Preußisch Oldendorfer Volkslauf 2017

Der Volkslauf in Preußisch Oldendorf ist einer dieser Läufe, auf die ich mich immer wieder freue. In meinen ersten Jahren als Läufer und als ich noch in Löhne wohnte, nahm ich jahrelang an der Mühlenkreisserie teil. Dieser Volkslauf ist der 2. Lauf der Serie und ist mir daher seit vielen Jahren wohl bekannt. Leider schaffe ich es nicht jedes Jahr teilzunehmen, aber wenn ich es schaffe, dann empfinde ich wirklich eine Vorfreude.
Für Mai und Juni habe ich mir vier Läufe vorgenommen, die ich alle nur aus Lust und Freude am Laufen mache und wo der Wettkampfgedanke völlig in den Hintergrund tritt. Die einzige Zielsetzung, die für mich gilt ist, gesund ins Ziel zu kommen. Nach dem Teutoburger Waldmarathon war dieser Volkslauf der zweite von meinen vier Läufen.

21. Mai 2017
Vor dem Start
Wer mich als Läufer kennt, weiß, dass ich gerne andere zu solchen Läufen motiviere. Erfolgreich konnte ich Markus und Inga motivieren mich dieses Jahr zu begleitet. Markus nehme ich schon zum zweiten Mal mit und er freut sich ebenfalls auf den Lauf. Inga nehme ich zum ersten Mal mit. Die Hinfahrt ist anstrengend, denn viele Baustellen stellen sich uns in den Weg. Einige Umleitungen später kommen wir 35 Minuten vor dem Start an. Da wir nicht an der Mühlenkreisserie teilnehmen, müssen wir uns vor Ort anmelden. Dafür gehen wir ins Waldfreibad. Am Tag des Volkslaufes ist Tag der offenen Tür und der Eintritt ist frei. An diesem Waldfreibad ist der Start- und Zielbereich, sowie die Anmeldung. Die Anmeldung selbst geht schnell und unproblematisch.

Nachdem alle Formalien erledigt sind und die Startnummern vor unserem Bäuchen hängen, gehen wir zum Start. Wir schaffen es sogar um 9:40 Uhr den Start der 12,5 km Läufer_innen zu beobachten. Kurz bevor die 12,5 km Läufer_innen loslaufen, sehe ich einen anderen Läufer im Tokio Marathon 2017 T-Shirt. Ich spreche ihn sofort an und sage, dass ich das gleiche T-Shirt zu Hause im Schrank habe. Er berichtet mir, dass er mit 76 der älteste deutsche Teilnehmer beim diesjährigen Marathon in Tokio war. Da es nur 122 Starter_innen aus ganz Deutschland gab, ist es etwas besonders für mich einen anderen Starter zu treffen. Wir unterhalten uns kurz, tauschen unsere Erfahrungen aus und stellen uns dann für den Start auf. Hinter uns stellen sich die Nordic-Walker für 5 km und 12,5 km auf.

Ich hab extra meine GoPro mitgenommen, damit ich über diesen Lauf endlich einen Blogartikel schreiben kann. Am Ende habe ich zwei Videos, sowie 1187 Bilder gemacht. Ehrlich gesagt sind davon mehr als die Hälfte Schrott, da ich nicht stehen bleibe, sondern im vollem Tempo die Bilder mache. Ich liebe die Funktion 30 Bilder in 6 Sekunden zu machen. 😉
Der Volkslauf ist deswegen so etwas Besonderes für mich, weil er eine schöne Waldstrecke hat, die abwechslungsreich ist, sehr viel Schatten bietet, einen kurzen aber wirklich schönen Singletrail, um eine Burg herum, hat und sehr gut organisiert ist. Das ganze stellt sich in Daten so dar: 350 Höhenmeter auf 20 km, die aber sehr zügig gelaufen werden können.

Der Lauf
Um 9:50 Uhr fällt der Startschuss und die ersten knapp zwei km gehen durch einen urigen Wald mit einem Bachlauf. Es geht vorwiegend berghoch. Ein Läufer mit einem orangenen T-Shirt läuft ungefähr auf meiner Höhe und wird dort auch bis Km 14 bleiben. Mal ist er kurz vor mir, mal kurz hinter mir. Auf diesen ersten zwei Km geht es berghoch und deswegen ist hier Vorsicht geboten. Gerade bergauf Passagen zu Anfang eines Laufes verleiten einen gleich sich zu übernehmen, denn man fühlt sich ja noch gut.

Am Ende des ersten Waldstückes kommt der erste von vier Verpflegungspunkten. Es wird an allen Verpflegungspunkten ausschließlich Wasser angeboten. An dieser Verpflegungsstelle wechselt der Lauf auf einen Straßenabschnitt, der einzig dazu dient in einen zweiten Wald zu laufen. Die Runde im zweiten Wald muss zweimal durchlaufen werden. Das erste Mal muss sie gegen den Uhrzeigersinn gelaufen werden und das zweite Mal im Uhrzeigersinn. Das nimmt mir immer das Gefühl Runden zu laufen, eben weil man die Strecke aus einem anderen Blickwinkel sieht.
Am Rande bemerkt: Bis 2014 gab es einen anderen Streckenverlauf der eher einer Form einer Acht entsprach und abwechslungsreicher war. Ich bedauere sehr, dass es zur Streckenänderung kam, aber das lässt sich leider nicht ändern. Kommen wir zurück zur ersten Runde im zweiten Wald.

Die 12,5 km Läufer_innen laufen diese Runde nur einmal im Uhrzeigersinn und kommen einen so entgegen. Ich sehe und höre immer wieder wie Leute, die sich entgegen laufen, abklatschen und gegenseitig zujubeln und motivieren. Ich fühle mich wie ein Zuschauer, da ich genau sehen kann, ob es Duelle um Platzierungen auf der 12,5 km Strecke gibt. Bei der Hälfte der Runde gibt es den zweiten Verpflegungspunkt. Damit sich die 20 km und die entgegenlaufenden 12,5 km Läufer_innen nicht in die Quere kommen, sind auf beiden Seiten die Getränkepunkte aufgebaut. In diesem Moment liegen schon ungefähr 5,5 km hinter mir.
Sagte ich schon, dass ich die Strecke mag? Sie belohnt mit teilweisen weiten und schönen Aussichten, wenn man den Blick nach rechts durch das Geäst wagt. Ansonsten ist es einfach ein toller und schattiger Waldweg, der leicht hügelig ist.
Als die erste Runde im zweiten Wald und damit ungefähr 7 km erledigt sind, geht es auf die Straße zurück. Hier Laufe ich plötzlich mit einigen 12,5 km Teilnehmer_innen bis zur nächsten Kreuzung kurz zusammen. Die 12,5 km Läufer_innen werden in Richtung des Ziels geleitet. Für die 20 km Läufer_innen führt die Straße zum Singletrailabschnitt, der Rund um eine Burg führt. (Auf dem Singletrail einfach nach links schauen). Der schmale Weg endet im Hinterhof einer Gaststätte. Dort ist ein Streckenposten und zeigt einem die Richtung zurück auf die Straße.


Es geht über die Straße zurück in den zweiten Wald, um dieses Mal die Runde im Uhrzeigersinn zu laufen. Bei Km 12,5 wird der dritte Verpflegungspunkt erreicht, der natürlich identisch mit dem zweiten ist. Hier hole ich einige Nordic-Walker ein. Das ist aber kein Problem, da die Waldwege breit genug sind. Bei Km 14 löse ich mich zum letzten Mal vom Läufer im orangenen T-Shirt und setze mich endgültig ab.


