ich unbedingt gehen. Also war ich in großer Erwartung, was mich erwarten würde.
Der Berg war knackig, jedoch nicht so schlimm wie erwartet. Nach einigen Treppenstufen hätte man diesen Berg laufen können. Ich hatte kein Nerv mich kaputt zu machen und ging ihn entspannt hinauf. Nach gut einem Kilometer war ich oben und es wurde wieder flach. An diesem Punkt, wechselte ich in den Laufmodus zurück.

Km 47 – Da holt sie mich ein
Bei km 47 kam die nächste Verpflegungsstelle und ich nahm mir wieder reichlich Zeit und siehe da: Katharina kam vorbei. Ich musste schmunzeln und konnte es mir nicht verkneifen zu sagen: „Siehst du, ich hatte recht. Du holst mich ein.“ Sie schaute mich etwas verwirrt an und meinte „Wieso bist du erst hier? Ich dachte du wärst weiter.“ Sie machte nur eine kurze Pause und lief noch vor mir vom Verpflegungsstand los. Ab hier wurde der Anteil an zu laufenden Straßen wieder mehr.

Km 53 – Kurz vorm …
Sehnsüchtig wartete ich auf den nächsten Verpflegungsstand, der endlich bei Km 53 kam. Ich hatte auf den letzten 6 km bemerkt, dass ich im flachen etwas schneller als Katharina war und sie dafür bergauf sehr stark unterwegs war. So wiederholte sich hier das Schauspiel, wie beim km 47 Verpflegungsstand. Ich lief vor ihr ein, machte eine ewig lange Pause und sie lief nach einer kurzen Pause dafür schneller wieder vor mir raus. In diesem Moment dachte ich, ich würde sie nicht mehr sehen, denn ich hatte einfach null Ambitionen mich zu stressen. Auf meiner Uhr sah ich auf dem GPX-Track noch einige Anstiege. Dies bestärkte mich, dass sie dort ihre Stärke ausspielen konnte und ich sie nicht mehr einholen würde.
GPX-Track? Ich hatte mir die Strecke und das Streckenprofil auf meine Uhr gezogen und lief danach. Die Organisatoren boten diesen Service an und ich konnte so immer genau sehen, wo ich war und was noch vor mir lag.
Ich nahm etwas zu trinken und einen letzten Happen Banane, den ich richtig in mich hinein zwingen musste. Ich merkte, wie ich nichts mehr essen konnte und beschloss bis ins Ziel auch nichts mehr zu essen. Mir wurde vom Essen schlecht, was ein ungutes Vorzeichen war. Vor hier waren es nur noch gute 10 km bis ins Ziel und das sollte ich ohne Essen aushalten können.

Km 57 – Anstoßen auf das Ende
Bei Km 57 gab es wieder einen wundervollen Waldabschnitt mit mehreren kleinen Seen. Ich hatte Katharina, zu meiner Überraschung eingeholt. Sie schien zu kämpfen. Ich versuchte sie zu etwas zu motivieren. Ob mir das gelang war für mich unklar. Ich merkte, wie ich mich freute, dass ich live mitbekam, wie sie ersten Ultra zu Ende lief. Auch wenn wir nicht direkt zusammen liefen, da wir uns regelmäßig überholten, tauschten wir immer 1-2 Sätze kurz aus. Ich hoffte nur, dass es sie nicht genervt hat.


Bei der letzten Verpflegungsstation wurde richtiges Bier ausgeschenkt. Sofort meinte ein anderer Läufer anstoßen zu wollen, doch musste leider ablehnen, da ich keines trinke und mag. Ich nahm mir einen Becher Elektrolyte, stieß damit an und lief direkt weiter. Ich konnte nichts mehr essen und es waren nur noch 4 km bis ins Ziel. Ich merkte, dass ich langsam genug hatte und den Lauf beenden wollte. Auch wenn ich wieder vor Katharina den letzten Verpflegungspunkt erreichte, dieses Mal liefen wir zeitgleich los.

Km 62 – Der letzte Anstieg
Beim letzten Anstieg wurde ich von Personen aus Unterdistanzen überholt. Was nicht schlimm war, aber ich war schon etwas neidisch, dass die so entspannt den letzten Anstieg hoch kamen. Ich hingegen blieb mir treu: Kein Stress mehr, nur noch entspannt ins Ziel kommen … außer vielleicht die letzten 500 m. Genau auf der Spitze des letzten Hügels, gute 800 m vor dem Ziel, holte mich ein letztes Mal Katharina ein. Ich sagte zu ihr, dass ich mich freue ihr gleich im Ziel zu gratulieren.
Ich lief los und als ein Zuschauer mir zurief, dass es nur noch wenige hundert Meter seien, entschied ich mich doch noch ein klein wenig Tempo zu machen. Es ging bergab, es war Asphalt, und ich konnte Gas geben! Ich drehte mich 1-2-mal um, ob Katharina sich mitziehen lässt. Wenn sie es gemacht hätte, hätte ich ihr den Vortritt im Ziel gelassen und nicht entgegen gesetzt sondern sie bejubelt. Das war mir sofort klar, doch kam sie nicht mit.

Km 63,3 – Ziel
Nach einem gerade Abschnitt ging es runter in eine Linkskurve. Dort waren überall Geländer aufgebaut und nach wenigen Metern ging es wieder nach rechts, wo nach 30 m das Ziel stand. Ich fing schon vor der Rechtskurve an zu jubeln. Was für ein toller Tag, was für ein toller Lauf, was für nette Menschen. Ich freute mich darüber und das ich genau das erlebt hatte, was ich mir gewünscht habe: Laufe einen Ultra/Marathon durch, entspannt und mit voller Freunde und Lust am Laufen. Der Bonus war, dass ich nette Menschen kennenlernen durfte.

Als ich im Ziel war und nicht mehr lief, freute ich mich weiter. Ich erhielt eine Medaille und bedankte mich bei den Helfern und einem Organisator. Danke auch an dieser Stelle dafür, dass ihr ein großartigen Job gemacht habt und ein sehr gutes Rennen auf die Beine gestellt habt.
Nachdem ich die Medaille hatte, drehte ich mich um und wartete auf Katharina. Ich schaute auf die offizielle Uhr am Ziel, denn soweit konnte sie nicht hinter mir sein. Dann lief sie ein, verlor kurz vor dem Ziel ihre Trinkflasche, als sie sich freute. Ich hob die Flasche auf, gab sie ihr und gratulierte ihr zu ihrem ersten Ultra! Fantastisch. Ich konnte mich noch sehr gut an meinen ersten Ultra erinnern, was ja nur gute 4,5 Monate her war.
Dann lief ein Herr ein, der ebenfalls sich als Ultra-Neuling offenbarte. Kollektiv wurde er bei einer Marathonschnecke beglückwünscht und unsere Gesprächsrunde hatte sich kurzfristig auf drei erweitert. Endlich hatte ich mir eine dieser Schnecken nebenbei ergattert. Sie waren wirklich gut. Wir verabschiedeten uns alle voneinander.
Danach ging ich duschen, zum Busshuttle und fuhr nach Hause mit einem sehr klarem Gedanken: Ich werde sicher wiederkommen. Danke Verena für diesen tollen Tipp! Danke an den unbekannten aus Solingen, Thorsten und auch Katharina. Ihr habt diesen Lauftag bereichert. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder!

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Transalpine-Run 2016 – Von Garmisch-Partenkirchen (Deutschland), über Österreich nach Brixen (Italien) – Teil 3 von 3

Was war bisher passiert? Eine Zusammenfassung der ersten fünf Etappen.
Die ersten beiden Tage verliefen für Juliane und mich weitestgehend nach Plan und ohne Zwischenfälle. Seit Tag 3 erhielten wir ein Adoptiv-Mitglied: Dominik. Er schloss sich uns an. Die dritte Etappe verschlechterte mein Gesundheitszustand, da mein Fußgelenk angeschlagen war, durch mehrmaliges Umknicken. Ab Tag 4 wurde es ebenfalls schwerer für Juliane, da ihre Knie Probleme machten. Ebenfalls erhielt ich einen Sonnenbrand der abartig schlimm war. Nur Dominik schien völlig immun gegen diese Wehwechen zu sein. Er lief bärenstark bei uns mit und gut durch. Mit der fünften Etappe betraten wir Italien und somit fehlten nur noch zwei Etappen bis zum Ziel in Brixen, Italien.

09. September 2016, Etappe 6: Passeiertal – Sarntheim

An diesem Morgen erwachte ich und war direkt sehr nervös. Wie immer in den letzten Tagen, war ich der erste beim Frühstück. An keinem anderen Tag, als an diesem war und wurde mir direkt bewusst, wie ich gefangen von meiner Anspannung war. Ich spürte wie viel Druck ich mir machte. Ich sah mir das Streckenprofil der sechsten und siebten Etappe an und sagte mir: Wenn du es heute schaffst, dann bist du so gut wie durch. Mir war klar, dass ich von außen betrachtet, sehr angespannt wirken musste. Ehrlich gesagt, habe ich mich selbst nicht wieder erkannt. Aber dieser sechste Tag machte mir auch klar, dass meine Nerven komplett blank lagen. Ich musste mich enorm zusammenreißen, um es mir nicht zu sehr anmerken zu lassen. Ich denke, dass ich diesem Anspruch nicht gerecht wurde und scheiterte. Ich gehe Rückblickend davon aus, dass alle meine Anspannung bemerkt hatten und wahrscheinlich es nicht verstanden. Mein Fußgelenk tat zwar nicht weh, aber es war völlig instabil. Ich hatte selbst beim normalen Gehen überhaupt keine Stabilität mehr. Das merkte ich daran, dass der Fuß einfach wabbelig war und ich nicht druckvoll auftreten konnte. Ich hatte keine Kraft und irgendwie schlackerte er von links nach rechts. Das ist jetzt nicht ganz richtig und völlig übertrieben, aber ich versuche es irgendwie in Worte zu fassen. Vielleicht wäre es besser gewesen, Juliane direkt einzuweihen, wie ich mich fühlte, aber ich entschied mich dagegen. Die Situation war schon vorbelastet, eben dadurch, dass ich die letzten Tage immer rumstresste wegen den Cut-Off Zeiten und ich wollte aus Rücksicht die Klappe halten. Ich wollte kein Mitleid und vor allem, wollte ich sie nicht noch länger damit nerven, wie ich mich fühlte. Die Zeit vom VP2 zum VP3 war einfach sehr knapp für meine körperlichen Verhältnisse bemessen und es sollte ein fast ausschließlich anspruchsvoller, technischer Downhill sein. Ich schlich am fünften Tag schon die Berge runter. Ich wusste, dass ich heute noch langsamer sein werde.
Bevor ich zum Shuttle ging, kümmerte ich mich noch um meinen Sonnenbrand auf meinen Armen. Das war wirklich nicht feierlich, denn diese waren einfach knall rot. Ich entschloss mich für einen zweifachen Schutz. Zuerst cremte ich die Arme mit Sonnenschutzfaktor 50 ein, was wirklich unangenehm war. Dann nahm ich Armlinge, die im „Goddie-Bag“ beilagen und von Gore gesponsert wurden. Die Naht der Armlinge brannte sich in meine Arme und es dauerte einige Minute bis der leichte Schmerz nachließ. Aber es musste so sein. Es sah scheiße aus, aber meine Haut war mir wichtiger.
Es gab mehrere Shuttles zum Startbereich und ich nahm den ersten, damit ich, wie immer, bei Uli mich rechtzeitig tapern lassen konnte. Mittlerweile fühlte ich mich alleine, was ganz klar auch an mir lag. Ich machte keine Witze und Sprüche mehr, sprach fast gar nicht mehr und distanzierte mich von immer mehr von anderen Leuten. Ich wollte niemanden nerven, denn es reichte, wenn ich mich schon mit meiner eigenen Art nervte.

Als ich beim Medi-Zelt ankam, gab es schon eine längere Schlange, obwohl es noch geschlossen war. Die Schlange vor dem Zelt wurde eh jeden Tag länger. Auch die Verletzungen wurden teilweise immer schlimmer. Vor mir war jemand mit einem gebrochenen Zeh. Einer der Sanitäter kam kurz vorbei und fragte einen Läufer „Na wie fühlst du dich heute?“ und dieser antwortete nur „Es ist hier nur noch eine Materialschlacht. Machen wir uns nichts vor.“ Ich musste bei der Äußerung schmunzeln, denn ich stimmte ihm zu. Als ich dran kam, guckte sich Uli meinen Fuß an und gab mir auch für den sechsten Tag grünes Licht zum Laufen. Ich stellte mich an den Startblock C und wartete auf Juliane und Dominik. Die Grundstimmung war an diesem Tag für mich eine ganz andere, als noch die Tage zuvor und dann ging es los.
Die Taktik änderte sich gefühlt nicht mehr. Wir standen vorne im Block C und wollten zügig raus. Schnell den Berg hoch und hoffen, dass das Zeitpolster nach VP2 ausreichte, um VP 3 zu erreichen. Der Weg zur VP 1 verlief nach Zeitplan. Wir holten knappe 50 Minuten heraus. Kurz nach der VP 1 waren wir über 2000 Hm und sollten nun auch für die nächsten 15 Km nicht mehr unter diese Höhenmarke fallen. Der flache Abschnitt zwischen VP 1 und VP 2, denn ich unbedingt laufen wollte, konnten wir nicht laufen. Wir waren wieder auf das B Feld beim Anstieg aufgelaufen und die Leute gingen weitestgehend. Dafür konnte ich nun die Aussichten genießen und diese waren phänomenal. Ihr müsst euch vorstellen, dass wir auf einem Höhenwanderweg liefen, der nur so breit war, dass man nicht einmal nebeneinander laufen konnte. Gespickt von Wurzeln und Steinen, musste man zudem sehr gut aufpassen. Wir hatten perfektes Wetter und es führte dazu, dass wir einen weiten, wundervollen Ausblick hatten. Es war, wie ich schon so oft sagte, einfach nur wow und machte mich immer wieder sprachlos.

