Hermannslauf 2017 – Der neunte Streich

Hermannslauf 2017
Vor dem Start
So schnell vergeht ein Jahr. Ich erinnere mich als wäre es gestern, dass ich den Hermannslauf 2016 lief. Ich beiße nicht von meinem Brötchen, sondern halte einen Moment inne und muss mir bewusst machen, was ich alles in diesem einem Jahr erlebt habe, damit ich nicht im Glauben bleibe, dass ich gerade Gestern den letzten Hermannslauf gelaufen bin. Zugspitzultra, Transalpine Run, Zugspitzmarathon, Röntgenultra, Tokyo Marathon und etliche mehr. Ich hebe mein Brötchen und beiße ab und bin über mich selbst überrascht und auch etwas entsetzt.
Nach dem Frühstück packe ich meine letzten Sachen und gehe los, sammele noch zwei Fahrgäste ein, Markus und Inga. Wir fahren zum Bus Transfer. Markus geht ab hier seinen eigenen Weg. Inga und ich treffen unter anderem die Sudbrackläufer, zumindest einige von ihnen. Wir teilen uns einen gemeinsamen Bus und quatschen während der Fahrt. Auch wenn die Zeit schnell vergeht, so brauchen wir dieses Jahr gefühlt länger für die Fahrt von Bielefeld nach Detmold.

Oben beim Hermannsdenkmal angekommen suchen wir ein Klo auf, ziehen uns um und geben unser Gepäck ab. Ich eile zum Denkmal, um einige Leute aus der FatBoysRun-Community zu treffen. Ich komme zu spät, was schade ist. Lediglich einen treffe ich und das auch nur, weil er ein FatBoysRun T-Shirt anhat. Wir unterhalten uns kurz und dann trennen sich unsere Wege.

Inga und ich treffen am Denkmal Björn und Daniel. Mit diesen beiden habe ich einige lange Läufe gemacht und die beiden laufen auch den Zugspitz-Ultra (die 39 km Distanz) im Juni. Wir laufen uns gemeinsam warm in dem wir etliche Male um das Denkmal rennen. Die Zeit verfliegt enorm und wir eilen in den Startblock A. Ich stehe viel zu weit hinten, dass wird mir sofort klar. Was soll es, mache ich alt das Beste draus, denke ich mir zumindest.


Dieser Lauf lässt mich immer wieder nachdenklich werden. Ich lasse meinen Blick über die Startblöcke gleiten und erinnere mich an 2009, als ich im C Block startete. Ich blicke rüber zum B Block, wo ich 2010, 2011 und 2012 startete. Jetzt stehe ich zum fünften Mal im A Block. Wie die Zeit vergeht und wie die Routine Einkehr hält. Ich erinnere mich daran, wie ich bei meinen ersten Starts beim Hermannslauf immer Gänsehaut hatte. Die blieb mittlerweile aus, was meiner Vorfreude keinen Abbruch tat. Ich meine, es ist der Hermannslauf, eines meiner persönlichen Highlights im Jahr.

Der Lauf
Es ist 11 Uhr und da fängt mein 9. Hermannslauf bei bestem Wetter an. Ich hatte schon 27 Grad Hermannsläufe (2009 und 2010), ich hatte Regen (2015) oder auch Schnee mit Graupel (2016) und wettertechnisch viel dazwischen. Der Hermannslauf ist wie eine Pralinenschachtel, du weißt nie welches Wetter du erwarten kannst. Nur eines ist sicher: Die Stimmung, egal bei welchem Wetter, ist großartig auf der Strecke.

Der Startschuss fällt und es geht los und ich werde ausgebremst. Ich bin viel zu weit hinten. Ich laufe über eine halbe Minute langsamer pro Km, als ich es geplant hatte. Ich erwische mich selbst, wie ich laut fluche. Ich laufe Zickzack und versuche mir meinen Weg zu bahnen und ärgere mich. Das bleibt bis ungefähr Km 3 am Fuße des ersten Berges. Ich habe endlich Platz und ziehe das Tempo an in dem Glauben Zeit gut machen zu können. Ich mache in diesem Moment einen Anfängerfehler, den ich nach dem Tönsberg spüren werde.