Nach der zweiten Runde geht es über die Straße zurück zum ersten Wald. Am Ende des Straßenabschnittes gibt es den vierten Verpflegungspunkt an dem ich kurz stehen bleibe. Nachdem ich mich mit etwas Wasser aufgefüllt habe, geht es weiter. Der letzte Waldabschnitt im ersten Wald hat einen anderen und längeren Verlauf, als die ersten zwei Km. Am Eingang des Waldes sehe ich das Km 16 Schild. Noch 4 Km sollen es also sein? Meine Uhr zeigte mir zu diesem Moment nur 15,2 km.

Im letzten Waldabschnitt wird vermehrt bergab gelaufen mit kleineren bergauf Passagen. An einigen Kreuzungen stehen Streckenposten, die aufpassen, dass man sich nicht verläuft. Alternativ gibt es Flatterband, welche einige Wege ganz absperren. Ein Verlaufen ist während des gesamten Laufes meiner Meinung nach nicht möglich.
Einen Kilometer vor dem Ziel sehe ich, dass ich auf den Läufer vor mir auflaufe und ihn vielleicht sogar noch überholen könnte. Ich starte durch und laufe ein hohes Tempo, doch er dreht sich um, bemerkt mich und zieht selber sein Tempo an. So schaffe ich es nicht mehr ihn einzuholen und komme eine Sekunde nach ihm ins Ziel.

Am Ende zeigt mir meine Uhr knappe 19 km und eine Zeit von 1:29:27h. Die Zeit ist mir jedoch ehrlich gesagt egal. Wichtig war es mir nur, dass ich den Lauf erneut erleben und genießen konnte.

Im Ziel nehme ich mir etwas zu trinken und warte auf Inga. Während dessen unterhalte ich mich mit der Dame, die vorlas, wer gerade einlief. Ich nenne sie mal, die Zielsprecherin. Sie wollte unter anderem wissen, wieso ich denn die Kamera dabei habe. Ich erklärte ihr, dass ich sie dabei habe, um über diesen Lauf zu schreiben. Wir unterhalten uns ein wenig über diesen und andere Läufe. Das Gespräch endet als Inga einläuft und dritte Frau wird. Markus läuft mit Ansage später ein und wir treffen uns im Freibad, da er direkt nach seinem Zieleinlauf schwimmen gehen möchte.
Was ich nicht verschweigen möchte ist, dass das Duschsituation vor Ort immer etwas schwierig ist. Für ein so großes Läuferfeld gibt es einfach nicht viele Duschen. Also mache ich das, was ich machen kann: Ich stelle mich an und warte drauf, dass eine Dusche frei wird. Frisch geduscht, treffen wir uns drei und fahren gemeinsam nach Hause. Dieses Mal wollen wir direkt die Baustellen klever umfahren und finden dafür andere. *Seufz*

Vielen Dank für die Mühen und diesen Lauf. Ich komme sicher wieder, keine Frage.

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Teutoburger Waldmarathon 2017 – Wie sich Maßstäbe verschieben

Bevor ich zum eigentlichen Teutoburger Waldmarathon 2017 komme, möchte ich einige Gedanken erst im Allgemeinen loswerden, insbesondere, um den Titel zu erläutern.
Gedanken:
Als ich anfing zu laufen, war die 10 km Marke ein großes Ziel. Wisst ihr wie weit 10 km sein können, wenn sie zum ersten Mal macht? Erinnert ihr euch dran? Ich erinnere mich gut, es war ein erhabenes Gefühl. Ich fing an dies zu vergleichen mit dem Weg zur Uni, zum Supermarkt oder der Weg zu Freunden. Wow, ich konnte nun also soweit rennen. Es war ein langer Weg, doch dann veränderten sich die Maßstäbe. 10 km zu laufen wurde normal und Alltag, bzw. es war nichts Besonderes mehr. 10 km unter 60 Minuten waren der Wahnsinn. Es fühlte sich so schnell an im Vergleich zu früher. Der erste 20 km Lauf war auch neuer Maßstab. Verrückt, da läuft man plötzlich das Doppelte von 10 km. Es folgten wieder die Vergleiche, um die Distanz greifbar zu machen. 20 km reichten um von einem Dorf zu nächsten zu Laufen, bzw. von einer Stadt zur nächsten. Wieder gab es einem neuen Maßstab. So ein Lauf hieß nun lange Einheit und wurde einmal pro Woche gelaufen. War es nicht gerade noch der 10 km Lauf der so bedeutsam war? Dieses Spiel geht weiter. Der erste Halbmarathon, der erste 30 km Lauf, der erste Marathon. Einen Marathon pro Jahr, bloß nicht mehr. 2017 werden es bei mir wohl mindestens vier Marathons und ein Ultra bei denen ich jetzt schon fest angemeldet bin. Moment Ultra? Ja, auch so ein neuer Maßstab, wenn man länger als 42,195 km laufen möchte.
Der Blick und die Leistung verschieben sich. Je weiter ich dieses Spiel treibe, umso mehr ungläubige Blicke erhalte ich. Sätzen wie „Du bist doch verrückt.“ fallen schnell oder „Das könnte ich nicht.“ Und dann stehe ich da und bin traurig. Ich bin nicht verrückt, sondern akribisch in meiner Entwicklung als Läufer. Mir ist vollkommen bewusst, dass dieses Spiel ein Ende hat. Ich spiele dieses Spiel seit mehr als 9 Jahren und nichts passiert unüberlegt. Entscheide ich mich für eine neue Runde in diesem Spiel, dann gingen Wochen der Überlegungen ins Land, Abwägungen und Planungen wie der nächste Zug aussehen wird. Am 1. Januar 2008 fing mein Spiel an, als ich nach 12 Minuten „laufen“ schwer hechelnd und keuchend nicht mehr konnte und meinen ersten Lauf damit beendete, sagte ich ebenfalls „Ich kann das nicht. Aber ich möchte es.“
Was hat das alles mit dem Marathon nun zu tun? Heute habe ich wieder einen solchen Maßstab verschoben. Ich hätte entweder ein Doppelpack gemacht (Samstag 25 km und Sonntag 32 km) oder eben diesen Marathon. Doppelpack ist eine Trainingsform für eine Ultramarathonvorbereitung. Dabei laufe ich zwei lange Einheiten an zwei Tagen hintereinander, um mit der Ermüdung vom Vortag weiter zu trainieren. Das soll sehr lange Distanzen simulieren. Ich bin noch nie einen Marathon gelaufen, als gezieltes Training. Ich beschloss im eher niedrigen Pulsbereich zu bleiben damit es wirklich ein Training bleibt und ca. 6 kg auf meine Schultern zunehmen. So schwer ist mein Rucksack, wenn ich alles für den Zugspitzultra an Pflichtausrüstung einpacke plus 2,5 Liter Wasser als vollen Trainingsbalast.
Als meine Freundin mich am Morgen des Laufes verabschiedete, sagte ich zu ihr, dass man niemals den Respekt vor einem Marathon verlieren dürfte. Es ist und bleibt ein Marathon. Ich habe auch schon 35 km lange Trainingseinheiten abgebrochen, weil nichts mehr ging. Egal wie viele Marathons ich bisher lief oder noch laufen werde, jeder Marathon bleibt etwas Besonderes, was dieser Bericht nun zeigen wird. Und ganz wichtig, auch wenn ich mich wiederhole: Man braucht bei entsprechender Vorbereitung keine Angst vor einem Marathon haben, aber den Respekt davor sollte man niemals verlieren.