Als wir VP 2 erreichten, hatten wir nur 58 Minuten Vorsprung vor dem Cut-Off und in meinem Kopf begann das Rechnen. Mir war klar, dass es sehr knapp werden könnte, sobald es wieder runter ging. Wir hatten abgesprochen, dass wir nur kurz an der VP 2 verweilen, um erst bei der VP 3 eine größere Pause einlegen wollten. Wir liefen zügig raus und es wurde direkt sehr steil, so steil, dass selbst die Profis diesen Anstieg bis auf 2650 m lediglich schnell gingen und nicht liefen.
Wir krochen hoch, immer im leichten Zick-Zack, immer höher in noch steinigeres Gefilde. Dominik hatte ein Tief und musste schwer kämpfen. Er wollte auch für sich sein und ließ sich etwas zurück fallen. Am Ende des steilen Anstieges kam nicht der erwartete Gipfel, sondern es wurde richtig interessant. Wir mussten nun klettern, gute 80 Höhenmeter. So zog ich mich Stück für Stück durch spitzes Gestein hoch bis wir endlich oben auf dem Gipfel ankamen. Auch wenn wir keine Zeit hatten, so wollten wir alle kurz durchatmen und die Aussicht genießen.


Nach wenigen Minuten stiegen wir ab und es wurde schlimmer als gedacht. Der Downhill war für mich eine riesige Katastrophe. Ich knickte etliche Male um. Ein dauerhafter Schmerz setzte sich im getaperten Fußgelenk ein, der auch nicht mehr wich. Getrieben vom Zeitdruck und all den Gefühlen, wollte ich nur weiter und irgendwie VP 3 erreichen. Entgegen jeder Vernunft der letzten Tage beschloss ich keine Pause einzulegen. Diese Kilometer bis zur VP 3 waren für mich die größte Qual. Ich war körperlich und vor allem Mental komplett an meiner Grenze. Juliane blieb immer wieder stehen und schrie mir zu „Sieh doch Daniel, wir haben noch genügend Zeit um Bilder zu machen.“ Ich hatte ihr nicht erklärt, wie ich mich fühlte und wie es mir ging, aber solche Beruhigungen halfen mir gerade überhaupt nicht. Im Gegenteil, sie machten alles schlimmer. Körperlich fühlte ich mittlerweile eine tiefe Erschöpfung wie noch nicht zuvor an einem der vorigen Tage. Ich spürte aufkommende Krämpfe, Ermüdung und den inneren Drang stehen zu bleiben und einfach aufzuhören. Die leichten Anstiege zwischendurch führten immer wieder zu einem Brennen in meinen Beinmuskeln. Alles in mir stellte sich quer, alles wollte nicht mehr. Ich sagte den anderen, dass sie bitte nicht mehr auf mich warten sollten und einfach die Cut-Off mitnehmen sollten, für den Fall, dass ich es nicht mehr schaffe. Ich war sehr langsam und wir verloren immer mehr Zeit und die 58 min Vorsprung schmolzen dahin. Auf dem halben Weg zur VP 3 waren wir nur noch knappe 35 Minuten vor dem Cut-Off. Sprich, wir hatten knapp die Hälfte unseres Polsters auf dem halben Weg eingebüßt.



Doch Juliane und Dominik blieben bei mir. Juliane und ich gerieten verbal sehr aneinander und stritten uns lautstark. Joschi, ein Bruder von Dominik, war zufälligerweise bei uns und beruhigte die Situation mit klaren Worten: „Streiten könnt ihr euch im Ziel. Beruhigt euch und kommt mal runter.“ Dominik hingegen verhielt sich genau richtig für mich und sorgte mit seiner natürlichen Art dafür, dass ich mich nach weiteren 3 km wieder fangen konnte. Wie ich schrieb, lagen meine Nerven komplett blank und ich ahnte schon, dass ich an diesem Tag es sehr schwer haben würde, mich unter Kontrolle zu halten. Welche Art Dominik hatte, damit ich mich wieder fangen konnte? Das bleibt unter jenen, die Anwesend waren. Auf jeden Fall war ich der Zweite in unserer Gruppe, nach Dominik, mit einem Tiefpunkt an diesem Tag. Ich stabilisierte mich. Der Kopf spielte langsam wieder mit und sagte: Jetzt komm runter und bring es nach Hause! Das Brennen in den Beinmuskeln ließ langsam nach und der Schmerz im Fußgelenk legte sich langsam. Es war, als wäre irgendein Knoten geplatzt.
Zwischendurch trafen wir die Frau wieder, die in am Ende der 5. Etappe einen Meter hinter mir stürzte. Sie hatte also nicht aufgegeben und lief noch weiter. Es gab den Verdacht auf einen Bruch in der Hand. Sie entschied sich sofort in Brixen ein Krankenhaus aufzusuchen und irgendwie es bis dorthin auszuhalten.
Dann endlich sah ich in der Ferne VP 3, auch wenn noch ein kleiner Downhill vor uns lag. Ich eilte so schnell ich konnte hinter den anderen her. Der Weg war abschüssig mit Pflastersteinen mit einer Neigung von sicher mehr als 20%. Wegen meines Fußes musste ich deswegen höllisch aufpassen.

Und dann, oh mein Gott, ENDLICH liefen wir über die Zeitmatte und erreichten den letzten VP vor dem Ziel mit knapp 25 Minuten Vorsprung vor dem Cut-Off. Wir hatten es geschafft. Wir nahmen uns sicher knapp 10 Minuten Zeit und aßen ordentlich, tranken ordentlich und liefen entspannter weiter. Am Ausgang der VP 3 war einer der Ärzte und guckte sich jede Läuferin und jeden Läufer sehr genau an. Wir schnackten kurz mit ihm und zogen weiter. Kurz danach entschuldigte ich mich für das Drama und das meine Nerven blank lagen. Der Abschnitt nach der VP 3 war eher flach und dadurch, dass ich mich langsam wieder fing, entspannte sich auch die Atmosphäre im gesamten Team. Ich spürte eine unfassbare Erleichterung in mir und es wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass wir gemeinsam den Transalpine-Run schaffen könnten.


Doch der Weg von der VP 3 bis ins Ziel sollte sich etwas Ziehen. Zwar liefen wir nun vermehrt in einem Wald und hatten meist gute Forstwege unter den Füßen, jedoch hatte jetzt Juliane ihren Tiefpunkt. Beim letzten Downhill des Tages, kurz vor dem Ziel, versagten Ihre Knie und sie hatte sehr zu kämpfen. Somit hatte jeder bei uns im Team während der sechsten Etappe seinen Tiefpunkt. Dominik und ich liefen wieder etwas vor und warteten immer wieder auf sie. Wie am vierten Tag, wollte sie nun etwas Ruhe für sich haben und es einfach irgendwie ertragen.

Am Ende schafften wir erfolgreich die Etappe mit 33,6 km nach gut 7:48h. Ich erinnere mich, wie wir zu dritt einliefen und Steph, die Kamerafrau und kleine Trösterin, erst Juliane interviewte und dann sogar mich. Ich habe versucht kurz zu erläutern was in mir vorging. Wir gingen in den Verpflegungsbereich, wo es eine der leckersten Wassermelonen in meinem Leben gab und einen extrem guten Käse. Glaubt mir, ich habe so unfassbar viel gegessen. Danach ging ich zum Info-Stand von PlanB, um zu erfahren, wie wir ins Hotel kommen konnten. Neben mir standen zwei Frauen, die vor mir dran kamen. Sie schmissen ihre Nummern auf den Tisch und sagten: Wir wollen den Transponder-Chip abgeben. Wir wollen nicht mehr. Wir können nicht mehr. Wir haben keine Lust mehr und beenden den Lauf hier und jetzt. Sie erhielten den Pfand zurück, sowie die Startnummer, jedoch ohne Transponder und gingen wortlos weg. Ich war völlig sprachlos, aber es gab wohl Teams, die selbst nach sechs erfolgreichen Etappen aufgaben.
Danach ging es weiter ins Hotel mit dem Shuttle, der auch in Sarntheim gut funktionierte, wenn auch mit etwas Wartezeit. Im Hotel angekommen, bemerkten wir, dass wir mit Dominik und seiner gesamten Familie in einem Hotel waren. Ich war hellauf begeistert über diesen Umstand. Da wir heute sehr spät und sehr knapp ins Ziel kamen, blieb bis zur Pasta-Party kaum mehr Zeit als für eine kurze Dusche. Das Wasser brannte immer noch leicht auf meinen Armen, aber es war nicht mehr ganz so schlimm wie am Vortag im Passeiertal. Puh! Eincremen und Armlinge haben wirklich etwas gebracht.
Bei dem Streckenbriefing wurden eine Änderung bekannt geben. Der letzte von zwei Gipfeln auf der siebten Etappe wurde nur umlaufen, jedoch nicht bestiegen. Der Grund war, dass es eine Gewitterwarnung gab und daher man zum Schutz den Gipfel meiden wollte. Das bedeutete für uns knapp 200 Höhenmeter weniger, jedoch 1-2 km mehr zum Laufen. Dadurch musste auch die VP 3 zu einem tieferen Punkt verlegt werden und der war noch weiter entfernt. Zwischen VP 2 und VP 3 lagen nun fast 17 km, also fast die halbe Distanz des morgigen Tages. Das könnte hart werden.
Nach eben jener Pasta-Party und dem Streckenbriefing setzten wir uns noch in die Hotel-Lobby, um mit Dominik und seinen Brüdern zu quatschen. Auch Sandra, von den Asics Frontrunntern saß mit dabei. Bei dem Gespräch mit ihr und den anderen bemerkte ich, wie viel hundertfach entspannter ich gegenüber dem Morgen war. Sandra hatte wohl auch bemerkt, dass ich sehr angespannt war und ich erklärte mich ihr mit wenigen Worten. Ich fühlte mich das erste Mal seit längerem richtig gut und im Einklang mit mir. Natürlich musste die letzte Etappe erst erfolgreich gelaufen werden, doch ich war voller Zuversicht. Als wir alle Zusammensaßen besprachen wir die Taktik für den Morgen. Die Taktik für den letzten Tag war dieselbe, wie an den Tagen davor auch: Hohes Tempo beim Anstieg und versuchen schnell nach VP 3 zu kommen und hoffen den Cut-Off zu meistern. Von Dominiks Brüdern waren noch Joschi und Benjamin in der Lobby. Wir quatschen über zukünftige Läufe und Projekte. Es war schön einfach entspannt sich zu unterhalten und nicht an den Transalpine-Run zu denken. Was mich abschließend an diesem Tag beeindruckte, war der Umstand, dass Dominik nach der Pasta-Party sich noch eine Pizza bestellte und sie komplett aufessen konnte. Ich hätte das niemals geschafft und war tief beeindruckt.
Am Abend erfuhr ich, dass nur noch ungefähr 200 Teams im Rennen sind. Jeder Dritte war schon ausgeschieden. Unglaublich. Ich erinnerte mich an den Start der ersten Etappe und an meinen Blick durch die Menge der Starter. Jeder Dritte kam wirklich nicht einmal bis nach Sarntheim. Mich stimmte dies nachdenklich. Ich ging darauf hin ins Bett und beendete diesen Tag.

10. September 2016, Etappe 7: Sarntheim – Brixen
Ich stand auf und entdeckte, dass mein linkes Fußgelenk geschwollen war. Verdammt, dass sah wirklich übel aus. Ich seufzte und war gespannt, was Uli dazu heute sagen würde. An diesem Morgen, war das Ankleiden, wie ein kleines Ritual. Wie am ersten Tag, zog ich am letzten Tag mein Vereinstrikot an. Ich hatte genau zwei eingepackt, für genau diesen Zweck. Diese letzte Etappe wollte ich meinem Verein widmen, dem TV Löhne-Bahnhof e.V..
Ich ging zum Frühstück und war diesmal nicht der erste. Als ich mit dem Essen fertig war, ging ich an den Tisch zu Dominik und seiner Familie. Als ich hörte, dass einige von Ihnen vorher zum Arzt oder zum Physiotherapeuten mussten, fragte ich, ob sie einen Platz im Auto frei hätten, da ich auch zum Arzt müsste. Ich war froh, dass sie das bejahten. Der Shuttle in Sarntheim fuhr so spät, dass es knapp geworden wäre, vorher noch zu Uli zu gehen. Sogar Dominik, der für mich unverwundbare, musste sich beim Physiotherapeuten sich tapern lassen. Ich vermutete, dass nun so langsam fast jeder sein Päckchen zu tragen hatte.
Als ich bei Uli saß, zeigte ich ihm das Gelenk und meinte „Na, wie sieht es aus? Darf ich noch einmal? Heute ist es geschwollen, ich bin Gestern sehr oft umgeknickt.“ Er atmete schwer und tastete alles ab. Am Ende sagte er: „Heute wird es wohl noch mal gehen.“ Ich glaube, jede andere Antwort hätte ich auch ignoriert und missachtet. 36 km vor dem Ziel hätte ich nicht mehr aufgegeben. Aber mit dem Segen von ihm, fühlte ich mich auf jeden Fall besser. Ich lächelte nach der Antwort und er lächelte zurück und ergänzte: „Wenn du wieder zu Hause bist, solltest du es unbedingt kontrollieren lassen.“ Ich stimmte dem zu (Was ich unmittelbar getan habe!). Als er fertig war, sagte ich: „Vielen Dank Uli. Für alles.“ Er nickte, wünschte mir alles Gute für die letzte Etappe und wir verabschiedeten uns voneinander.
Ich verließ das Medi-Zelt zum letzten Mal. Ich holte Dominik bei den Physiotherapeuten ab. Er ließ sich das Sprunggelenk tapern, da es etwas gelitten hatte. Juliane kam nicht und so stellten sich Dominik und ich uns schon einmal in den Block C, da es nur noch wenige Minuten bis zum Start waren. Plötzlich tauchte neben uns Cindy und Geo auf. Sie hatten es bis hier hin geschafft. Es war immer noch sehr eng für sie. Den VP 3 der 6. Etappe hatten sie nur um sehr wenige Minuten gerade noch so erreicht. Heute wollten sie sich vorne reinstellen, um gleich schnell rauszulaufen. Irgendwie kam mir diese Strategie bekannt vor. Wirklich sehr knapp vor dem Startschuss kam Juliane und musste sich erst durch den Checkin kämpfen und dann durch den gesamten Startblock, da wir sehr weit vorne standen und der Block komplett gefüllt war. Und dann fiel der Startschuss. Auf geht es nach Brixen und die letzte 36 km lange Etappe. Wahrscheinlich ist in acht Stunden alles vorbei.