Ich treffe Christian von den Sudbrackläufern kurz vor dem 4. Km. Jetzt läuft es langsam besser. Den Ehberg nehme ich zügig und leicht. Die Panzerstraße zwischen Km 8 und 10 ist dieses Jahr besonders stimmungsvoll. Die ersten 10 km durchlaufe ich in 43:34 min. Ich bin knapp eine Minute hinter meiner gesteckten Zwischenzeit und bin traurig, dass der Start nicht ideal für mich verlief. In dem Moment wird mir schon klar, dass es mit einer neuen PB sehr schwer wird. Langsam wird es mir tatsächlich zu warm und merke, wie ich damit Probleme bekomme.


Beim Tönsberg (Km 15) gehe ich das letzte Drittel und spare Kräfte. Alle die an mir vorbei liefen, hole ich fast ausnahmslos bis Oerlinghausen wieder ein. Unter den Personen, die mich am Tönsberg überholen ist eine blonde Dame in blauem Trikot, auf die ich später noch zurückkommen werde. Auf dem Weg nach Oerlinghausen merke ich plötzlich einen Anflug eines Krampfes in meinem rechten Oberschenkel und ich denke nur „Oh nein“. Die Zuschauermengen pushen mich und lenken mich zumindest zeitweise ab. Zu dem Oberschenkel kommt ein Gefühl von Erschöpfung. Mein eben erwähnter Anfängerfehler wirkt sich nun voll aus. Ich beiße die Zähne zusammen und beginne damit mich zu quälen. Die Kamera werde ich nicht mehr auspacken und somit auch keine Aufnahmen mehr machen. Ich bin viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt.

In Oerlinghausen ist die Stimmung enorm gut. Als ich zum Sprecher und der Matte bei km 18,5 komme, sagte er, dass gerade die 3., 4. und 5. Frau vorbei laufen. Ich schaue mich um und fixiere die drei Damen und finde es spannend zu beobachten welche Dame am Ende das Rennen machen wird. Hier geht schließlich um die Topplatzierungen der Frauen. Die dritte setzt sich bald ab und die vierte und fünfte laufen immer wieder zueinander ran und zwar so, dass ich es fast die ganze Zeit beobachten kann. Zum einen ist da eine Dame, die einen Mann bei sich hat, der sie pacte. Die andere ist die blonde Dame im blauen Trikot.

Ich laufe ins Schöptketal und bin froh, als ich es hinter mir lasse. Auch hier ist eine tolle Stimmung zu spüren, jedoch mag ich diesen Laufabschnitt nicht sehr. Ich passiere die 21 km in 1:34:40. Ich habe noch 40 Sekunden Rückstand auf meine Zeit vom letzten Jahr. Ich sehe immer weniger die Chance mich zu verbessern. Auch schwinden meine Kräfte und mein Oberschenkel macht immer mehr Probleme und auch langsam zu. In diesem Moment entscheide ich mich, nicht mehr meine PB anzugreifen.