Samstag, 13. Mai 2017
Vor dem Start
Auf ging es nach Lage, was zwischen Detmold und Bielefeld liegt. Den Teutoburger Waldmarathon zu laufen war nicht meine erste Idee für dieses Wochenende. Eigentlich war mein Plan zum zweiten Mal den Rheinsteigextremlauf zu laufen, der bei 35 km gute 1200 Höhenmeter hatte. Leider fiel dieser Lauf kurzfristig aus und so entschied ich mich als alternative diesen Marathon mit knapp 700 Hm zu laufen. Dieser Marathon sollte eine lange Einheit als Vorbereitung für mich in meinem Trainingsplan darstellen für den Zugspitzultratrail (ZUT) in fünf Wochen.
Die Austeilung der Startnummer schnell ging. Sowieso muss ich betonen, dass die gesamte Organisation hervorragend funktionierte. Kurz vor dem Start ging eine Gruppe an mir vorbei und sie fragten sich untereinander laut, warum ich denn Stöcker und so einen vollen Rucksack dabei habe. Ob das nicht übertrieben sei? Als ich anbot, ihnen die Frage zu beantworten und sie bejahten, kamen wir ins Gespräch. Ich erklärte meine Absichten, dass ich mit vollem Gepäck laufen möchte, so wie beim ZUT in einigen Wochen. Ich gab ihnen den Rucksack zum Probetragen, und sie bemerkten, dass er doch eine gewisse Belastung war und ihr Blick stempelte mich als „So ein Verrückter ab“.
Ein weiterer Herr kam dazu. Er berichtete, dass er den ZUT schon gelaufen sei. Die Gesprächsrunde wurde größer. Als wir gemeinsam zum Start gingen, sah ich immer mehr ZUT Finisher und/oder welche, die erwähnten, dass sie auch den ZUT laufen werden. Ich fühlte mich meinem Vorhaben bestätigt, dass ich nicht der einzige war, der diesen Marathon als Vorbereitung nahm.
Da standen wir nun, als großer Haufen von Läufer_innen, und lauschten den Worten des Wettkampfrichters, der uns letzte Hinweise gab. Um 12:30 Uhr fiel der Startschuss und der 42,195 km Spaß begann.

Die erste Runde
Ich nahm mir vor locker zu laufen. Im ernst. Ich hab das wirklich gemacht und mich den gesamten Lauf dran gehalten. Trotzdem war ich sofort recht weit vorne, was mich irritierte. Ich schaute auf die Uhr und sagte mir, dass ich mein Ding draus mache, unabhängig von anderen. Eine Runde entsprach einem Halbmarathon und die Runde durfte ich zweimal durchlaufen. Diese Runde ließ sich in Vierabschnitte unterteilen: Vom Start zum einzigen Verpflegungspunkt, erste Schleife, zweite Schleife und zurück zum Start. Jede Schleife endete immer bei diesem einen Verpflegungspunkt.
Ich lief vom Start 5 km in Richtung des einzigen Verpflegungspunktes. Auf diesen 5 km war ich nur im Wald und zu einem Teil auch auf der Strecke vom Hermannslauf. Beim Hermannslauf war es der Abschnitt zwischen Km 13,5 und Km 15 (Anfang des Tönsberg). Wir liefen aber nicht wie beim Hermannslauf den Tönsberg hoch, sondern bogen vorher ab. Immer wieder sah ich Streckenposten die mal alleine, mal zu zweit an Kreuzungen standen und dafür sorgten, dass niemand falsch abbog. Mein Respekt für diese Frauen und Männer wuchs über den Tag, denn am Ende des Marathons standen sie mit gleichem Einsatz an den Kreuzungen.

Am Getränkepunkt angekommen, hatte ich 5 km bei besten Wetter im Wald hinter mir. Die Helfer_innen kamen mir gleich entgegen und fragten, was ich wollte, hielten mir auch schon Wasser entgegen. Es gab hier alles was man braucht. Elektrolyte, Wasser, Tee, Bananen, Müsliriegel und Weißbrot. Egal wann ich später noch vorbei kam, es gab immer ausreichend und genügend.
Der Verpflegungspunkt selbst war an einer Kreuzung, an der man dreimal vorbei kam. Von diesem Verpflegungspunkt ging es in die erste Schleife und die bestand aus urigen Waldwegen, Singletrails und einer wunderschönen Panoramaaussicht. Dieser Abschnitt war der schönste für mich. Was ein toller Lauf, stand für mich da schon fest. Hier begann auch mein erstes Gespräch mit einem anderen Läufer, das bis Km 13 anhalten sollte.


Am Ende der Schleife, waren knapp 10 km abgespult und ich kam wieder an dem einen Verpflegungspunkt heraus. Der eine Laufbegleiter und ich blieben kurz stehen, tranken und aßen etwas. Danach hieß es: Auf geht es in die zweite Schleife. Diese Schleife bestand aus einem kleinen Straßenanteil und sonst nur Forstwegen im Wald und am Waldesrand. Auch hier fühlte ich mich wohl und fand die Umgebung, gerade im Wald, sehr schön. Ungefähr bei Km 12,5 stand in der zweiten Schleife ein Streckenposten, der genau notierte, welcher Marathonläufer vorbei lief.

Es ging nun langsam zurück. Ihr ahnt es sicher schon, dass ich zum dritten Mal nun am selben Verpflegungspunkt raus kam. Von dort aus ging es nun 6 km zurück zum Start/Zielbereich. Der Weg war in Teilen mit dem Hinweg identisch, aber in Teilen auch unterschiedlich, eben weil der Rückweg länger war. Mir kamen auf den identischen Abschnitt die 10 km Läufer entgegen.

Am Ende der ersten Runde bog ich auf einen Fußballplatz ein und vor der Ziellinie gab es eine weitere Verpflegungsstation. Als die Speicher aufgefüllt waren, ging es unter Applaus weiter durch den Startbereich, in dem sich mittlerweile die Halbmarathonläufer_innen aufgestellt hatten. Ich sah auf die Uhr: 1:51h hatte ich für die erste Runde gebraucht. In 9 Minuten würden diese Leute mit ihrem Wettkampf anfangen und ich würde regelmäßig überholt werden.

Die zweite Runde
Die zweite Runde war vom Laufweg hier identisch zur ersten Runde. In der ersten Schleife wurde ich regelmäßig von Halbmarathonläufern überholt. Ich bemühte mich darum immer Platz zu machen. In dieser Phase lief ich mit der zweiten Frau zusammen und wir quatschten ein wenig. Sie hoffte, dass ihr Freund das rennen gewinnen würde. Dieser Marathon sei für sie eigentlich nur die Vorbereitung für einen anderen Marathon, der in Kürze folgen sollte.
Beim Singletrailabschnitt fiel mir auf, dass der ganze Weg plötzlich sehr sumpfig war. Es musste hier sehr stark geregnet haben. Das hat es auch, wie ich später erfuhr. Ich bekam vom Regen gar nichts mit.

Und dann gibt es diese schönen Momente, die einem in Erinnerung bleiben. Wir liefen beim Panoramaausblick entlang und trafen ein Hochzeitspaar, dem erst einmal gratuliert wurde. Sie strahlten einen an und schienen sich zu freuen. Hier verabschiedete ich mich von der zweiten Frau. Sie zog das Tempo an und ich genoss einfach das Laufen und wollte nicht das höhere Tempo mitgehen.