Wir liefen leicht bergauf bis wir von einer Straße links abbogen und direkt auf einem Single-Trail waren. Da alle Blöcke gleichzeitig gestartet waren, führte dies sofort zum Stillstand. Wir standen wirklich und mussten warten. Dann kam eine schmale Treppe und nach der Treppe konnten wir endlich weiterlaufen. Ich weiß noch, dass ich kurz danach während des Laufens meinen Rucksack runter nahm und noch im Laufen mir ein Blasenpflaster aus dem Rucksack holte. Als ich eines hatte, setzte ich mich hin, zog mein Schuh aus und klebte mir das Pflaster an den großen Zeh. Ich spürte einen wunden Punkt und ich wollte nicht, dass es jetzt noch schlimmer wird. Juliane lief während dessen weiter. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass ich weg war und Dominik war noch hinter uns, da er beim Stau irgendwie noch stärker geblockt wurde. Diese Aktion führte am Ende jedoch dazu, dass Juliane zurück zu mir lief und Dominik wieder aufschloss. So liefen wir wieder zu dritt weiter.

Der Weg bis zur ersten VP war vergleichbar mit dem Hermannslauf. Mal ging es leicht hoch und runter. Wir liefen auf guten, breiten Forstwegen und konnten ein hohes Tempo im Verhältnis zur Cut-Off Zeit laufen. Mit knapp 55 Minuten Vorsprung zum Cut-Off erreichten wir die Verpflegungsstelle 1. Landschaftlich war es im Grunde ein Waldlauf mit schönen Ausblicken ins Tal.
Auf dem Weg zum VP2 wurde es landschaftlich abwechslungsreicher. Bäche, Singletrails, Steinformationen wechselten sich ab und boten ein alpineres Bild. Was mir auf jeden Fall in Erinnerung bleibt ist der Moment, als ich mit nur einem Meter Abstand hinter einer Kuh gehen musste, weil sie den Singletrail komplett ausfüllte. Sie ließ sich eine Menge Zeit und es staute sich sehr stark hinter mir. Die Leute riefen, und versuchten die Kuh zu scheuchen, aber der Kuh war alles egal. Das Scheuchen erklang in unterschiedlichsten Sprachen. Ich hörte deutsch, englisch und spanisch und italienisch. Als der Singletrail einmal kurz breiter wurde, stellte sich die Kuh an die Seite und wir konnten alle passieren. Dennoch dauerte die Aktion sicherlich gute 5 Minuten und führte bei allen zur Erheiterung, Gelächter und einer unvergesslichen Anekdote.


Nach einer kurzen Fotosession und mit knapp 1:25h Vorsprung erreichten wir die VP2. Auf Grund der Streckenänderung sollten wir nun fast 17km keine Verpflegungsstation mehr haben. Ich füllte reichlich meine Vorräte auf und wir liefen nach einer Runde Suppe, Nüssen und Obst weiter.
Jetzt ging es weiter bergauf zum höchsten Punkt des Tages auf knapp 2450m. Dort standen die pinken Puschel Mädels und Jungs und feuerten uns an. Ich weiß, dass ich es nicht zeigen konnte, wie froh und happy ich war sie zu sehen. Das geht an euch: Danke für euren Beistand an jedem der sieben Tage!

Nach dem Anstieg wurde der darauf folgende Abstieg technisch anspruchsvoll. Ich war wie immer sehr, sehr langsam, aber es ging mir gut. Ich versuchte mich auf das wesentliche zu konzentrieren und das war: Komm heile an, bzw. mach nicht alles kaputter. Ich knickte das eine oder andere Mal um, doch es war nicht vergleichbar mit den beiden Tagen zuvor.



Als es flacher wurde, konnte ich mein Tempo wieder hochfahren. Zwischendurch kamen wir an einer Hütte vorbei, bei der wir einen kurzen Stop einlegten für eine Klopause. An der Hütte erfuhren wir, dass wohl angeblich die Cut-Off Zeiten für VP 3 und das Ziel aufgehoben wurden. Wer VP 2 erfolgreich passierte, durfte den Lauf beenden. Danach ging es weiter. Wir konnten erneut gut laufen. Dominik eilte zwischendurch vor. Er wollte sich noch einmal richtig auspowern. Leider übertrieb er es etwas. Als wir ihn einholten, meinte er, dass er es doch ein ticken zu schnell angegangen war. Kurz danach erreichten wir ein handgeschriebenes Schild:
<- 237 km Garmisch-Partenkirchen | Brixen 10 km ->
Wir hielten kurz inne und wir machten Fotos. In dem Moment stand ich zum ersten Mal den Tränen nah. Soweit bin ich also schon gekommen? Ich weiß nicht, ob es den anderen beiden auch so ging. Wir liefen weiter. Ich bekam langsam immer mehr Durst und hatte kein Wasser und keine Elektrolyte mehr. Meine knapp 1,8 l sollten für mich nicht reichen. Verdammt!
Wir liefen erst einmal weiter. Es waren noch knappe 3 km bis zum letzten Abstieg. Der Abstieg sollte die gesamten letzten sieben km bis ins Ziel und knapp 1400 Höhenmeter Abstieg bedeuten. Ich hörte im Vorfeld schon, dass dieser Abstieg es noch einmal wirklich in sich haben sollte. Mein Fußgelenk freute sich nicht. Julianes Knie freute sich nicht und Dominiks Sprunggelenk freute sich nicht.
Kurz vor dem Abstieg überholten uns Cindy und Geo. Sie wirkten sehr fokussiert und wollten den Lauf nur noch beenden, irgendwie. Als der Abstieg anfing, überholten wir die Dame, die an Tag 5 kurz hinter mir gestürzt war. Ihre Hand sah immer schlimmer aus, aber sie biss die Zähne zusammen und wollte nur noch ins Ziel. Wir unterhielten uns kurz und verabschiedeten uns voneinander.
Der Anfang des Abstiegs war für mich brutal. Es war ein Singletrail mit sehr großen Steinen, die wie große Treppenstufen wirkten. Es war nur alles sehr uneben. Zudem hörten wir in der Ferne ein grollen von Donner und der Himmel zog langsam zu. Ich stieg übervorsichtig ab, indem ich die Stöcker vor mich hielt, abstützte und dann die Füße langsam und mit Bedacht nachzog. Als wir unter der Baumgrenze waren, gab es Waldwege und Forstwege. Dort konnte ich wieder besser laufen, jedoch wurde es für Juliane schwieriger. Dominik zapfte eine natürliche Wasserquelle an und besorgte mir so frisches Wasser, denn ich hatte mittlerweile sehr viel Durst. Einen halben Liter später ging es mir deutlich besser.

Nach gut 20 weiteren Minuten erreichten wir die VP 3. Dort angekommen, bestätigten sie offiziell, dass was uns einige Läufer_innen auf der Strecke schon sagten: An VP 3 und im Ziel gibt es kein Cut-Off mehr. Jeder der bis hier hinkam, durfte ins Ziel und sollte offiziell gewertet werden. Dennoch wollte ich nun keine Stunde hier Pause machen, sondern im Ziel, weinen, freuen, duschen und feiern. Genau in dieser Reihenfolge! Wir machten zwar eine ausgiebige Pause, doch da wir alle ins Ziel wollten, liefen wir nach einigen Minuten entspannt los.
Knappe 5 km lagen vor uns, die aus Wiesen, Waldwegen, Forstwegen und Straßen bestand. Wir nutzten die Zeit zum Reden. Wir waren einer Meinung, dass wir zum einen froh waren, dass der Lauf gleich zu Ende ist. Auf der anderen Seite waren wir traurig, dass eben der Lauf gleich vorbei ist. In uns dreien gab es viele gemischte Gefühle.
Bei dem noch 1 km Schild gingen wir, obwohl es nur sehr leicht bergab ging und Asphalt war. Es war Ideal zum Laufen. Ich bemühte mich die anderen zu motivieren, zumindest den letzten Kilometer zu laufen. Wir hatten alle Schmerzen und wir waren alle fertig, aber es war der letzte, wundervolle Kilometer! 1000 m und damit ungefähr nur noch 500 Schritte pro Bein. Die anderen knirschten mit den Zähnen, schmunzelten und liefen los.



Und so liefen wir die Straße runter, gefolgt von einer Unterführung. Diese führte uns direkt in die Innenstadt von Brixen, wo das Ziel lag. Und dann kam dieser eine besondere Moment. Nach 7:22h liefen wir über die Ziellinie. Wir umarmten uns, wir freuten uns. Die Familie von Dominik kam vorbei und beglückwünschte uns. Viele Kameras fotografierten uns und der Moderator erzählte etwas über uns. Wir erhielten, wie jeder der diese Etappe lief, die Finisher-Medaille. Was für ein Moment. Es war unser Moment. Es bleibt unser Moment. Unvergesslich. Ewig.

10. September 2016 – Die Party
Auf dem Weg zum Hotel traf ich noch Geo. Er berichtete, dass Cindy und er es geschafft haben. Ich freute mich und wir gratulierten uns gegenseitig. Im Hotel angekommen legte ich erst einmal alles ab und atmete tief durch und las den letzten Brief. Letzen Brief? Ja, dazu komme ich gleich in der Danksagung. Doch ich musste erst diesen „letzten Brief“ lesen, bevor ich duschen ging. Als Juliane und ich etwas geruht hatten und frischer dufteten als noch im Ziel, gingen wir zur After-Party, wo es die Finisher-Shirts für alle offiziellen Finisher gab.

Dabei passierten wir den Platz, wo die Ziellinie stand, denn es wurde schon kräftig abgebaut. Kurz danach lief mir Uli über den Weg, bei dem ich mich noch einmal herzlich bedanke für seine Hilfe und bei Karsten. Ach ich bedankte mich bei so einigen Personen und ich war einfach nur glücklich. Es gab für mich als Vegetarier sehr leckeren Käse zum Abendessen und die nicht Vegetarier bekamen ein gebratenes Hühnchen. Ich kann nur sagen: Der Käse war super! Es folgten die Siegerehrungen und die Auszeichnungen. Nach diesem feierlichen Akt begann die Finisher-Shirt-Übergabe. Jeder wurde namentlich aufgerufen. Juliane und ich gingen hin und erhielten unsere Shirts. Wir machten zu zweit Fotos und wir machten danach mit Dominik Fotos zu dritt.


Nachdem alle ihr Shirt erhielten, tanzten wir auf der Bühne für ein riesiges Gruppenfoto. Danach stießen alle an, tanzten, feierten, redeten, freuten sich über den Erfolg und trauerten über jene, die es nicht schafften.
Und „irgendwann“ (*zwincker*) ging ich zurück zum Hotel, ohne Juliane, die noch länger feiern wollte. Ich war ziemlich durch und sehnte mich nach einem Bett. Auf den Rückweg traf ich noch Steph sowie einige Frontrunnter an einem Café und setzte mich kurz dazu. Wir quatschten ein wenig und später, als der Eigentümer des Cafés darauf hinwies, dass er eigentlich schon zu hätte, beschlossen die anderen weiter zu ziehen. Ich hingegen ging in mein Bett.

11. September 2016 – Epilog
Am nächsten Morgen hörte ich, dass die Gruppe, die weiter gezogen war, eine tolle Nacht verlebt hatte. Sie wurden vom dem Eigentümer des Cafés sogar begleitet. Sowas kann ich mir in Deutschland einfach nicht vorstellen.
Nach dem Frühstück gingen wir alle getrennte Wege. Ich ging zum Bahnhof, jetzt mit meinen beiden Reisetaschen. Ich fuhr mit dem Zug nach Hause. Zum Glück musste ich nur zweimal Umsteigen (München und Hannover). In den knapp 10 Stunden Zugfahrt schlief ich sehr viel, denn ich war total erledigt. Zum Glück hatte ich noch Urlaub und nutzte diese Tage nach der Ankunft zum Schlafen. Erst zu Hause empfand ich eine tiefe Erschöpfung. Es faszinierte mich, wie sehr ich unter Strom gestanden haben muss und wie sehr mich das gepusht hatte. Ich war über mich selbst erstaunt.
Es folgten Wochen der stetigen Aufarbeitung von Gefühlen, Erinnerungen und Selbsterkenntnissen. Dieser Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen und beschäftigt mich immer mal wieder. Die Resultate dieses Prozess werde ich hier nicht notieren. Nur soviel: Der Lauf hat mich charakterlich verändert, nachhaltig. Es kann sein, dass ich irgendwann den TAR noch einmal laufe, aber ich weiß es noch nicht. Jetzt kommen erst einmal andere Laufprojekte.