Gesagt, getan. Bei Km 23 nehme ich mir einen Becher Iso und trinke ihn auf den Treppen, wo ich eh gehe. Die Dame im blauen Trikot überholt mich wie schon am Tönsberg auch hier erneut, da sie die Treppen hochläuft. Die Dame mit dem Mann bleibt auf den Treppen knapp hinter mir. Zwischen ihnen liegen in diesem Moment sicher keine 10 Sekunden unterschied. Ich finde es immer noch sehr spannend. Wenige Meter später bei der Teilung für echte Hermänner und Weicheier nimmt die Dame mit dem blauen Trikot den Weg für echte Hermänner. Sofort ruft der Mann“ Die andere macht einen Fehler. Komm, jetzt haben wir sie. Los!“ Sie laufen mit mir den Weicheierweg hoch. Ich komme gleichzeitig mit der Dame im blauen Trikot an dem Punkt zusammen, wo sich beide Wege vereinen. Wir laufen nebeneinander weiter. Die andere bleibt knapp hinter mir. Zum eisernen Anton (km 25) geht es mir immer schlechter und ich rechne schon durch, ob ich überhaupt noch unter 2:30h bleibe. Bis Km 27 quäle ich mich. Es geht mir schlecht, richtig schlecht wie schon lange nicht mehr. Ich muss die Zähne zusammen beißen, taktiere und variiere das Tempo fast alle 100 m, um meinen Oberschenkel in den Griff zu bekommen. Bloß kein Krampf, denke ich mir. Ich passiere Km 27 nach 2:05:00. Ich war 4 Minuten langsamer als letztes Jahr. Die beiden Damen liefen seit den Treppen immer wieder an einander ran. Doch die Dame im blauen Trikot blieb stets vorne bis zu Km 27,5. Die Frau mit dem Mann als Pacer setzt hier ein höheres Tempo an und zog von dannen. Ich versuche erst das höhere Tempo mitzugehen, doch ich höre sofort wieder auf. Die Pace ist mir zu hoch und einen Krampf will ich nicht riskieren.

Bei Km 28,5 nehme ich nach Jahren den letzten Verpflegungspunkt mit. Ich drehe mich um und sah die Dame mit dem blauen Trikot nicht mehr. Mir geht es besser und ich kann die letzten Km endlich genießen. Das Tempo erhöhe ich nicht mehr. Die Zuschauermengen auf der Promenade sind diesmal größer als die Jahre zuvor. Wahnsinn. Ich bin vom Support und den Menschenmengen völlig überwältig. Als plötzlich die Mengen auch noch jubeln , bin ich irritiert und sehe mich um. Ah, die Dame im blauen Trikot läuft in meinem Windschatten. Da wird mir klar, dass sie für die fünfte Dame jubeln. Ich freue mich und sauge die Stimmung auf und nehme sie mit. Einige hundert Meter vor dem Ziel schaue ich mich immer wieder um und versuche der Dame im blauen Trikot ausreichend Platz zu machen, falls sie los sprinten möchte. Ich möchte ihr unter keinen Umständen im Weg sein, doch sie überholt nicht und so laufen wir zeitgleich ins Ziel. Ich stoppe meine Uhr und bin völlig erledigt. Ich atme tief durch und sehe, dass es sogar noch eine 2:22h geworden ist. Ich habe also ungefähr 47:40 min für die letzten 10 km gebraucht, gute 2,5 Minuten mehr als im Training. Egal. Ich bin sehr zufrieden und freue mich über das Resultat. Es wurde am Ende (netto) eine offizielle 2:22:22h.

So toll die Atmosphäre ist, so wundervoll die Strecke ist, so sehr musste ich dieses Jahr leiden, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Im Ziel stehen drei Damen, die auf mich warten, was mich völlig überwältigt: Katja, Marilena und Sophie! Vielen Dank nochmal an euch, dass ihr da wart und mich empfangen habt.

Auch treffe ich Daniel vom „Laufen Liebe Erdnussbutter“-Podcast ( http://laufenliebeerdnussbutter.de/ ). Er gehörte zu jenen, die ich vor dem Start beim „FatBoysRun“-Treffen treffen wollte. Ich war wirklich froh, ihn noch hier zu erblicken. Die anderen vom Treffen wie Marius und René sah ich leider nicht mehr. Auch kommt Inga kurz nach mir ins Ziel und sieht zufrieden aus. Danach hole ich meine Kleidung ab und treffe dort sogar noch Stephanie, die 2. Gesamtfrau. Wir tauschten unsere Ergebnisse aus und gratulierten einander mit einem High 5.

Nun sitze ich hier, ich Läuferjung, und warte wie zuvor auf den nächsten Hermannslauf. Der zehnte soll es dann werden, der mich endlich in die lang ersehnte Liste der echten Hermänner bringt. (Datenbank der echten Hermänner: https://daten.hermannslauf.de/hl2000/a/hlechte.htm )

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