In der zweiten Schleife ging es mir plötzlich schlechter und ich hatte nach ungefähr 32 Km ein großes Tief. Ich nahm mir zwei Minuten zum Gehen, um ein Gel zu nehmen und trank etwas von meinen 2,5 l Wasser. Ich lief dann sofort weiter und kam zum Glück auch wieder gut in den Tritt.
Ein Läufer klopfte mir auf die Schulter. Sein Name war Dirk, wie ich später von ihm im Ziel erfuhr. Er lief den Halbmarathon und wollte wissen, worauf ich mich vorbereite. Ich rief ihm hinterher, dass es der ZUT sei. Er feierte das und meinte, er wolle den auch laufen. Im Ziel später bei einem Gespräch fanden wir raus, dass wir beide den Supertrail (63 Km mit 3000 Hm) machen werden.
Als ich zum letzten Mal am Verpflegungspunkt vorbei kam, was ungefähr bei Km 36 für mich war, blieb ich zwei Minuten stehen. Ich trank nochmal ordentlich und aß in Ruhe etwas. Ich verabschiedete mich von den Helfer_innen und bedankte mich für die tolle Verpflegung und die netten, kurzen Gespräche. Somit ging es zurück zum Start- / Ziel Bereich. Ich merkte am letzten Berg, den ich hochlaufen durfte, dass ich am Ende meiner Kräfte war. Da die letzten 4,5 Km danach vorwiegend bergab gingen, war das für meine Moral und Kraft ideal.
Als ich das Schild „Noch 1 km“ sah, wusste ich, dass es gleich vorbei sei. Ich suchte auf meinem MP3 Player noch kurz das passende Lied für eben diesen letzten Km. Ich lief erneut auf den Fußballplatz und freute mich. Kaum blieb ich nach der Ziellinie stehen und hatte auf meine Uhr gedrückt, hielt man mir ein leeres Bierglas hin. Begleitet wurde diese Aktion mit den Worten „Hier. Für dich.“ Völlig überfordert, bedankte ich mich und nahm mir etwas zu trinken. Ich ging erstmal an den Rand des Spielfeldes und legte alles zur Seite. Ich brauchte einen Moment für mich. Ich war emotional, glücklich und erleichtert. Am meisten war ich darüber dankbar, dass ich den Lauf gut überstanden hatte, es mir im Grunde gut ging und ich heile im Ziel ankam.

Zum Bierglas noch kurz: Ich wusste, dass es keine Finishermedallien gab, aber dass es ein Bierglas als Ersatz geben würde, fand ich positiv überraschend.
Als ich zurück zur Zielverpflegung ging, sprach mich eine Wettkampfrichterin an. Wofür ich mich vorbereite, denn ich hätte nach ihrem Ermessen eine volle Ausrüstung dabei. Als ich ihr mein Vorhaben erläuterte, meinte sie, sie würde auch den ZUT laufen, jedoch nicht den Supertrail, sondern den Base (25 km). Am Ende war ich wirklich irritiert, wie viele Anwesende diesen Lauf machen werden. Ich kam so auf sieben oder acht. Für einen so kleinen Lauf empfand ich das als sehr hohe Quote an ZUT Läufer_innen. Erst danach sah ich überhaupt auf meine Uhr, um zu schauen, wie lange ich eigentlich gebraucht habe.
Auf dem Weg zur Dusche, die völlig in Ordnung waren, traf ich Dirk und wir unterhielten uns kurz über den ZUT und auch andere Ultraläufe.
Nach dem Duschen erfuhr ich, dass ich zwar 13. im Gesamtfeld mit einer Zeit von 3:52:30h war, aber Platz 4. in meiner Altersklasse. Ich beschloss nach Hause zu fahren. Ich mag solche Läufe, wo ich merke, wieviel Einsatz die Helfer_innen zeigen. Das hatte ich überall gespürt und es zeigte mir, dass gerade solche kleinen Läufe jetzt wieder öfter auf meiner Laufliste zu finden sind. Sie kommen nicht mit einer großen Technik oder Laufchips daher, sondern mit Menschen, die am Rand stehen. Die man freundlich anlächeln, sich bedanken kann und die positiv reagieren. Kombiniert mit der tollen Strecke war das ein Tag, der mir sehr positiv in Erinnerung bleiben wird. Es war ein wirklich schöner Marathon in familiärer Atmosphäre. Danke an alle Helfer_innen und den TG Lage für diesen Lauf. Es war sicher nicht das letzte Mal, dass ich vorbeischauen werde, egal für welche Distanz.

P.S.: Und wie wird nun mein nächster Spielzug aussehen? Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich schon eine Idee.

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Hermannslauf 2017 – Der neunte Streich

Hermannslauf 2017
Vor dem Start
So schnell vergeht ein Jahr. Ich erinnere mich als wäre es gestern, dass ich den Hermannslauf 2016 lief. Ich beiße nicht von meinem Brötchen, sondern halte einen Moment inne und muss mir bewusst machen, was ich alles in diesem einem Jahr erlebt habe, damit ich nicht im Glauben bleibe, dass ich gerade Gestern den letzten Hermannslauf gelaufen bin. Zugspitzultra, Transalpine Run, Zugspitzmarathon, Röntgenultra, Tokyo Marathon und etliche mehr. Ich hebe mein Brötchen und beiße ab und bin über mich selbst überrascht und auch etwas entsetzt.
Nach dem Frühstück packe ich meine letzten Sachen und gehe los, sammele noch zwei Fahrgäste ein, Markus und Inga. Wir fahren zum Bus Transfer. Markus geht ab hier seinen eigenen Weg. Inga und ich treffen unter anderem die Sudbrackläufer, zumindest einige von ihnen. Wir teilen uns einen gemeinsamen Bus und quatschen während der Fahrt. Auch wenn die Zeit schnell vergeht, so brauchen wir dieses Jahr gefühlt länger für die Fahrt von Bielefeld nach Detmold.

Oben beim Hermannsdenkmal angekommen suchen wir ein Klo auf, ziehen uns um und geben unser Gepäck ab. Ich eile zum Denkmal, um einige Leute aus der FatBoysRun-Community zu treffen. Ich komme zu spät, was schade ist. Lediglich einen treffe ich und das auch nur, weil er ein FatBoysRun T-Shirt anhat. Wir unterhalten uns kurz und dann trennen sich unsere Wege.

Inga und ich treffen am Denkmal Björn und Daniel. Mit diesen beiden habe ich einige lange Läufe gemacht und die beiden laufen auch den Zugspitz-Ultra (die 39 km Distanz) im Juni. Wir laufen uns gemeinsam warm in dem wir etliche Male um das Denkmal rennen. Die Zeit verfliegt enorm und wir eilen in den Startblock A. Ich stehe viel zu weit hinten, dass wird mir sofort klar. Was soll es, mache ich alt das Beste draus, denke ich mir zumindest.


Dieser Lauf lässt mich immer wieder nachdenklich werden. Ich lasse meinen Blick über die Startblöcke gleiten und erinnere mich an 2009, als ich im C Block startete. Ich blicke rüber zum B Block, wo ich 2010, 2011 und 2012 startete. Jetzt stehe ich zum fünften Mal im A Block. Wie die Zeit vergeht und wie die Routine Einkehr hält. Ich erinnere mich daran, wie ich bei meinen ersten Starts beim Hermannslauf immer Gänsehaut hatte. Die blieb mittlerweile aus, was meiner Vorfreude keinen Abbruch tat. Ich meine, es ist der Hermannslauf, eines meiner persönlichen Highlights im Jahr.

Der Lauf
Es ist 11 Uhr und da fängt mein 9. Hermannslauf bei bestem Wetter an. Ich hatte schon 27 Grad Hermannsläufe (2009 und 2010), ich hatte Regen (2015) oder auch Schnee mit Graupel (2016) und wettertechnisch viel dazwischen. Der Hermannslauf ist wie eine Pralinenschachtel, du weißt nie welches Wetter du erwarten kannst. Nur eines ist sicher: Die Stimmung, egal bei welchem Wetter, ist großartig auf der Strecke.

Der Startschuss fällt und es geht los und ich werde ausgebremst. Ich bin viel zu weit hinten. Ich laufe über eine halbe Minute langsamer pro Km, als ich es geplant hatte. Ich erwische mich selbst, wie ich laut fluche. Ich laufe Zickzack und versuche mir meinen Weg zu bahnen und ärgere mich. Das bleibt bis ungefähr Km 3 am Fuße des ersten Berges. Ich habe endlich Platz und ziehe das Tempo an in dem Glauben Zeit gut machen zu können. Ich mache in diesem Moment einen Anfängerfehler, den ich nach dem Tönsberg spüren werde.