Danksagungen (sind immer sehr wichtig!)
Zu allererst möchte ich dem Mensch danken, der Schuld für diese Aufteilung des Blogartikels hat: Katja. Sie schrieb mir einen großen Brief, den ich am Vorabend der ersten Etappe öffnen durfte. Er enthielt drei weitere kleinere Briefe, die ich nach der 2., 5. und 7. Etappe öffnen durfte.

Ich möchte ihr für so vieles danken. Fangen wir mal mit den Briefen an. Für mich war es immer eine große Freude die Briefe zu öffnen und zu lesen. Es war hart nicht vorher als erlaubt sie zu öffnen. Doch umso erstaunter war ich, dass sie immer die richtigen Worte fand. Das hat mir verdammt viel bedeutet und war ein großer Halt. Das ständige Warten vor dem Monitor und das Mitfiebern möchte ich an dieser Stelle ebenfalls erwähnen. Am meisten muss ich ihr für das Verständnis danken, dass sie aufgebracht hat, damit ich soviel trainiere konnte, um eine Woche durch die Alpen zu laufen. Sie musste dafür viel auf mich verzichten. Ohne ihre große Unterstützung wäre es ein ganz anderer Transalpine-Lauf geworden.
Als zweites möchte ich Juliane danken, dass sie stets meine Macken und Kanten akzeptiert und immer noch mit mir laufen möchte. Ich bin froh, dass wir das gemeinsam erlebt haben und teilen können. Danke, dass du solch verrückte Ideen mitmachst!
Dann möchte ich der WhatsApp-Support Gruppe danken, insbesondere Ariane, die dort mit Katja eine Art Live Ticker daraus gemacht haben. Der Zuspruch, die lieben Worten, dass Daumen drücken von meiner Familie und Freunden waren immer gut, etwas wunderbares und hat mir sehr geholfen. Ich hoffe, euch haben die Bilder, Eindrücke gut gefallen und ein wenig unterhalten.
Ich möchte der Familie Klöppel, insbesondere Dominik danken, die immer aufmunternde und unterstützende Worte fanden. Dafür, dass ich ihre Bilder hier verwenden und einbetten durfte und ich freue mich auf ein Wiedersehen. Es war schön euch kennen lernen zu dürfen!
Ich möchte auch Steph dafür danken, dass sie an manchen Tagen mit den richtigen Worten meine Stimmung aufhellen ließ. Danke!
Auch möchte ich den Asics Frontrunnern danken, dafür dass sie mich freundlich aufgenommen haben und für einige wirklich gute Gespräche.
Ich möchte meinen Verein danken, der immer einen guten Ratschlag hat, ein paar liebe Worte und ein offenes Ohr. Danke für alles, für all die Jahre!
Ich kann nicht jeden einzelnen namentlich aufführen, daher wenn du dich angesprochen fühlst und bisher nicht hier stehst: Ich habe euch nicht vergessen und danke für eure Untersützung und Anteilnahme!
Und abschließend freue ich mich darüber, dass DU, liebe/r Leser_in, es bis hier hin geschafft hast. Der Blog ist sehr lang und ihn bis hierhin zu lesen, war hoffentlich kurzweilig.
Wenn man den Transalpine-Run läuft, ist eines sicher: Ich war nie alleine und das ist ein verdammt schönes Gefühl!

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Transalpine-Run 2016 – Von Garmisch-Partenkirchen (Deutschland), über Österreich nach Brixen (Italien) – Teil 2 von 3

Transalpine-Run 2016 – Von Garmisch-Partenkirchen (Deutschland), über Österreich nach Brixen (Italien) – Teil 2 von 3

Was bisher geschah?
Juliane und ich liefen recht gut die ersten beiden Etappen in insgesamt knapp 13 Stunden durch. Bisher kamen wir nicht einmal über die magische 2000 m Höhengrenze. Die Stimmung war gut und die Eindrücke der Natur waren gerade am Anfang der auf der zweiten Etappe wunderschön. Nun stand die dritte Etappe an, die gleichzeitig die Königsetappe mit ca. 50 km und 3000 Hm vor uns lag. Weiter geht es mit meinem Bericht über den Transalpine-Run 2016. Im zweiten Teil geht es um die Etappen 3, 4 und 5.

6. September 2016, Etappe 3: Imst – Mandarfen
Es war der Tag der Königsetappe. Der Start war um 7 Uhr und wir hatten bis 19 Uhr Zeit, also knapp 12 Stunden. Zum Glück gab in unserem Hotel in Imst schon am Vorabend das Frühstück: Zwei belegte Brote mit einem Apfel und einer wunderschönen weißen Plastiktüte, die würdevoll unserer der Türklinke hing. Perfekt für eine Königsetappe. Aber im Ernst, ich glaube mehr bekam ich sowieso an Essen nicht runter. Umso besser, dass wir es auf dem Weg zum Start im Shuttel essen konnten. Wir stellten uns um 5:35 an die Bushaltestelle und warteten auf das Shuttle zum Start.
Dort standen natürlich mehrere Läufer_innen. Eine unter ihnen, trug eine Art Supergirl-Kostüm, mit einem Cape und wirkte gut gelaunt. Sie berichtete, dass sie bei ihrem ersten Transalpine-Run eine andere Läuferin in einem solchem Kostüm auf der Königsetappe sah. Sie war froh über die Aufmunterung durch diese fremde Läuferin, die die bevorstehende Herausforderung mit Humor und guter Laune überdeckte. Sie beschloss es bei einer oder mehrerer Wiederholungen ihr gleich zu tun. Daher stand sie da nun, gut gelaunt in einem Superheldinnen-Kostüm, um die Königsetappe zu meistern. Es erhellte mein Gemüt und ich fühlte mich besser, entspannter und war sehr froh über ihre Anwesenheit an diesem Morgen.
Das Shuttel kam pünktlich um 5:45 Uhr. Somit waren wir gegen 6 Uhr beim Start und konnten nun noch entspannt Taschen abgeben, das Klo besuchen und mit Leuten quatschen. Heute gab es drei Blöcke, wo wir jedoch alle zusammen starteten. Wir waren im dritten Block: C. Als wir eingecheckt hatten, freuten wir uns über die Tatsache, dass wir hier stehen dürften und konnten. Ein halber Tag Spaß, das erste Mal über 2000 Hm und das Pitztal soll sehr schön sein. Ich sagte zu mir, dass alles gut gehen wird und wir sicher heile in Mandarfen nach knapp 48 Km ankommen würden, so zumindest die offizielle Angabe. Es war bewölkt, aber man sagte uns beim Briefing, dass es schnell aufklaren sollte. Ich spekulierte mit einer Laufzeit von ungefähr 10 Stunden, gemessen an dem Scott Rock The Top, wo ich ungefähr 10 Stunden brauchte mit weniger Kilometern aber mehr Höhenmetern.

Peng. Der Startschuss. Wir liefen erst einmal auf Asphalt knapp 4 km leicht bergab. Am Ende der Straße war eine Bahnschranke, welche fast alle aufhielt. Daher staute sich das Feld wieder. Beim Briefing am Vorabend sagten sie uns, dass sie uns 10 Minuten auf die Cut-Off Zeiten hinzu addieren, sofern die Bahnschranke uns aufhält. Gut, alle erhielten nun wohl die 10 Minuten. Als wir ankamen, ging die Schranke auf und wir konnten weiter. Jedoch ging es nun bergauf. Das allgemeine Laufen wurde zu einem allgemeinen Wandern. Erst ging es noch wenige hundert Meter auf einer Straße bergauf und dann ging es sofort auf einen Singletrail in den Wald. Wo es sich jedoch leider so staute, dass wir mehrmals länger stehen bleiben mussten und warten durften.
Nach dem Singletrailabschnitt, konnten wir wieder sehr gut laufen. Die ersten 20 km waren insgesamt zügig zu laufen und genau das war unsere Tagestaktik. Wir wollten direkt sehr viel Zeit gut machen, bevor wir in den harten, technisch sehr anspruchsvollen zweiten Teil der Strecke gehen durften. Doch bevor wir zum Km 20 kommen, lasst uns erst einmal zu Km 7 gehen. Wir trafen andere Läufer wieder, wie Sebastian mit denen wir uns ein wenig unterhielten. Auch fiel mir schon bei Kilometer 5 oder 6 ein junger Läufer auf, welcher immer vor sprintete und filmte. Er sah aus, wie ein kleiner Bodybuilder. Ich fragte mich, wie es dazu kam, dass ein so junger, so muskulöser Typ hier mitlief? Er sah so untypisch für einen Ultraläufer aus. Er lief scheinbar alleine, denn ich sah keinen Partner, bzw. keine Partnerin. Das musste aber nichts heißen.
Als wir an die VP 1 (Verpflegungspunkt 1) nach gut 10,1 km ankamen, musste ich erst einmal zu den Sanitätern. Ich hatte mir die inneren Oberschenkel wund gelaufen. Sie gaben mir Puder und dies sollte es richten. Der eine Sanitäter sagte mir noch, dass ich bloß keine Zinksalbe mehr nehmen dürfte. Das würde es nur schlimmer machen. Ich nahm Zinksalbe, weil ich schon an Tag 2 mir die Oberschenkel wund gelaufen hatte. Ich betete innerlich, dass es wirklich zu einer Heilung kam, denn knappe 40 km lagen noch vor mir.
Bis Km 18 wechselten Waldwege und Straße ohne nennenswerten Steigungen und Gefälle ab. Wir hatten knapp 4 Stunden für diesen Abschnitt und brauchten nur knappe 2 Stunden. Das sah alles sehr entspannt aus. Wir waren froh, dass wir gut in der Zeit lagen. Wir liefen immer wieder an dem jungen Läufer vorbei und er an uns.
Nach einem doch recht knackigen Singletrail Anstieg erreichten wir auf einem Forstweg den VP 2 bei Km 20,9. ENDLICH. Ich hatte Durst und Hunger und wir machten erst einmal entspannt Pause.
Juliane sprach währenddessen den jungen Läufer an, der so untypisch für einen Ultraläufer aussah. Er berichtete, dass sein Teampartner schon nach Tag 1 ausgeschieden war und er seit Tag 2 alleine weiter lief. Sein Name war Dominik Klöppel. Er war 19 Jahre alt, der jüngste Teilnehmer zum zweiten Mal in Folge im gesamten Teilnehmerfeld. Er beendete schon einen Transalpine-Run im Vorjahr erfolgreich. Er war einer von vier Brüdern, die allesamt dieses Jahr an den Start gingen und in unterschiedlichen Leistungsklassen liefen. Er verstand sich direkt gut mit Juliane. So liefen wir zu dritt vom VP 2 los. Auch wenn ich in diesem Bericht von Dominik schreibe, so nannten wir ihn stets nur Domm, ja mit doppel m.
Der Weg nach der VP 3 wandelte sich immer wieder in einen Singletrail, Weiden mit Kühen (zum Leidwesen von Juliane), Singletrail im Wald oder einfach ein Forstweg. Wir mussten mit Hilfe von Holztreppen auch über Zäune klettern, was wirklich dem markierten, offiziellen Weg entsprach!
Auf dem Weg zum VP 3 lernten wir wieder sehr viele Interessante Menschen kennen. So filme ich gerade zufällig als Elmar aufschloss und kurz bei uns verweilte und sich mit uns unterhielt. Elmar war ein auf seine Weise besonderer Läufer, denn er lief mit einem transplantierten Herz. Krasser Scheiß!

Die Strecke bis VP 2 war nichts Besonderes, wie sich aus der Beschreibung sicher herauslesen ließ. Ich jedoch fand, dass seit der VP 2 sich jeder Meter immer wunderschöner wurde. Die Wälder wirken alt und irgendwie mystisch. Die Singletrails waren hart, aber abenteuerlich und natürlich die Ausblicke, je höher wir liefen, desto schöner waren sie. Wir liefen an Wasserfällen vorbei, an Hütten und der Himmel war klar und der Ausblick weit. Es beflügelte mich und ich stellte mir vor, wie wohl der restliche Weg bis ins Ziel sich entwickeln würde?


Der Weg zwischen der VP 2 und 3 war gefühlt länger als gedacht. Irgendwie kamen drei Kilometer zusätzlich hinzu, laut meiner und auch der Uhr vieler anderer. Nichts destotrotz erreichten wir die VP 3 mit gut 1:30h Vorsprung vor dem Cut-Off. Nach meiner Uhr hatten wir nun 35 km hinter uns. Wir hatten mehr als eine halbe Stunde Vorsprung seit VP 2 verloren. Wir füllten, wie fast immer, unsere Getränke und Vorräte auf und zogen weiter zum VP 4, der am Ende des Abstieges im Tal liegen sollte. Wir liefen weiter, mit nun etwas mehr Aufmerksamkeit auf die Uhr, denn der wirklich technische Teil und der Downhill lagen noch vor uns. Diese waren nicht gerade unsere Stärken.


Nach VP 3 ging es hoch auf 2200m Höhe bei technisch anspruchsvollen Trails in denen wir auf jeden Fall unter den 5 hm/h liegen sollten. Dies war das Tempo, welches als Grundlage für die Cut-Offs galt. Doch dieser Abschnitt kostete wirklich Zeit, da er kaum zu laufen war. Wir kamen nur langsam voran. Wir hörten später im Ziel, dass sogar die Profiläufer eine gute Stunde länger für diese Etappe brauchten, als kalkuliert wurde.


Als wir die Höhe von 2200 m erreichten, sahen wir ins Pitztal hinunter und waren völlig überwältig. Was ein Ausblick. Wahnsinn! Das toppte definitiv Tag 1 und 2 was die Schönheit der Natur anging. Einfach fantastisch. Dennoch blieb kaum der Kopf frei, um die Aussicht zu genießen. Wir mussten über Steinfelder klettern und tasteten uns vorsichtig voran. Technisch war es anspruchsvoll und ich fühlte mich mindestens einmal überfordert. Es fehlte mir hier einfach die Übung. Viele überholten uns, was absolut nicht schlimm war. Und dann begann der Abstieg nach über 40 km auf meiner Uhr.