Ich treffe Christian von den Sudbrackläufern kurz vor dem 4. Km. Jetzt läuft es langsam besser. Den Ehberg nehme ich zügig und leicht. Die Panzerstraße zwischen Km 8 und 10 ist dieses Jahr besonders stimmungsvoll. Die ersten 10 km durchlaufe ich in 43:34 min. Ich bin knapp eine Minute hinter meiner gesteckten Zwischenzeit und bin traurig, dass der Start nicht ideal für mich verlief. In dem Moment wird mir schon klar, dass es mit einer neuen PB sehr schwer wird. Langsam wird es mir tatsächlich zu warm und merke, wie ich damit Probleme bekomme.


Beim Tönsberg (Km 15) gehe ich das letzte Drittel und spare Kräfte. Alle die an mir vorbei liefen, hole ich fast ausnahmslos bis Oerlinghausen wieder ein. Unter den Personen, die mich am Tönsberg überholen ist eine blonde Dame in blauem Trikot, auf die ich später noch zurückkommen werde. Auf dem Weg nach Oerlinghausen merke ich plötzlich einen Anflug eines Krampfes in meinem rechten Oberschenkel und ich denke nur „Oh nein“. Die Zuschauermengen pushen mich und lenken mich zumindest zeitweise ab. Zu dem Oberschenkel kommt ein Gefühl von Erschöpfung. Mein eben erwähnter Anfängerfehler wirkt sich nun voll aus. Ich beiße die Zähne zusammen und beginne damit mich zu quälen. Die Kamera werde ich nicht mehr auspacken und somit auch keine Aufnahmen mehr machen. Ich bin viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt.

In Oerlinghausen ist die Stimmung enorm gut. Als ich zum Sprecher und der Matte bei km 18,5 komme, sagte er, dass gerade die 3., 4. und 5. Frau vorbei laufen. Ich schaue mich um und fixiere die drei Damen und finde es spannend zu beobachten welche Dame am Ende das Rennen machen wird. Hier geht schließlich um die Topplatzierungen der Frauen. Die dritte setzt sich bald ab und die vierte und fünfte laufen immer wieder zueinander ran und zwar so, dass ich es fast die ganze Zeit beobachten kann. Zum einen ist da eine Dame, die einen Mann bei sich hat, der sie pacte. Die andere ist die blonde Dame im blauen Trikot.

Ich laufe ins Schöptketal und bin froh, als ich es hinter mir lasse. Auch hier ist eine tolle Stimmung zu spüren, jedoch mag ich diesen Laufabschnitt nicht sehr. Ich passiere die 21 km in 1:34:40. Ich habe noch 40 Sekunden Rückstand auf meine Zeit vom letzten Jahr. Ich sehe immer weniger die Chance mich zu verbessern. Auch schwinden meine Kräfte und mein Oberschenkel macht immer mehr Probleme und auch langsam zu. In diesem Moment entscheide ich mich, nicht mehr meine PB anzugreifen.

Gesagt, getan. Bei Km 23 nehme ich mir einen Becher Iso und trinke ihn auf den Treppen, wo ich eh gehe. Die Dame im blauen Trikot überholt mich wie schon am Tönsberg auch hier erneut, da sie die Treppen hochläuft. Die Dame mit dem Mann bleibt auf den Treppen knapp hinter mir. Zwischen ihnen liegen in diesem Moment sicher keine 10 Sekunden unterschied. Ich finde es immer noch sehr spannend. Wenige Meter später bei der Teilung für echte Hermänner und Weicheier nimmt die Dame mit dem blauen Trikot den Weg für echte Hermänner. Sofort ruft der Mann“ Die andere macht einen Fehler. Komm, jetzt haben wir sie. Los!“ Sie laufen mit mir den Weicheierweg hoch. Ich komme gleichzeitig mit der Dame im blauen Trikot an dem Punkt zusammen, wo sich beide Wege vereinen. Wir laufen nebeneinander weiter. Die andere bleibt knapp hinter mir. Zum eisernen Anton (km 25) geht es mir immer schlechter und ich rechne schon durch, ob ich überhaupt noch unter 2:30h bleibe. Bis Km 27 quäle ich mich. Es geht mir schlecht, richtig schlecht wie schon lange nicht mehr. Ich muss die Zähne zusammen beißen, taktiere und variiere das Tempo fast alle 100 m, um meinen Oberschenkel in den Griff zu bekommen. Bloß kein Krampf, denke ich mir. Ich passiere Km 27 nach 2:05:00. Ich war 4 Minuten langsamer als letztes Jahr. Die beiden Damen liefen seit den Treppen immer wieder an einander ran. Doch die Dame im blauen Trikot blieb stets vorne bis zu Km 27,5. Die Frau mit dem Mann als Pacer setzt hier ein höheres Tempo an und zog von dannen. Ich versuche erst das höhere Tempo mitzugehen, doch ich höre sofort wieder auf. Die Pace ist mir zu hoch und einen Krampf will ich nicht riskieren.

Bei Km 28,5 nehme ich nach Jahren den letzten Verpflegungspunkt mit. Ich drehe mich um und sah die Dame mit dem blauen Trikot nicht mehr. Mir geht es besser und ich kann die letzten Km endlich genießen. Das Tempo erhöhe ich nicht mehr. Die Zuschauermengen auf der Promenade sind diesmal größer als die Jahre zuvor. Wahnsinn. Ich bin vom Support und den Menschenmengen völlig überwältig. Als plötzlich die Mengen auch noch jubeln , bin ich irritiert und sehe mich um. Ah, die Dame im blauen Trikot läuft in meinem Windschatten. Da wird mir klar, dass sie für die fünfte Dame jubeln. Ich freue mich und sauge die Stimmung auf und nehme sie mit. Einige hundert Meter vor dem Ziel schaue ich mich immer wieder um und versuche der Dame im blauen Trikot ausreichend Platz zu machen, falls sie los sprinten möchte. Ich möchte ihr unter keinen Umständen im Weg sein, doch sie überholt nicht und so laufen wir zeitgleich ins Ziel. Ich stoppe meine Uhr und bin völlig erledigt. Ich atme tief durch und sehe, dass es sogar noch eine 2:22h geworden ist. Ich habe also ungefähr 47:40 min für die letzten 10 km gebraucht, gute 2,5 Minuten mehr als im Training. Egal. Ich bin sehr zufrieden und freue mich über das Resultat. Es wurde am Ende (netto) eine offizielle 2:22:22h.

So toll die Atmosphäre ist, so wundervoll die Strecke ist, so sehr musste ich dieses Jahr leiden, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Im Ziel stehen drei Damen, die auf mich warten, was mich völlig überwältigt: Katja, Marilena und Sophie! Vielen Dank nochmal an euch, dass ihr da wart und mich empfangen habt.

Auch treffe ich Daniel vom „Laufen Liebe Erdnussbutter“-Podcast ( http://laufenliebeerdnussbutter.de/ ). Er gehörte zu jenen, die ich vor dem Start beim „FatBoysRun“-Treffen treffen wollte. Ich war wirklich froh, ihn noch hier zu erblicken. Die anderen vom Treffen wie Marius und René sah ich leider nicht mehr. Auch kommt Inga kurz nach mir ins Ziel und sieht zufrieden aus. Danach hole ich meine Kleidung ab und treffe dort sogar noch Stephanie, die 2. Gesamtfrau. Wir tauschten unsere Ergebnisse aus und gratulierten einander mit einem High 5.

Nun sitze ich hier, ich Läuferjung, und warte wie zuvor auf den nächsten Hermannslauf. Der zehnte soll es dann werden, der mich endlich in die lang ersehnte Liste der echten Hermänner bringt. (Datenbank der echten Hermänner: https://daten.hermannslauf.de/hl2000/a/hlechte.htm )

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Paderborner Osterlauf 2017 – Wie ich das zweite von sechs Zielen erreichte

15.04.2017, Vor dem Start
Ich war mit Inga beim Paderborner Osterlauf 2017. Ich erinnere mich deutlich daran, dass ich zu ihr meinte, dass es mir nicht so optimal gehen würde, und ich mit einer Zeit zwischen 40:30 min und 42:30 min rechnen würde. Das war kein bla bla, sondern ich meinte es wirklich so. Meine Beine fühlten sich schwer an, da ich wegen dem Hermannslauf hart trainiert hatte und viele Berge in den Wochen davor gelaufen bin.

Wir holten unsere Unterlagen, zogen uns um, suchten das Klo und gingen motiviert zum Block A. Dieses Jahr war es das erste Mal, dass beim 10 km Läufe Blöcke A – C gab. Wir waren einer der ersten, die in den Block gingen, als dieser geöffnet wurde. Wir nutzten den reichhaltigen Platz und wärmten uns auf und liefen von einem Ende des Blocks zum anderen. Wir waren nicht die einzigen und so gab es einen Kreisverkehr gegen den Uhrzeigersinn, wo sich eine Menge Leute aufwärmten. Als es immer voller wurde, entschieden wir uns vorne im A Block stehen zu bleiben. Vor dem A Block gab es noch den Block der Profiläufer, die sich auch aufwärmten. Wir trafen noch Björn und seine Freundin. Björn versuchte sein persönliche Bestzeit auf eine Sub 35 min zu verbessern. Mit Björn hatte ich unter anderem für den Hermannslauf trainiert.

Der Block war voll, die Blockgrenzen zu den Profiläufern wurden geöffnet und die Football Mannschaft von Paderborn ging als lebende Grenze voran, wie jedes Jahr. Sie brachten uns in Ruhe zu den Profis und wir so standen wir in der 5. oder 6. Reihe. Vor uns waren sicher nur so 200 Läufer und hinter uns um die 4300. Ich sagte zu Inga, dass wir jetzt irgendwie ziemlich weit vorne sind, und dass sie einen kühlen Kopf bewahren sollte. Soweit vorne dürfte das Anfangstempo zwischen 3:30 und 4:00 min pro Kilometer sein. Ich hoffte einfach, dass weder sie, noch ich uns direkt kaputt machen würden. Dann kam der Countdown. Ich schließe meine Augen für 2 Sekunden und atme tief ein und aus. Ich öffne sie wieder. 3 … 2 … 1 … PENG

Km 0
Die ersten Meter sind holperig. Ich komme nicht direkt in den Tritt. Zwei Männer bremsen mich aus und ich muss langsamer loslaufen, als ich möchte. Nach gut 100 m kann ich sie überholen. Ich habe noch nicht den Platz den ich mir wünsche, aber es wird besser. Nach 500 m gucke ich auf die Uhr: Pace 3:35 min/Km. Ruhig Blut bewahren. Ich erhöhe die Pace nicht mehr, sondern verharre hinter zwei Läufern.

Km 1
Ich laufe an der Marke des 1. Km vorbei. Ich bin zu diesem Moment bei einem Puls von 87% des Maximalpulses. Ich hoffe nicht, dass ich mich direkt übernehme. Wieso gebe ich Inga einen Ratschlag, den ich in diesem Moment selbst nicht einhalte? Ich ärgere mich über mich selbst.

Km 2
Ich sehe die Km 2. Mittlerweile habe ich den Freiraum um mich herum, den ich brauche, um mich beim Laufen wohl zu fühlen. Ich passiere den 2. Km mit einer Zeit von 7:50 min. Damit habe ich eine 3:55 min/Pace nun. Ich gucke mal, wie lange ich diese Geschwindigkeit halten kann.

Km 3
Der erste Getränkepunkt ist erreicht. Ich nehme mir einen Becher Wasser ohne abzubremsen. Der Becher ist viel zu voll und ich schütte fast dreiviertel weg. Die letzten zwei Schlucke verschwinden im Magen.

Km 4
Scheiß Gegenwind. Ich muss mich enorm anstrengen, um meine Geschwindigkeit zu halten. Mehrere überholen mich oder kleben in meinem Rücken. Ich habe niemanden direkt vor mir. Die nächste Gruppe ist sicher gute 40 m vor mir.

Km 5
Der Wind wird immer anspruchsvoller, gepaart mit einem sehr leichtem bergauf zu einer Brücke. Dies ist der langsamste Kilometer und der einzige, für den ich bisher mehr als 4 Minuten gebraucht habe. Ich passiere nach 19:46 min die Halbzeit. Ich habe für ein Sub 40 Minuten Lauf nun 13 Sekunden heraus gelaufen. Mein Puls ist aktuell bei 93% meines maximalen Pulses. Dieser Umstand verunsichert mich, da ich in dem Moment erwarte, dass ich in den nächsten Minuten einbreche.

Km 6
Der zweite Wasserpunkt. Jemand reicht mir einen Becher Wasser. Ich bekomme ihn nicht richtig zu greifen, und der Inhalt des Bechers ergießt sich über meinen Arm. Egal. Es regnet sowieso. Kurz danach sehe ich das Führungsfahrzeug und die ersten Läufer, die gerade in dem Moment das Schild Km 8 passieren. Ich sehe mein Km 6 Schild und erkenne, dass ich an diesem Tag nicht mehr gewinnen werde. Kleiner Spaß am Rande! Was für ein Tempo der Topathleten. Puh!

Km 7
Wir laufen in ein Siedlungsgebiet. Ich habe das Gefühl, dass ich langsamer werde. Mich überholen von Km 6 bis 7 einige Läufer_innen. Prüfende Blicke auf meiner Uhr sagen mir aber, dass ich den 6. und 7. Km unter 4 Minuten lief und wenige Sekunden gut machen konnte. Mir fehlen noch 3 Km. Ich rechne im Kopf meine Pace aus, mit der ich es um eine Sekunde noch schaffen würde, um unter 40 Minuten zu bleiben. Sie ist 4:07 min/km. Das Rechnen hilft mir fokussiert zu bleiben. Mittlerweile regnet es in Strömen, der Wind ist zwischendurch immer noch großer Mist. Einige Zuschauer hingegen grillen oder bauen ein Pavillon auf. Ich stelle jetzt schon fest, dass es deutlich weniger Zuschauer als 2016 gibt. Wen wundert das auch bei dem Wetter?

Km 8
Der Wind kommt mir wieder entgegen. Ich kämpfe mittlerweile weiter und habe einen Puls von 96% zu meinem Maxpuls und laufe komplett am Limit. Zumindest dachte ich, dass ich am Limit laufe. Ich spüre tief in mir, dass wird was. So seltsam wie es klingt, in diesem Moment, als ich den 8. Kilometer passierte und auf die Uhr sah, wusste ich, dass ich es schaffen werde. Ich machte nochmal wenige Sekunden gut und durfte nun eine Pace von 4:12 min/km auf den letzten beiden Km laufen und würde es schaffen. In mir flammte der Wille auf alles zu geben, um mein Ziel, einmal unter 40 Minuten zu bleiben, zu erreichen. Ich schaue auf die Uhr, sehe meinen Puls und gehe aufs Ganze und erhöhe das Tempo. Bis zu diesem Punkt lief ich ca. 3:56 – 3:59 min pro Kilometer. Jetzt lief ich 3:50 min pro Kilometer.

Km 9
Zwischen Km 8 und 9 ist der dritte Verpflegungspunkt und trinke zwei Schlucke Wasser. Der Rest vereinigt sich mit dem Regen. Ich beschließe erst bei Km 9 auf meine Uhr zu gucken und bis dahin mich voll auf meinen Körper zu konzentrieren. Als ich das Km 9 Schild passiere, sehe ich auf meine Uhr: 35:31 min. Ich habe noch 4:28 min Zeit für den letzten Km. Ich halte das Tempo. Bei Km 9,5 sehe ich erneut auf die Uhr und beschließe, dass Risiko nicht noch weiter zu erhöhen und halte das Tempo.