Der Abstieg selbst sollte das letzte freie Downhill-Laufen für mich bedeuten, denn ich knickte mehrmals um. Ich konnte mich immer wieder fangen, und der Schmerz wich schnell. Doch beim letzten Umknicken des Tages, war das Umknicken so heftig, dass ich mit dem Gesicht voran zu Boden stürzte. Ich war glücklich, dass dort ausnahmsweise keine Steine lagen, sondern nur Gras und weicher Boden. Ich schrie laut auf, denn diesmal war der Schmerz so stark, dass ich mein erster Gedanke war: Das war es. Ende an Tag 3. Ich war froh nicht alleine gewesen zu sein. Juliane und Dominik kümmerten sich sofort und sehr gut um mich. Sie halfen mir auf und trösteten mich. Etwas später holten uns Carsten (Stegner) und Karsten ein, zwei von der rosa Anfeuer-Puschelfraktion. Sie beruhigten mich und gaben mir einige Tipps und Verhaltensregeln mit an die Hand. Ich beherzigte alle. So sollte ich mich hinsetzen, durchatmen, trinken und essen und die Aussicht genießen. Mindestens 5 Minuten. Diese Hinweise sorgten dafür, dass ich mit Entspannung, langsam wieder humpelnd weiter zum Versorgungspunkt 4 absteigen konnte. Der Schmerz wich langsam, war aber immer noch da.
Wir erreichten den VP 4 mit nur noch knapp 30 Minuten vor dem Cut-Off, da der technische Abschnitt und meine Verletzung uns massiv aufgehalten hatten. Ein Sanitäter fragte sofort, wie es mir ging und ob ich es noch bis ins Ziel schaffe, oder direkt eine Behandlung benötige. Ich konnte den Grad der Verletzung nicht abschätzen und äußerte laut, dass es wahrscheinlich meine letzte Etappe sein könnte und deswegen ich auf jeden Fall bis ins Ziel gehen werde. Es wären ja nur noch fünf relative flache Kilometer. Wenn es ein Bänderriss sei, wäre es nun mal vorbei. Diese Äußerung führte dazu, dass Juliane traurig wurde, doch was sollte ich machen? Schön reden wollte ich es nicht, und durch das verbale Äußern, wurde es mir auch sehr bewusst, was es bedeuten würde. Ich war sofort traurig. Der Sanitäter fragte nochmals nach, ob es wirklich gehen würde und ich bejahte. Ich versicherte ihm auch auf Rückfrage, dass auch auf jeden Fall im Ziel einen Arzt aufsuchen würde. Das akzeptierte er und ließ mich ziehen.
An der Versorgungsstelle 4 sagten uns Helfer, dass an dieser Stelle und im Ziel die Cut-Off Zeiten aufgehoben sind, da alle Teilnehmer_innen deutlich länger benötigten, als es vermutet wurde, die Profis eingeschlossen. So sollten wir auf jeden Fall in der Wertung bleiben.
Wir aßen in Ruhe und verließen den VP4. Es war ein Mix von viel schnellem gehen und ein wenig leichtem Laufen. Es ging 5 km stetig sehr leicht Bergauf. Zwischendurch passierten wir eine riesige Rinderherde, die einfach so auf dem Weg stand. Ich muss sagen, ich fühlte mich schon etwas unwohl, was ich aber überspielte es, um Juliane Mut zu machen.

Nach gut 11:03 Stunden, und laut meiner Uhr nach 52 km, erreichten wir das Ziel und damit eine knappe Stunde vor dem offiziellen Cut-Off, den es ja so nicht mehr gab. Es war somit 18 Uhr, und die Pasta Party sollte genau jetzt anfangen. Juliane und ich lagen uns mit Tränen in den Armen im Ziel. Der Gedanke aufhören zu müssen, machte mich fertig. Dominik und Steph, die Kamerafrau, beruhigten mich. An dieser Stelle geht ein großes Danke an euch! Danach suchte ich erst einmal den Arzt auf. Der Moment der Entscheidung.
Ich setzte mich auf ein Feldbett und zog mein Schuh aus. Es gibt sicher nichts Schöneres als einen Fuß zu untersuchen, der vorher über 11 Stunden in Bewegung war. Er musterte mein Fußgelenk und drehte ihn, stellte einige Frage und versicherte mir, trotz zweifacher Nachfrage, dass ich ohne Wenn und Aber weiterlaufen kann. Ich war völlig erleichtert. Ich müsste nur mich von ihm medizinisch vor jedem Start tapern lassen. Wir vereinbarten ein Codewort, damit er am nächsten Morgen wusste, was er bei mir machen muss.
Als ich aus dem Arztzelt kam, wartete dort Dominik. Ich sagte ihm, dass ich weiterlaufen darf. Wir verabredeten uns für den nächsten Morgen am Start, um gemeinsam weiterlaufen zu können. Auch Juliane erfuhr es direkt und war sehr erleichtert. Wir verabschiedeten uns von Dominik und gingen zurück ins „Hotel“, da Steph uns im Auto mitnahm und wir verzichteten damit auf die Pastaparty. Es war dieses mal kein richtiges Hotel, sondern eine Ferienwohnung. Wir teilten sie uns mit Katja und Judith, zwei der Asics Frontrunnerinnen. Katja ging mit anderen zu einem Restaurant und Judith blieb. So konnte ich Judith ein wenig besser kennenlernen und fand die sympathisch. Es blieb für mich kaum Zeit die Frontrunner_innen kennenzulernen und so war ich über die Gelegenheit froh.
Bevor ich es vergesse, ich sollte keine Probleme mehr mit wundgescheuerten, inneren Oberschenkel haben. Das Zeug von der VP1 half sehr gut. Ich musste auch nach diesem Tag mich nicht mehr um dieses Problem kümmern. Glücklicherweise.
Mein Abendbrot war an diesem Abend eine Packung Trockenobst, Nüsse, Eiweißriegel. Es war nicht optimal, aber ich war satt und fühlte mich gut. Dafür hatte ich mal mehrere Stunden am Stück, in denen ich die Seele baumeln lassen konnte und früh ins Bett ging. Achja, irgendwann am Abend hörte ich, dass die letzten Läufer_innen nach knapp 14 Stunden, also gegen 21 Uhr, endlich im Ziel eintrafen. Wahnsinn!

07. September 2016, Etappe 4: Mandarfen – Sölden
Nach einer intensiven, langen Königsetappe gab es heute die Etappe mit dem anspruchsvollsten und höchsten Anstieg, denn es sollte bis auf 3000 m Höhe gehen. Meine Güte, so hoch war ich noch nie in meinem Leben auf einem Berg. Der Abstieg sollte über einen Gletscher passieren. Ich war sehr gespannt, wie das werden würde. Es war definitiv ein Highlight des Transalpine-Run 2016. Wir fuhren mit dem Bus-Shuttle zum Start / Ziel Bereich und stellten wie immer unsere Taschen vor das „Hotel“. Beim Start / Ziel angekommen, ging ich zuerst einmal zu Uli. Uli war der Arzt vom Vorabend, denn ich musste mich tapern lassen. Ich war für ihn „der Bielefelder“ und er war für mich einfach Uli. Dass er sich meinen Namen nicht merkte, war für mich nicht schlimm. Wir verstanden uns gut und sahen uns wohl nun eh vor jedem Start. Eine kurze Anekdote. Als ich an diesem Morgen ins medizinische Zelt kam, sah mich Uli fragend an. Ich äußerte den magischen Satz: „Der Bielefelder und sein Fuß“ und er lachte auf und behandelte mich umgehend. Danach ging ich in ein Café, in dem wir Läufer uns aufhalten durften, ohne etwas bestellen zu müssen. Es war sehr kalt an diesem Morgen und über die Wärme waren wir alle froh. Dort wartete Juliane und auch der Sebastian, den wir immer wieder an den Vortagen trafen.
Wir checkten rechtzeitig in den Startblog C ein und trafen dort Dominik. Da wir uns so gut am Vortag verstanden hatten, wollten wir wieder zusammen starten und loslegen. An diesem Tag gab es drei Startblöcke, die mit je 10 Minuten unterschied starteten. Mir fiel auf, dass die Cut-Off Zeit zwischen Versorgungsstelle 1 und 2 sehr kritisch und knapp bemessen war. Gerade heute fühlte ich mich unter Druck, da ich nicht wusste, wie mein Fuß das mitmacht. Daher besprachen wir, dass dies für uns kritisch werden könnte und wir daher sofort schnell rauslaufen mussten, um an der ersten 2,5 km langen Steigung mit 700 Höhenmetern ganz vorne zu sein. Wir wollten schnell Zeit bis zur Versorgungsstelle 1 gut machen und die gewonnene Zeit als Polster mitnehmen. Denn für den Weg zwischen der ersten und zweiten Stelle hatten wir nur 2:45h und ich fand dies mit dem gegeben Profil als sehr knapp. Ich vermutete, dass wir um die 3:15h benötigten würden. Der Plan ging auch anfangs komplett auf. Noch vor dem Ende des ersten Anstieges liefen wir auf das Ende des B Feld auf. Das Ende des B Feldes bremste uns nun aus, aber auch zeigte, dass wir nun gute 10 Minuten heraus gelaufen waren.
Also wir oben ankamen auf 2278 m Höhe offenbarte sich ein für mich unvorstellbarer Anblick. Es war eine sehr merkwürdige Landschaft voller Berge und einem wundersam scheinender See. Schaut euch diese Landschaft auf den Bildern an und vielleicht versteht ihr es. Es wurde zudem flach und wir begannen richtig zu laufen. Mein Fuß fühlte sich stabil und gut an.



Der Weg ab dem See bis zur ersten Versorgungsstelle konnte komplett belaufen werden. Es war ein Mix aus Singletrails und Schotterwegen. Wir erreichten die VP1 mit einem knappen Vorsprung von rund 40 Minuten vor dem Cut-Off. Wir füllten die Vorräte auf und wechselten in das schnelle Wandern über, denn es ging schon leicht bergauf. Kurz darauf offenbarte sich uns ein Singletrail auf der linken Seite, der sehr steil den Berg hoch ging. Wir sahen dort in der „Ferne“ die anderen Läufer vor uns, wie sie langsam dort hoch kletterten. Mir entglitt ein „Scheiße, dass wird ein Spaß.“ Das meinte ich zum Teil so, aber auf der anderen Seite wurde mir auch klar, dass das nun sehr anstrengend werden würde.
Der Anstieg war heftig und es ging mir nicht so gut. Ich quälte mich hoch und getrieben vom Zeitdruck biss ich die Zähne zusammen. Die Kombination aus Zeitdruck, höchst anspruchsvollem Anstieg und einem Tief setzte mir moralisch sehr zu. Ich möchte gar nicht versuchen es schön zureden. Es war für mich sehr hart und ich ging an mein Limit. Wir lagen noch halbwegs in der Zeit, die ich geschätzt hatte. Bei dem Tempo sollten wir wenige Minuten vor dem Cut-Off durch den VP 2 sein.
Irgendwann kam uns ein Streckenchef entgegen. Er stieg den Berg ab und rief uns allen immer wieder zu: „Wir haben uns entschlossen die Cut-Off Zeit anzuheben. Ihr habt 2 Stunden mehr Zeit, nur bitte seid vorsichtig beim Gletscher. Wir haben schon jetzt Stürze, weil einige ein hohes Risiko gegangen sind.“ Wir drei beschlossen in diesem Moment unser Tempo runter zufahren und langsamer zu machen.


Als wir an einer Hütte auf einer Höhe von ungefähr 2750 m Höhe vorbei kamen, machten wir erst einmal Fotos, atmeten durch, gingen entspannt auf das Klo oder genossen die Aussicht. Ich tippe, dass wir knappe zehn Minuten Pause hier einlegten und uns gönnten. Mir half es, mich aus meinem Tief zu befreien und Kräfte zu sammeln. Schließlich war ich in meinem Leben nie zuvor höher als 2650 m Höhe gewesen. Etwas fokussierter und erholter ging es an den letzten Teil des Anstieges. Hier merkte ich langsam, dass ich Probleme mit der Luft bekam. Ich bekam Kopfschmerzen und fühlte mich unwohl. Aber da musste ich nun durch.



Als wir oben auf knapp 3000 m ankamen, waren die Puschel-Anfeurer_innen wieder da. Großartig! So etwas tut einfach gut. Wir erreichten somit den höchsten Punkt des gesamten Transalpine-Runs. Was für gutes Gefühl zu wissen, dass man an keinem anderen Tag mehr so hoch klettern musste. Nun ging es auch direkt zur Rückseite und zum Abstieg über den Gletscher. Jedoch … war das alles etwas anders als ich es mir vorgestellt habe. Sie hatten weißen Fließ ausgelegt und ein Seil abgespannt. Wir sollten darüber absteigen. Ich brauchte eine halbe Ewigkeit. Am unteren Ende des Gletschers saßen Dominik und Juliane, während ich noch übervorsichtig mich abseilte. Ich wollte wegen meinem Fuß absolut nichts riskieren und wir hatten genügend Zeit. Als wir wieder zu dritt weiterliefen, sahen wir sofort die VP2 und liefen hin. Mit 12 Minuten über dem alten /offiziellen Cut-Off erreichten wir die Versorgungsstation 2 und erholten uns ausgiebig. Jetzt sollte es nur noch bergab gehen. Juliane schnackte mit den Versorgern und erhielt zudem einen Schnaps. Wo auch immer die den nun aufgetrieben hatten. Aber wenn Läufer_innen an diesem Punkt einen wollten, sollten sie ihn bekommen. Ja die VPs hatten auch Sachen im Angebot, die nicht öffentlich ersichtlich waren. Mir war es irgendwo egal. Ich war zu sehr damit beschäftigt die negativen Gefühle, die ich vom Scott Rock the Top kannte, erfolglos auszublenden. Der Zeitdruck holte einige schlimme Erinnerungen hervor. Kurz nach VP 2 musste ich stehen bleiben und einmal meine leicht aufgescheuerten Brustwarzen abkleben. Die allgegenwertigen, kleinen Probleme bei einem solchen Lauf. Zum Glück hatte ich auf Grund der Pflichtausrüstung die nötigen Pflaster dabei. Dann holte uns Joschi mit seiner Gruppe ein. Joschi war, zur Erinnerung, einer der älteren Brüder von Dominik. Wir liefen kurz mit ihnen zusammen und als es wieder steiler bergab ging, konnten Juliane und ich nicht mehr mithalten. Dominik lief mit vor und wartete bei einem tieferen gelegenen Punkt auf uns, filmte und sah sehr entspannt aus.