Km 10 – Ziel
Ich biege auf die Zielgerade ein und juble. Nach 39:19 min habe ich die 10 km abgelaufen. Bestzeit. Zweites Ziel (von sechs) erreicht, die ich mir vor vielen Jahren selbst steckte. Das erste Ziel war meine Traumzeit auf dem Hermannslauf, die ich 2016 erreichte. Ich gehe nach der Ziellinie aus, freue mich, realisiere es nicht richtig. Ich drehe mich um und sehe immer noch die 39 vorne. Ich weine vor Freude und Glück. Dann höre ich Stimmen, die ich kenne. Susanne und Christian von den Sudbrackläufern rufen mich. Sie stehen am Ziel. Ich bin überglücklich, dass ich mit jemanden den ich kenne den Moment teilen kann. Sie gratulieren mir im strömenden Regen. Ich freue mich sehr, dass sie da sind. Sie müssen aber weiter, denn sie haben noch einen Halbmarathon vor sich.
Ich warte auf Inga, die wenige Minuten nach mir einläuft. Ich erfahre später, dass auch Björn seine Sub 35 geschafft hat. Was für ein Lauf, was für ein Tag. Was ich für mich dort erreicht habe, realisiere ich erst gute zwei Tage später.

Erledigte Ziele (2 / 6)
– Laufe den Hermannslauf einmal unter 2:30h
– Laufe 10 km einmal unter 40 Minuten

Offene Ziele (4 / 6)
– Laufe einen Halbmarathon einmal unter 1:30h
– Laufe einen Marathon einmal unter 3:00h
– Laufe mind. einen Marathon auf jeden der sieben Kontinente (Aktuell: 3 von 7)
– Laufe alle sechs World Major Marathons (Aktuell: 3 von 6)

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Utrecht Halbmarathon 2017 – FatBoysRun Communitytreffen

Freitag, 03. März 2017
Ich kehre aus Japan zurück und lande wieder in Deutschland.

Sonntag, 05. März 2017
Ich begleite Inga auf dem Luisenturmlauf und weiche nicht von ihrer Seite während des Laufes. Ich habe Jetlag, bin müde, aber gehe es als lockeren Lauf an. Meine Beine sind vom Tokio Marathon immer noch schwer, den ich ja nur eine Woche zuvor lief.

Donnerstag, 09. März 2017
Ich beschließe, nach einem Telefonat mit Ariane, definitiv zum Utrecht Halbmarathon zu fahren. Der Hauptgrund ist das FatBoysRun Community-Treffen. Schließlich höre ich die Beiden seit es Folge 3 gibt. Stand Heute gibt es um die 80 Folgen. Sie haben mich also schon lange begleitet und unterhalten und ich möchte die beiden endlich kennenlernen.

Montag, 13. März 2017
Ich habe eine leichte Bronchitis und werde zu zwei Tagen Ruhe von meiner Hausärztin verdonnert. Es ist fragwürdig, ob ich am Wochenende überhaupt wieder fit genug für das Laufen bin. Ich bin traurig

Samstag, 18. März, FatBoysRun Community-Treffen mit Pastaparty
Ich stehe auf und beschließe erst in diesem Moment, dass ich nach Utrecht fahre. Ich bin wieder halbwegs fit, sage ich mir zumindest, fühle ich mich aber unsicher. Gegen 11:00 Uhr geht es los. 250 km später bin ich in Utrecht und treffe Ariane bei der Abholung der Startnummern. Wir teilen uns ein Zimmer, denn das macht es ein wenig kostengünstiger.
Vom Hotel geht es dann zu Philipp, einem der beiden FatBoys vom FatBoysRun Podcast. Ich bin von den Parkplatzpreisen schockiert: Ca. 4 Euro pro Stunde. Ariane und ich diskutieren und beschließen dann, die Gebühr für 5 Stunden zu bezahlen. Wir können das aber nicht, da der Automat nur Kreditkarten annimmt und wir beide darauf nicht vorbereitet waren. Ariane geht schon einmal vor, ich fahre ich das Auto wieder zurück zum Hotel und gehe die knapp 4 km zu Fuß.
Als ich ankam, war ich der letzte eintreffende Gast. Shit happens. Jedoch gab es genug Pasta und vegane Soßen, so dass ich gleich direkt von Philipp mit einem vollen Teller begrüßt wurde. Es begann ein netter Abend, wo ich viele neue, nette Personen kennen gelernt habe und einige sicher dieses Jahr auf der einen oder anderen Veranstaltung wiedersehen werde. Neben vielen netten kleinen Gesprächen mit anderen aus der Community über Ultraläufe, Marathons und natürlich den Hermannslauf. Es gab es auch ein kurzes Gespräch mit René, den zweiten vom FatBoysRun-Podcast, und auch Philipp.
Der Abend verging für mich wie im Flug, bis wir kurz vor 22 Uhr freundlich von Philipp raus geschmissen wurden. Marius und Daniel waren zwei aus der Community, die ich kennenlernen durfte. Sie schliefen im selben Hotel und nahmen uns mit zurück und ersparten uns die 4 km Rückweg zu Fuß. Auf diesem Wege nochmal: Vielen Dank!

19. März 2017
Ariane und ich standen auf und frühstückten mit Daniel und Marius. Daniel lief den ganzen Marathon, Marius hingegen lief den halben, wie Ariane und ich.

Wir fuhren zu viert, in zwei Autos, vom Hotel zum Start. Im Parkhaus angekommen, parkten René und Philipp keine 10 Sekunden später fast neben uns. Gemeinsam gingen wir erst zur Kleiderabgabe und dann weiter in ein Café, wo wir die anderen aus der Community trafen. Nach etwas Schnack und aufwärmen, gingen wir gemeinsam zum Start. Es war wirklich sehr windig und dadurch war es nicht gerade warm. Wenigstens war es trocken und ich hoffte, dass dies zumindest bleibe. Ich war mir sicher, dass auf Grund meiner Erkrankung, meinem mangelnden Training und vor allem auch dem enormen Wind hier keine Bestzeit drin war. Ich beschloss zwischen 1:35 und 1:45h zu laufen, um den Lauf möglichst zu genießen.

Wenige Sekunden vor dem Start bemerkte ich, dass ich im völlig falschen Startblock G stand. Daher lief ich dort raus, komplett um alle anderen Startblöcke herum und konnte ganz kurz vor knapp in meinen Block D einchecken. Puh! Das waren sicher 200m im zügigen Tempo.

Start
Der Start war interessant. Es gab vor der Startlinie eine absichtliche Verengung. Sie hatte ich zwar ab der Startlinie sofort sehr viel Platz, jedoch musste ich bis zum Start Schlange stehen und warten. Dass ich aber direkt viel Raum und Platz hatte, empfand ich auf jeden Fall, als die nettere Option.

Km 0 – 5
Die ersten Kilometer flogen dahin. Wir liefen durch Wohngebiete, schönen Parkanlagen und Fahrradwegen. Es gab hier etwas Publikum. Interessant waren die Elektrolytgetränke. Die Becher hatten einen Deckel mit Strohhalm. Irgendwie war ich es nicht gewohnt so während des Laufens zu trinken.

Km 5 – 10
Einer der für mich wohl schönsten Abschnitte der Strecke war jener zwischen Km 5 und 10. Es ging in Richtung Innenstadt an Grünflächen und Grachten vorbei. In der Innenstadt gab es eine unheimlich gute Stimmung. Gemischt mit engen Gassen und schönen, teils alten Gebäuden.

Dort lief ich auch auf den Pacemaker für den Marathon auf: 3:15h. Ich dachte, ich hänge mich ein wenig dran, änderte aber schon nach 100 m meinen Plan. Der Knubbel um den Pacemaker war schon etwas größer und irgendwie auch ein unangenehmes Gedrängel. Ich beschloss zu überholen und weiter mein Tempo zu laufen.