Es ging weiter und der Abstieg selbst war eher unspektakulär. Für die gesamte Etappe hatten wir nach offiziellem Plan 7 Stunden Zeit und mit der 2 Stunden Cut-Off Erhöhung waren es wohl nun 9 Stunden. Nur wollte dies nicht in meinen Kopf. So stresste ich rum und orientierte mich an den 7 Stunden, dass die Zeit eng werden würde, wenn wir so trödeln würden. Die Angst, dass ich mich wie beim Scott Rock the Top mit der Zeit wieder vertue war groß. Daher orientierte ich mich an den 7 Stunden Cut-Off Zeit. Juliane verzichtete deswegen sogar auf einen Klogang bei an anderen Hütte und fand das nicht lustig. Das war der Moment, wo wir das erste Mal aneinander gerieten. Sie fühlte sich gehetzt und gestresst und ich fühlte mich unter Zeitdruck. Dazu kam noch, dass Sie am Downhill ziemlich zu kämpfen hatte, da ihre Knie schwächelten. So liefen Dominik und ich immer etwas vor und warteten. Das klingt nun nicht so toll, doch Juliane bat darum etwas Zeit für sich zu haben. Auf der anderen Seite, wollten wir auch nicht soweit vorlaufen.
Am Ende ist es ein Teamlauf und das wichtigste in solchen Momenten ist es, dass man auf einander Rücksicht nimmt und Verständnis für den anderen entwickelt. Das ist jedoch in manchen Situationen leichter gesagt, als getan.


Irgendwann, nach Waldwegen, Forstwegen, einem kurzen Gespräch mit Wanderern erreichten wir endlich Sölden und liefen nach 6:42h Stunden ins Ziel. Gemessen am alten, offiziellen Cut-Off hätten wir nur 7 Stunden gehabt. Puh! Die höchste Etappe war nun ebenfalls absolviert. Im Ziel gab es die übliche Verpflegung und Milka Schokolade, was mein Highlight war. Ich aß eine kleine Tafel (60g) einfach mal so mit zwei Atemzügen weg und nahm mir eine zweite kleine Tafel für später mit.
Sölden war eine Stadt, in der ich nur Restaurants und Hotels wahrnahm. Wir waren im Hotel „Grauer Bär“ und es war ein nettes Hotel, sogar halbwegs in Gehreichweite zum Start/Ziel. Ich glaube es waren 1,5 km pro Weg.
Im Hotel konnten wir uns nur kurz ausruhen, denn die Pasta-Party war nicht fern. Im Hotel haben Juliane und ich uns ausgesprochen, was gut und was nicht gut lief. Ich habe versucht ihr zu erklären, dass ich ein Problem mit Cut-Off und Zeitdruck habe und mich damit allein gelassen fühle. Sie erklärte, dass sie das nicht so toll findet und eher die Freude und den Spaß an der Veranstaltung sucht. Wir setzten uns hin und überlegten, wie wir das ausbessern könnten. Wir fanden eine Lösung, die auch gut bis zum Ende des Transalpine-Runs funktionierte. Okay, es gibt eine Ausnahme, aber auf diese komme ich am 6. Tag zu sprechen. Wir schauten positiv nach vorne. In diesem Moment im Hotel, war ich mir sicher, dass Juliane definitiv die richtige Laufpartnerin für diese Veranstaltung in diesem Moment war und eine richtige Freundin. Rückblickend kann ich sagen, dass es wohl das beste war, dass wir direkt das Problem angegangen sind gelöst haben. Wir hatten einen Konflikt, haben sachlich und erwachsen darüber gesprochen und eine Lösung mit der wir beide Leben konnten gefunden. Meine Gedanken vom Start der 1. Etappe kamen wir zudem wieder in den Kopf. Ja, wahrscheinlich habe ich uns zu viel zugemutet, aber ich war mir nun sicher, dass wir es als Team schaffen oder nicht schaffen werden. Ganz bestimmt jedoch würde das Team nicht zerbrechen. Diese Erkenntnis beruhigte und erleichterte mich enorm. Welchen Kompromiss wir fanden, werde ich vielleicht an entsprechender Stelle teilweise erläutern. Ansonsten bleibt es eine Sache zwischen ihr und mir.
Die Pasta Party war gut und das Briefing mittlerweile eine gewisse Routine. Dennoch fand ich es wichtig hinzugehen, eben wegen der Wetterprognose, Streckenänderungen oder potentiellen, wichtigen Hinweisen. Am Ende der Pasta Party setzen Juliane, Dominik und ich uns noch einmal kurz zusammen, um die Strategie für den nächsten Tag zu besprechen. Es sollte nach Italien über das Timmelsjoch gehen. Die Taktik war einfach: Wir stellen uns vorne rein, rennen die ersten Kilometer was das Zeug hält, gehen den Berg bis zum Timmelsjoch in einem Affenzahn hoch, um dann danach mit einem Zeitpolster in den Downhill zu gehen. Denn durch mein Fuß und Julianes Knie mussten wir beim Downhill jede Menge Zeit verlieren. Ich war der Meinung, dass die fünfte Etappe von den Cut-Off Zeiten die entspannteste der letzten drei sein sollte.
Am Abend legte ich mich ins Bett mit dem Gedanken, dass ich nun schon 4 Tage und knapp 145 km absolviert hatte. Mehr als die Hälfte des Translapine-Runs lag damit hinter mir und in wenigen Stunden sollte ich dann in Italien sein.

08. September 2016, Etappe 5: Sölden – Passeiertal
Ein neuer Tag, welch fröhlicher neuer Tag! Auf geht es! Ab nach Italien und damit dem dritten und letzten Land auf der Reise des Transalpine-Runs. Ich nahm an, dass die fünfte Etappe die leichteste von den letzten dreien, die noch vor uns lagen, sein sollte. Zumindest im Hinblick, was die Cut-Off Zeiten betraf. Dieser Fakt entspannte mich und sorgte dafür, dass ich wirklich zufrieden aufstand, mit wesentlich weniger Druck. Dafür hatte ich einen Sonnenbrand auf den Armen. Oha! Da hatte wohl der Gletscher zugeschlagen. Ich hatte mich doch eingecremt mit Sonnenschutzfaktor 50. Nun gut, dann wollte ich mich nun noch kräftiger eincremen.
Ich ging extra früh zum Frühstück, damit ich rechtzeitig bei Uli sein konnte. Das Tapern war nun ein fester Bestandteil meiner morgendlichen Routine geworden.
Gesagt, getan. Als ich bei Uli im Zelt war, setzte sich plötzlich Cindy nehmen mich. Sie hatte ich seit der ersten Etappe nicht mehr gesehen. Was für eine fröhliche Überraschung an diesem Morgen! Wir unterhielten uns kurz, als wir nebeneinander auf dem Feldbett im Medi-Zelt mitten in Sölden saßen. Es ging ihr nicht so gut und ihrem Teampartner Geo ging es ebenfalls nicht so gut. Sie seien aber noch dabei, jedoch waren sie immer nur sehr wenige Minuten unter dem Cut-Off. Sie wüsste nicht, ob sie es noch bis nach Brixen schafft, oder ihr Teampartner. Sie waren zudem gesundheitlich angeschlagen und erschöpft. Ich sagte ihr, dass ich ebenfalls es noch nicht absehen könnte, ob ich es bis nach Brixen schaffe und das viel davon abhängt, wie mein Fuß mitspielt. Wir verabschiedeten uns und wünschten einander viel Erfolg. Ich hoffte innig, dass ich sie und Geo wiedersehen würde. Es war bitter immer mehr bekannte Gesichter oder neu gewonnene Kontakte endgültig zu verabschieden. Ich wusste einfach nicht, ob ich sie noch einmal sehen sollte.
Ich ging danach zum Start und traf Juliane und Dominik. Wir hatten wieder die gleiche Taktik wie am Vortag: Schnell raus, Zeit gut machen für den Abstieg nach Italien.
Erneut wurde aus drei Blöcken mit je 10 Minuten Abstand gestartet. So starteten wir in der ersten Reihe des Blocks C und sprinteten schon fast los. Nach 4 km kam schon die VP1, welche wir als zweites oder drittes Team aus dem C Block erreichten. Wir liefen erneut auf Teams aus Block B auf, was nochmal die Moral anhob. Nach dem VP 1 begann sofort der Anstieg hoch zum Timmelsjoch, welcher bei ungefähr km 12,13 liegen sollte.

Heute ging es uns allen gut und wir hatten am Anstieg ein hohes und solides Tempo. Dies bestätigte sich auch dadurch, dass Dominik ein Gel nehmen musste. Wie mir später einer seiner Brüder berichtete, ist das etwas Außergewöhnliches und wir könnten stolz sein, dass wir das geschafft haben.

So eilten wir weiter den Berg hoch, die wenige Zeit, die ich mir nahm um mir die Natur anzugucken führte immer wieder dazu, dass ich erstaunt war, wie wunderschön es war. Irgendwann bei diesem Anstieg liefen an uns zwei Kanadier vorbei und schrien zu Dominik „Turf off the fucking music“, welches er mit einem „No“ quittierte. Ihr müsst wissen, dass an fast allen Etappen Dominik eine Box in seinem Rucksack hatte und Radio oder Musik-Playlisten abspielte, was einfach eine schöne Abwechslung und Ablenkung war. Juliane und ich waren beide froh, dass Dominik eine Box an diesem Tag dabei hatte und etwas Musik zu unserer Motivation dudelte.
Als wir den ersten Teil des Anstieges absolviert hatten, mussten wir eine größere Straße kreuzen und liefen einen schmalen aber eher flachen Pfad weiter, den man auch gut laufen konnte. Dabei überholten wir vereinzelte Wanderer, die etwas giftig reagieren, als ich darum bat vorbei laufen zu dürfen. Etwas später kreuzten wir erneut die Straße und es ging wieder steiler bergauf. Wir waren nun kurz vor dem Timmelsjoch, wo uns die VP 2 und exakt die Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien erwartete. Wir erreichten in einer hervorragenden Zeit den VP 2.

Das hohe Tempo und die dadurch entsprechende sehr gute Zwischenzeit bedeuteten auch, dass wir nun höchst wahrscheinlich ein sehr entspanntes Rennen zum Genießen haben sollten. Wir nahmen uns Zeit und quatschen mit den Helfern, machten kurz Fotos und liefen dann Downhill und waren damit in Italien, genauer Südtirol.


Der Downhill war am Anfang für mich sehr schwierig und trotz Tape knickte ich erneut mehrmals um. War mein Fuß an Tag 4, dank dem Tape, stabil. Nun hatte ich das Gefühl, dass ich trotz Tape einen wackligen Fuß habe. Eine kleine Pause war nötig, um mich zu sammeln, bevor es weiter ging. Ich hatte jedes Selbstbewusstsein für einen Downhill verloren, was dazu führte, dass ich sehr langsam war. Juliane und Dominik preschten dafür vor, was ich ihnen nicht verübeln konnte. Sie warteten auch immer wieder auf mich, so dass wir weiter laufen konnten. Mir tat es sehr leid, dass ich hier einfach eher ein Bremsklotz war. Als es später flacher wurde, konnte ich mein Tempo erhöhen und bei ihnen bleiben.

Die ersten Eindrücke von Südtirol waren toll. Schöne Aussichten, Wälder, Ausblicke, Wanderwege. Es war einfach wow! Ich hatte das Gefühl, dass jeder Tag den zuvor Tag toppte. War ich schon am ersten Tag von der Natur überwältigt und ich war es immer noch. Eine kleine Anekdote: Wir liefen sogar einmal durch einen Garten/Hof eines Bauernhauses, einfach weil das der offizielle, markierte Weg war. Dort kamen uns freilaufende Hühner entgegen, über die ich fast gestolpert wäre. In diesem Abschnitt liefen wir zeitweise Asphalt, was eine angenehme Abwechslung war. Kurz nach diesem Haus kam mir ein Medi-Trupp entgegen. Die fragte ich erst einmal nach mehr Sonnencreme. Ich merkte, dass der Sonnenbrand schlimmer geworden war und wollte nun noch eine Lage drauf klatschen lassen. So packte das Medi-Team mir gleich einen Sun-Blocker drauf.
Wir waren auf dem Fernwanderweg E5, der uns bis ins Ziel die Richtung weisen sollte. Als wir durch eine kleine Gemeinde durchgeliefen, mit einer hübschen Kapelle, näherte sich die VP3 und damit der letzte VP des Tages.

Juliane und mir ging es in dem Moment richtig gut und wir ließen Dominik für eine hundert Meter hinter uns, warteten jedoch vor der Zeitmatte auf ihn, so dass wir zu dritt drüber laufen konnten. Dort verpflegten wir uns erneut und füllten die Vorräte auf. In dem Moment als wir loslaufen wollten, meinte Dominik, dass er sich für heute von uns trennt. Eine Teamkollegin von We-Run-For-Fun, für das er ebenfalls lief, ginge es nicht so gut. Er wollte bei ihr bleiben und sie supporten, damit sie eher ins Ziel kommen könnte. So liefen Juliane und ich seit nun mehr 3 Tagen, dass erste mal wieder nur zu zweit. Wir redeten auch nicht so viel miteinander, weil ich es vorzog, auch einfach mal nur zu schweigen und in mich zu gehen. Der letzte Abschnitt nach VP3 war flach und war angenehm leicht bergab. Es war eine Kombination aus guten, breiten Forstwegen und Straßen. Wir könnten hier endlich mal eine 6 min pro km Pace laufen. Zeit spielte für heute keine Rolle mehr, sondern es war nur noch wichtig Gesund ins Ziel kommen.


Als wir dann in eine Klamm einbogen, fiel mir die Kinnlade runter. Es war einfach nur Wow! Wiederhole ich mich? Gut möglich, aber glaubt es mir einfach. Es ist einfach berechtigt immer wieder zu betonen, wie schön diese Route war. Dieser Ausblick und die vielen Brücken, die dazu führten, dass wir immer wieder die Klamm überqueren durften, waren einfach traumhaft. Der Untergrund war schwer zu laufen, da es viele spitze Steine gab, der Boden uneben war und da ich wegen meinen Fußgelenke höllisch aufpassen musste. Das nicht getaperte Fußgelenk war mittlerweile ebenfalls leicht angeschlagen.
Ungefähr 4 km vor dem Ziel liefen wir immer noch in dieser wunderschönen Klamm, als plötzlich gut einen Meter hinter mir eine Frau zu Boden fiel. Ich dachte erst, es sei Juliane gewesen, aber sie war es nicht, sondern eine andere Läuferin. Ihre Teamkollegin, Juliane und ich kümmerten uns direkt um sie. Wir halfen ihr auf, und schauten, wie wir ihr am besten helfen konnten. Sie blutete im Gesicht, am Oberschenkel und am Arm. Mein Gedanke war, dass die spitzen Steine wirklich nicht zu unterschätzen waren. Dieser Moment war ein Beispiel für den Fall, dass man eine Sekunde nicht aufpasste und plötzlich alles vorbei sein konnte. Als sie sich halbwegs gefangen hatte, meinte ihre Teamkollegin, dass es okay sei, wenn wir nun weiter liefen, denn den Rest schaffe sie auch alleine.
Kurz danach, ging es mir gar nicht gut. Ich spürte, wie sich ein Krampf in einer Wade anbahnte. Ich bat Juliane hinter mir zu laufen. Sie sei besser drauf und könnte sich an mein langsameres Tempo leichter anpassen. Sie willigte ein und hatte viel Verständnis. Da ich sie nicht mehr sah, fühlte ich mich weniger gestresst ihr folgen zu müssen und konnte einfach in mich rein hören und so laufen, dass der Krampf nicht ausbrach. Das gelang mir auch. Etwas später, mit viel beißen meinerseits, erreichten wir das Ziel. Die Familie von Dominik wartete schon sehnsüchtig und schaute irritiert und traurig, als wir ohne ihren Jüngsten einliefen. Wir erklärten die Situation und sie verstanden es direkt. Keine fünf Minuten später lief dann Dominik mit dem Team ein, welches er unterstützte.

Der Bus-Shuttle im Passiertal war hingegen sehr entspannt und pünktlich. Wir kamen fix ins Hotel und konnten etwas abspannen, und hatten dazu wirklich mal Zeit. Wir brauchten nur 5:47h Stunden für 33,3 km und da wir früh gestartet waren, hatten wir wirklich den Nachmittag frei.
Das Duschen hingegen war eine Qual. Der Sonnenbrand war so schlimm, dass meine Arme schon mit dem Kontakt von kaltem Wasser brannten. Diese Dusche im Hotel werde ich nicht vergessen und diese Erfahrung auch nicht. Damit ging es mir wohl nochmal körperlich bescheidener. Nur wie sollte ich damit umgehen? Ich sollte am Abend zu einer Lösung kommen, die ich jedoch erst im dritten Teil des Blogs verraten werde.
Später ging es zurück zur Pasta-Party und zum täglichen Streckenbriefing. Beim Streckenbriefing wurde sehr klar kommuniziert, dass es keine Abweichung von den Cut-Off Zeiten auf der sechsten Etappe geben würde. Danach besprachen wir drei die Taktik der sechsten Etappe, die ich vom Zeitfaktor her als sehr kritisch einstufte. Dass ich dies tat, nervte zwar Juliane, aber ich wollte jetzt nicht am Tag 6 scheitern und disqualifiziert werden, wenn ich so viel Energie, und so viel Einsatz schon erbracht hatte, um bis hier hin zu kommen. Ich weiß, dass ich stresste, aber ich sah meine von Tag zu Tag stärker werdende Verletzung am Fuß und hatte wirklich Angst deswegen zu scheitern. Rückblickend muss ich wirklich sagen, Tag 6 war für uns alle ein verdammt harter Tag, voller Qualen, blanker Nerven und er kostete uns viel Kraft. Doch dazu mehr im letzten Teil.

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Transalpine-Run 2016 – Von Garmisch-Partenkirchen (Deutschland), über Österreich nach Brixen (Italien) – Teil 1 von 3

Vorwort im Allgemeinen, sozusagen ein Disclaimer:
Ich habe diesen Bericht primär für mich geschrieben, um die Erinnerungen stets frisch zu halten. Ich hatte überlegt, ob ich sieben Einzelberichte, oder ob ich einen sehr ausführlichen schreibe. Nachdem ich die erste Fassung des Berichtes für die gesamte Veranstaltung fertig hatte, entschloss ich mich, den Bericht zu dritteln. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen. Denn jetzt geht es los.

Vorwort:
Dieses Vorwort schreibe ich, nachdem ich die erste Rohfassung des gesamten Berichtes fertig hatte. Mir ist es wichtig, etwas vorweg zu sagen. Die Spannung in diesem Bericht besteht nicht darin, ob ich den Lauf erfolgreich gelaufen bin, sondern was ich bereit war zu ertragen und zu investieren. Gerade dieser Punkt beginnt jedoch erst mit dem 2. Teil des Berichtes. Nur um eines vorweg zu sagen, ich gehöre zu den glücklichen Finishern des Transalpine-Run 2016.
Der Transalpin-Run ist kein Lauf für Anfänger_innen oder für Leute, die meinen einfach mal so einen Lauf zu bestreiten. Der Transalpin-Run ist ein höchst anspruchsvoller Lauf über sieben Tage. Insgesamt müssen ungefähr 250 km und 15000 Hm bis zum Ziel überwunden werden. Er ist ein wundervoller, wunderschöner, emotionaler und vor allem sehr intensiver Lauf, der mein Leben bereichert hat. Aber er ist auch ein Lauf, der Leid und Schmerz bedeuten kann, alles abverlangt und einen für das Leben durch schlimme Verletzungen zeichnen kann. Absolut niemand weiß beim Start der ersten Etappe, ob er es bis ins letzte Ziel schafft. Es kann einfach sehr viel passieren und wenn man in einem kleinen, ungünstigen Moment nicht aufpasst, war es das.
Ich bin vorher über ein Dutzend Marathons gelaufen, sowie zwei Alpine Läufe, Zugspitzultra-Supertrail und Zugspitz-Marathon. Ich wollte gucken, ob ich diese Belastung überhaupt aushalten kann.
Überlegt es euch sehr gut, ob ihr den Transalpin-Run bestreitet wollt. Er kann einem sehr viel geben, aber auch nehmen.

03. September 2016
Ich stehe entspannt früh morgens gegen 8 Uhr auf, wohlwissend, dass meine Teampartnerin Juliane schon seit Stunden auf dem Weg nach Garmisch-Partenkirchen ist. Mein Zug jedoch fährt erst um halb Zehn und somit habe ich noch genügend Zeit, um in Ruhe zu frühstücken. Ich ahne schon, dass die nächsten Tage mich erschöpfen werden und sauge jede ruhige Minute in mich auf. Ich habe zu diesem Zeitpunkt jedoch keine Vorstellung, was mich wirklich erwartet. Ich starte beim Transalpin-Run 2016, einem Etappenlauf über die Alpen, von Garmisch-Partenkirchen nach Brixen. Gute 250 km, 15000 positive Höhenmeter und nochmal soviele negative Höhenmeter, sprich Downhills. Ich erinnere mich an den die letzten beiden alpinen Läufe, den Zugspitzultra und den Zugspitzmarathon und erstarre immer wieder selbst in Ehrfurcht vor der Strecke die vor mir liegt. Worauf habe ich mich nur eingelassen?
Ich nehme meine gepackte Tasche, gehe zum Zug und lasse mich binnen acht Stunden nach Garmisch-Partenkirchen durch die Bahn transportieren. Ich werde von Juliane feierlich und fröhlich empfangen. Bei dem Transalpin-Run muss man in zweier Teams laufen. In meinem Fall ist Juliane meine Teampartnerin. Auf geht es ins erste Hotel, zur Startnummerabholung und danach zur Pasta-Party.

Bei der Startnummerabholung bekommen wir direkt eine große Reisetasche. Diese wird vom Veranstalter Plan B nun jeden Tag für uns transportiert. So müssen wir einiges umladen. Dank Jan Erik und Andrea von Asics und den Asics Frontrunntern, nehmen sie u.a. meine reguläre Tasche in ihrem Auto nun jeden Tag mit. Plan B nimmt natürlich nur die ausgegebene Reisetasche mit. Ich wusste nicht, dass wir alles umräumen müssen. Wäre mir das klar gewesen, hätte ich zu Hause 1. anders gepackt und 2. wesentlich weniger. Auch wäre ich mit dem Auto angereist, um meine reguläre Tasche für die Woche ins Auto zu packen. Ohne Jan Erik und Andrea, hätte ich nicht gewusst, wo ich die reguläre Reisetasche hätte lassen sollen. Wirklich ein riesen Dankeschön an euch beide!
Die offene und entspannte Grundatmosphäre gefiel mehr sehr gut. Zusammen schauten wir uns das Briefing für die erste Etappe an. Es soll ein einfacher Einstieg in das Etappenrennen sein, mit entspannten Cut-Off Zeiten und einem eher ruhigem Profil. Cut-Off Zeiten? Ja, das sind Zeiten, die wir unterbieten müssen, genauer bis zu diesen Zeitpunkten sind die Verpflegungspunkte (VP) und Ziele geöffnet. Reißt man eine Cut-Off Zeit, so ist man offiziell disqualifiziert und wird kein offizieller Finisher mehr. Außerhalb der Wertung ist eine weitere Teilnahme zwar möglich, jedoch gibt es das begehrte Finisher Shirt nicht mehr.

Auf dem Briefing wird auch erwähnt, dass es eine Überscheidung mit der Strecke vom Zugspitz-Ultratrails gibt. Ich lasse mich überraschen, welcher Abschnitt das wohl wird.
Nach dem Briefing beschließen wir früh ins Bett zu gehen, auch wenn der Start erst um 10 Uhr ist. Es ist alles sehr aufregend und schließlich wollten wir nicht müde in die erste Etappe einsteigen.

04. September 2016, Etappe 1: Garmisch-Partenkirchen – Lermoos
Wir, Juliane und ich, stehen pünktlich auf, ziehen uns an und gehen erst einmal erneut zur Startnummerausgabe. Sehr ärgerlich, denn wir hatten vergessen PlanB mitzuteilen, in welchen Hotels wir in den kommenden Tagen nächtigen. Schließlich möchten wir, dass wir unsere Taschen am nächsten Abend wiederbekommen. So gegen halb neun, nach einem ausgiebigen Frühstück gingen wir zum Start. Schnell geben wir noch unsere Reisetaschen ab und stellen uns für Fotos in den Startblock. Mit den anderen Asics Frontrunnern, Juliane ist ein Mitglied der Frontrunner, werden noch mehr Fotos und Einschwörungsformeln ausgetauscht.

Die letzten Minuten vor dem Start waren dabei besonders intensiv für mich. Ich gucke ich mich um, und realisiere, dass jeder dritte den ich gerade sehe es nicht bis nach Brixen schaffen wird. Zumindest wenn man den statischen Zahlen der letzten Jahre glaubt. Wir starten mit knapp 300 Teams und ich frage mich, ob wir wirklich am Ende nur noch gute 200 Teams sein werden? Nehmt euch die Zeit und guckt euch die beiden Fotos vom Start mal genau unter dem Aspekt an, um vielleicht nachzuvollziehen, was ich fühlte. Es machte mich etwas melancholisch. Ich habe mir in dem Moment gewünscht, dass wir alle Gesund und heile bis nach Brixen ins Ziel kommen. Doch dies ist eine Utopie, eine Wunschvorstellung, die so nicht eintrifft. Niemand kann und darf sich sicher sein, es bis nach Brixen zu schaffen. Ich atme tief ein und aus und frage mich, was mich an Erfahrungen erwartet, welche guten sowie schlechten Momenten wohl vor mir liegen? Die Verbindung zwischen mir und diesem Lauf klingt ein wenig nach einer Eheschließung. Durchaus gibt es gewisse Parallelen auf die ich jetzt nicht explizit eingehe, sondern ich überlasse es euch, ob ihr im Bericht diese Parallelen ebenfalls wieder findet. Ich weiß eines ganz sicher, dass ich diesen Lauf laufen will, mit Juliane. Mit wem auch sonst, wenn nicht mit meiner Marathonpartnerin? Ich schaue zu Juliane rüber und sie jubelt. Ich weiß, dass ich viel von ihr verlange. Ich bin der organisierte Typ, der alles akribisch plant und vorbereitet. Sie ist da eher das Gegenteil was Wettkämpfe und Läufe angeht. Sie lässt es gerne auf sich zukommen. Der aktuelle Deal ist es, dass ich mich um Pace und das Erreichen der Cutoff-Zeiten kümmere. Sie vertraut mir da und lässt mich machen. Vielleicht habe ich da zu viel verlang von ihr und mir. Vielleicht.


Da fiel der Startschuss und wir liefen los. Wir hatten auf den ersten 2,5 km ein gutes Tempo, da wir zügig an den ersten Anstieg wollten. Endlich Trails, Natur und eine tolle Atmosphäre. Wir waren gespannt und auch ein wenig in freudiger, nervöser Stimmung. Der erste Anstieg zog sich über fast 10 km, jedoch mit laufbaren oder schnell zu wandernden Abschnitten. An der Spitze des ersten Berges angekommen standen Personen mit Rosa Puscheln und bejubelten alle. Juliane ließ sich kurz mit ihnen fotografieren und dann ging es weiter zum ersten Downhill. Es war der identische Downhill, wie der letzte Downhill beim Zugspitz-Ultratrail und mein Gedanke war: „Ach du Scheiße. Darf ich kotzen? Ich hasse ihn jetzt schon. Wenigstens ist er diesmal trocken und nicht total matschig vom Regen, wie beim Zugspitz-Ultratrail.“ Ich mochte den Abstieg nicht, aber es half nichts, wir mussten darunter. Auf halben Weg stützte ich. War ja klar. Mir passierte nichts, jedoch zerstörte es einen meiner Trailstöcke vollständig, da er nun einen zweifachen Bruch hatte. Diesen gab ich später am VP 2 ab. Ein Helfer bot es mir an, diesen für mich Fachgerecht zu entsorgen. So lief ich an diesem Tag mit nur noch mit einem Trailstock weiter. Einer war schließlich besser als keiner.


Beim zweiten Anstieg des Tages hatte sich das Feld mittlerweile so sehr gezogen, das wir immer öfter alleine waren. Das war nicht schlimm, aber wir wollten uns auch nicht hetzen lassen. Mehrere Personen sagten uns sehr eindringlich, dass wir nicht zu schnell den Lauf angehen sollten und das viele andere genau diesen Fehler machen würden und die erste Etappe richtig rannten.
Wir wussten relativ schnell, dass wir eher im hinteren Feld waren, aber es war uns egal, denn das wichtige war nur, dass wir Gesund durchkamen und Spaß hatten. Ich drehte mich immer wieder um und genoss die Aussichten ins Tal. Es war landschaftlich einfach wunderschön. Kurz vor dem zweiten „Gipfel“ des Tages, an der Grenze nach Österreich trafen wir einen japanischen Kamaramann. Er filmte mit mehreren und begleitete einige japanische Läufer. Er war total witzig und wir unterhielten uns kurz mit ihm.



Auf dem Weg zum VP 3 lernten wir dann Cindy und Geo kennen und liefen mit ihnen einige Kilometer und unterhielten uns länger mit ihnen. Cindy hatte Geo überzeugen können, hier mitzumachen. Ich glaube, die beiden wussten nicht mehr, als wir, worauf sie sich da eingelassen haben. Es waren auf jeden Fall zwei sehr sympathische Personen. Beim zweiten Downhill des Tages war ich froh, dass ich Handschuhe anhatte, da diese mir beim Abstieg enorm halfen. Ich weiß, dass ich die Handschuhe anzog, um Blasen an meinem Daumen von den Trailstöcken zu verhindern. In diesem Moment beschloss ich, denn gesamten Transalpinlauf nur noch mit Handschuhen zu laufen, damit ich besser klettern konnte und einen besseren Halt hatte.

Das letzte Stück der ersten Etappe war flach und gut zu laufen. Wir sahen Cindy und Geo nicht mehr, da sie lockerer laufen wollten. Juliane und ich nahmen noch einmal Schwung und liefen locker ins Ziel und beendeten die erste und zweitlängste Etappe nach gut 6:47h in Lermoos.

Nach einer kurzen Pause suchte ich den Verkaufsstand von PlanB auf und informierte mich, ob sie noch Trailstöcke verkauften. Es gab nicht die optimalen für mich, und es gab kaum noch welche und ich musste in Bar bezahlen. Das letztere war ein enormes Problem, da ich extra für Hotels Bargeld mitgenommen hatte. Doch den Transalpin-Run ohne Trailstöcke bestreiten? Das wollte ich auch nicht. Wir verhandelten, dass ich am nächsten Morgen mir die Stöcke abholen durfte und dann einfach direkt bezahle.
Danach suchten wir unser Hotel auf, duschten und fuhren zur Pasta-Party. Dankbarerweise nahm uns andere Frontrunner in ihrem Auto mit. Es wäre für uns unmöglich gewesen das reguläre Shuttle zu erreichen, da wir dafür zu spät eingelaufen waren. Das Ziel war sogar noch länger geöffnet, als die Shuttles fuhren. Jeder der nach 8 Stunden drin war, hätte es wegfahren sehen können und die Läufer_innen hatten sogar 9 Stunden Zeit für die Etappe. Das Shuttle wurde gebraucht, da es in Lermoos keine Pasta-Party gab, sondern im benachbarten Ehrwald. Wir hörten später, dass das Shuttle teilweise über eine halbe Stunde zu spät kam. Doch damit nicht genug. Es gab nur eine Essensausgabe für um die 600 Läufer. Daraus folgte, dass die Schlange am Essen sehr lang war und es auch sehr lange dauerte, bis alle Essen bekamen. Das Essen selbst war ok, doch viele Läufer_innen empfanden die Organisation in Lermoos als nicht optimal. Bei dem anschließendem Briefing für den zweiten Tag, gab es auch promt eine Entschuldigung und das Versprechen, dass es nun besser werden sollte. Ich war sehr gespannt, ob sie dieses Versprechen einhalten würden.
Beim Streckenbriefing wurde eine Routenänderung vorgestellt. Ein Streckenabschnitt dürfe nur durchlaufen werden, wenn es trocken sei, doch wegen Regen war der Abschnitt gesperrt. Somit wurde die Strecke um einen Kilometer gekürzt und um 400 positive, wie negative Höhenmeter. Nach dem Streckenbriefing ging es zurück ins Hotel. Dort angekommen trafen sich noch einige im Foyer, um das WLAN zu nutzen. Ich war dabei. Dabei trafen wir Cindy wieder. Lustiger weise erkannte sie mich in „zivil“ nicht sofort. Das führte zu einem sehr interessanten Dialog, als sie plötzlich von dem Tag und mir berichtete. Erst da bemerkte ich, dass sie mich nicht erkannt hatte. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass sie gerade von mir sprach. Wir lachten und unterhielten uns weiter. Aber halt, was war das? Ach mein Bett ruft!

05. September 2016, Etappe 2: Lermoos – Imst
Nächster Tag, 2. Etappe. Wir standen früh auf, auch weil wir die Taschen rechtzeitig vor das Hotel bringen mussten. Ich ging am Morgen alleine zum Start, da ich noch neue Trailstöcke kaufen wollte / musste. Dabei lernte ich zwei Spanier kennen, mit denen ich mit ein wenig unterhielt. Sie schienen sehr erfahren zu sein und ich war beeindruckt von ihrer schier endlosen Liste von erfolgreichen Ultraläufen, die sie vorwiesen. Ich war total glücklich, wie viele Menschen ich in so kurzer Zeit kennen gelernt habe. Es wirkte alles sehr familiär, was mir sehr gut gefiel.
Als die Spanier und ich beim Start ankamen, trennten sich unsere Wege. Ich ging alleine weiter zum Verkaufsstand von PlanB. Ich hatte am Vorabend schon alles organisiert und besprochen und so war es ein schnelles und leichtes die Trailstöcker zu bekommen. Allerdings erfuhr ich auch, dass sie nun keine mehr zum Verkauf hatten. Es wurden die wenigen Paare nach einer Etappe verkauft. Ob sie nochmal welche bekamen, wussten sie selbst zu dem Zeitpunkt nicht. Sie waren überrascht, welcher Bedarf plötzlich sich aufzeigte.
Als ich auf Juliane wartete, fühlte ich einen leichten Muskelkater im Oberschenkel, aber dagegen war wohl nichts mehr zu machen. Ich entschied mich ihn rauszulaufen und hoffte einfach, dass er nicht schlimmer werden würde.

Wir starteten bei Regen. Heute gab es zwei Startblöcke, da der erste Anstieg schon nach 1,5 km anfing, ein Singletrail war und man keine größeren Staus dort provozieren wollte. Wir waren im zweiten Startblock anzutreffen. Wir stellten uns vorne rein, um einem potentiellen Stau zu entgehen.
Unsere Taktik war einfach: Im Flachen wollten wir einige Minuten heraus laufen, um dann entspannt den ersten Anstieg hoch wandern. Als kritisch erachtete ich die Cut-Off Zeit des ersten Verpflegungspunktes. Daher war es nicht verkehrt, den Lauf zügiger anzugehen. Durch die Streckenänderungen blieben wir auch am 2. Tag unter der magischen 2000 m Grenze.


Der erste Anstieg war ein sehr schöner Singletrail und es staute sich schnell hinter uns. Wir waren froh, dass wir zügig unterwegs waren und so entspannt und ohne Stau den ersten Anstieg nehmen konnten. Es war ein Single-Pfad durch Gestrüpp und Wald, voller S-Kurven. Sehr bald hörte auch der Regen auf und es lockerten sich die Wolken. Es wurde wärmer und ein Panorama nach dem anderen offenbarte sich. War ich von der ersten Etappe schon sehr angetan, musste ich anerkennen, dass die zweite Etappe noch viel schöner war.


Kaum vorzustellen, dass sich das noch steigen ließe. So liefen wir nach 7,5 km direkt an Wasserfällen vorbei, sahen Wolken auf Augenhöhe und hatten Aussichten, die ich so nicht kannte. Mir stockte mehrmals der Atem. Ich musste mich selbst immer wieder ermahnen, nicht zulange an einem Ort zu verweilen. Wir wussten ja, dass der Cut-Off zum ersten Verpflegungspunkt relativ eng gestrickt war. Daher gaben wir bis dorthin auch richtig Tempo. Das war aber nicht so einfach. Kurz vor dem Verpflegungspunkt mussten wir einen Singletrail durch dichtes Getrüpp bergab schleichen. Eigentlich kam es mir so vor, als wenn ich einen Abhang runter glitt, rutschte und kletterte. Es staute sich sehr und wir verloren sehr viel Zeit. Kurz nach dieser Abstiegsaktion erreichten wir den VP1 gerade so in der Zeit. Wir hatten nur 14 Minuten bis zum Cut-Off. In nur 5 Kilometern weiter sollten wir schon auf den 2. VP treffen. Jedoch war dieser Abschnitt primär ein breiter Waldweg, Straße und ging fast nur Bergab. Die hier vorgesehene Zeit war jedoch plötzlich so großzügig, dass wir den zweiten VP mit knapp einer Stunde vor dem Cut-Off wieder verließen und nun ein entspanntes Rennen zu Ende laufen konnten. Der Weg zur VP 3 stellte sich als unspektakulär heraus, was der Streckenänderung wohl geschuldet war.


Wir liefen entspannt den Lauf ab und der Vorsprung vor dem Cut-Off wurde immer größer und war für uns sehr bald nach dem zweiten VP nicht mehr relevant. Die letzten Kilometer waren eine abschüssige Straße und verlief in die Stadt Imst rein. Daher liefen wir locker ins Ziel und freuten uns, dass wir auch die zweite Etappe nach gut 6:20h erfolgreich mit viel guter Stimmung absolvieren konnten.


Getrübt wurde unsere Stimmung jedoch vom nicht funktionierenden Shuttelsystem. Vor uns warteten einige Läufer schon über eine Stunde, da viele Hotels außerhalb von Imst lagen, so auch unseres. Es endete damit, dass wir nach einer halben Stunde warten ein Taxi nahmen und zum Hotel fuhren. Zwei Stunden später fuhren wir jedoch entspannt mit dem Shuttel zur Pasta Party, denn am Abend funktionierte das Shuttle tadellos. Bei der Pasta Party trumpfte Imst voll auf! Wahnsinn. Kein großes Warten, riesige Portionen an Nudeln, Salat, Nachtisch und alles in allem ein sehr gutes, leckeres Essen. Dieses wurde von den Läufer_innen mit riesigem Applaus gedankt. Auch wenn das Shutteln nach dem Zieleinlauf echt mies war, so war die Pasta-Party ein voller Erfolg. Ich war auch nach zwei Tagen noch völlig entspannt. Das Briefing zur dritten Etappe jedoch, erfüllte mich das erste Mal mit Sorgen, denn es war die Königsetappe. Die meisten Höhenmeter (um 3000 Hm) und die längste Distanz von fast 50 km lagen vor uns. Ich musste direkt an meinen Scott Rock the Top Marathon denken, denn sofort kamen die schlimmen Momente hoch; das gestresste, negative Gefühl. Ja, der Zweifel klopfte an diesem Abend an meine Tür. Ich war vom Briefing sorgenerfüllt und meine belastenden, negativen Erinnerungen ließen mich nicht mehr los. Ich wusste, dass es meine unberechtigten Sorgen waren. Es würde sicher alles gut gehen. Einige von den Asics Frontrunnern beruhigten mich und meinten, dass das wird. Ich war über die Aufmunterung froh, konnte ich doch mit einigen meine Sorgen teilen. Aber im Grunde wollte ich das mit mir ausmachen, da meine Sorgen hoffentlich unbegründet sein sollten. Niemand wusste großartig von meinen Erfahrungen beim Scott Rock The Top und welche Spuren dieser Lauf hinterlassen hatte. Ich realisierte zu diesem Punkt auch noch nicht die Tragweite. Doch durch die dritte Etappe sollte sich vieles ändern. Sehr viel. Und einiges zum negativen.

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