Bei Km 8 bemerkte ich, dass ein Läufer mich schon länger als Pacemaker nutzte. Ich sprach ihn an. Sein Name war Bart und ich meinte zu ihm, dass ich bewusst ab Km 10 das Tempo raus nehme. Wir unterhielten uns ein wenig. Er erklärte mir, was ich noch von der Strecke zu erwarten hatte: Lange Geraden, viel Natur, wenig bis kein Publikum. Wir quatschten danach über alles Mögliche: Alte Wettkämpfe, Utrecht, Ziele und Pläne. Bei Km 10 nahm ich das Tempo raus und ließ meinen Gesprächspartner ziehen.

Km 10 – 15
Nach gut 42/43 Minuten passierte ich die 10 km. Ich wollte den zweiten Teil des Laufes nur noch genießen und nichts mehr riskieren. Laut Plan, sollte hier bald etwas zu trinken kommen. Ich hatte Durst und ein wenig Hunger. Eine Banane sollte geben. Bei Km 12 kam endlich die Getränkestation, jedoch ohne Obst.

Ich war enttäuscht, aber lief nach etwas Wasser und Elektrolyte weiter. Es hieß doch im Vorfeld, dass es auch Obst für die Halbmarathonläufer_innen geben solle, jedoch gab es sie nicht und dies sollte sich auch nicht mehr ändern. Nicht einmal im Ziel, doch dazu gleich mehr.

Km 15 – 20
Es war schon irgendwie schön durch die Natur zu laufen. Viele hatten mich überholt und es war ok. Wir liefen lange gerade Straßen entlang, durch Felder, an Bauernhöfen vorbei und es gab tatsächlich wenig Publikum. Bei Km 18 blieb ein Läufer plötzlich stehen und wankte und hechelte. Ich blieb sofort stehen und fragte, ob er einen Arzt bräuchte. Er meinte, es wäre alles in Ordnung und er käme klar. Als er weiter wankte, fragte ich nochmal nach, ob er wirklich sicher sei. Seine Atmung klinge nicht gut und er wanke sehr stark. Er verneinte erneut und unterstrich, dass er wirklich keinen Arzt bräuchte. Ich lief los und drehte mich nach 100 m wieder um, und sah ihn langsam traben. Ich war mir nicht sicher, ob es ihm wirklich so gut ginge. Doch nach weiteren 100 m lief ich an einem Arztteam vorbei, die sehr aufmerksam alle anschauten und musterten.

Bei Km 19 überholte mich eine Läuferin, die mit einem Läufer zusammen lief. Aber irgendwie blieben die nun wenige Meter vor mir und liefen nicht mehr schneller.

Km 20 – Ziel
Als der letzte Kilometer anfing dachte ich, dass ich die beiden wieder überholen könnte und entschied mich dazu leicht das Tempo anzuziehen. Auch bemerkte ich, dass ich knapp unter 1:35 bleiben könnte.

Als ich die beiden überholte, zog plötzlich die Läuferin mit. Der Läufer blieb zurück. Bis kurz vor dem Ziel pushte die Läuferin mich und ich sie auf ein gutes Tempo. Wir liefen knapp hinter einander ins Ziel. Ich trabte aus, holte Luft und freute mich auf die Zielverpflegung. Diese Bestand aus Wasser und Elektrolyte. Ich war erneut enttäuscht und ging ohne Essen duschen.

Achja, natürlich konnte man im Parkhaus nur mit Kreditkarte bezahlen und sonst gar nicht. Dank eines freundlichen Läufers, konnte ich ihm die Gebühr in Bar geben und er bezahlte für mich die Gebühr mit seiner Karte.

So sehr ich das Communityevent gefeiert habe und mir die Strecke gefiel, so sehr muss ich klar Kritik an der Verpflegung des Halbmarathons üben. Ich war bis zu diesem Punkt wirklich positiv von dem Wochenende angetan. Wer im Vorfeld Essen für die Läufer_innen verspricht, der sollte es auch einhalten. Dass es nicht einmal etwas im Ziel gab, irritierte mich. Hätte ich das im Vorfeld gewusst, hätte ich entsprechend vorgesorgt und mir etwas mitgenommen. So fuhr ich mit leerem Magen nach Hause und holte mir unterwegs irgendwas an einer Tankstelle.

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Tokyo Marathon 2017

Freitag, 24. Februar 2017
Ich stehe vor zwei Rolltreppen und meine größte Unterstützerin steht neben mir. Unsere Wege trennen sich hier. Ich schaue zu ihr rüber; sie zu mir. Die linke Rolltreppe ist nur für Teilnehmer_innen und die Rechte für alle anderen. Ich fahre rauf und komme in einen Bereich, wo ich freundlich empfangen werde. Ich habe als Ausländer nur ein Pult an dem ich mich anstellen darf. Darüber hängt ein Schild „International Guests“. Alles klar. Das Pult ist leer und ich komme direkt dran. Mein Pass wird geprüft und nachdem der Mann vor mir steht davon überzeugt ist, dass ich der bin, der ich bin, bekommen ich meine Marathonpapiere einen Stempel. Ich glaube, ich habe nun den Passierschein A38 für den Tokio Marathon erhalten. Bei dem Gedanke muss ich Schmunzeln.

Ich darf weitergehen, ganze 10 Schritte, bis eine ältere Frau zu mir eilt. Ich benötige nun ein Sicherheitsbändchen. Mit dem Passierschein, dem Bändchen darf ich 10 Schritte weitergehen und erhalte meine Startnummer und eine zusammengelegte Tüte für die Kleiderabgabe im Startbereich. YEAH! Ich fühle mich langsam wie bei dem Spiel ‚Ich packe meinen Koffer‘. Mit dem Passierschein, dem Armband, der Tüte für die Kleiderabgabe und der Nummer darf ich ungefähr 30 Schritte gehen und erhalte einen leeren Beutel, wo ich alles rein packen darf. Zuvor darf ich den beigelegten Chip testen lassen. Der Monitor des Testgerätes zeigt meine Nummer, mein Namen und ich nicke zufrieden. Mit dem Passierschein, der Nummer, dem Bändchen … Ach wir lassen das. Es gibt noch eine Station, wo ich ein T-Shirt bekomme. Es gibt nach der T-Shirt Station mehrere Tische, wo ich alles einpacken und umpacken kann. Das Angebot nutze ich und packe es zu einem Gesamtpaket. Ich werde weitergeleitet in einen Flur, voller Sicherheitshinweise auf Japanisch. Ich gehe weiter und sehe einen Japaner mit einem Schild auf seiner Brust „English Speaker“. Ich gehe zu ihm hin und lasse mich hinsichtlich der Sicherheitsaspekte aufklären. Sein Englisch, so ehrlich möchte ich sein, ist nicht das Beste. Er bemüht sich redlich und ich bin froh, überhaupt jemanden zu haben, der mit mir Englisch spricht. Er sagt mir, dass der Buchstabe vor meiner Nummer der Startblock ist. Ich starte in C. Er macht mich darauf aufmerksam, dass es bis L geht. Ich müsse also schon recht zügig sein, wenn ich in C starten würde. Gefolgt von einigen Sicherheitshinweisen, die ich abspeichere, gehe ich weiter und treffe Katja, die erwähnte Unterstützerin, wieder.


Sie wartet am Ende, in einer großen Halle wo alle Fotos machen. Auch wir! Gefolgt von einer unglaublich lauten Messe, wo alle schreien. Ich verstehe kaum etwas, wenn ich an einem Stand bin, weil alle so laut waren. Wenn ich dort arbeiten müsste, würde ich Taub und mit Kopfschmerzen abends nach Hause gehen. Wir gehen weiter und erreichten den Asics Verkaufsstand. Ich werde zwar arm werden, aber ich nehme neue Laufkleidung mit. Mit all den Dingen gehen wir zurück ins Hotel. Jetzt sind es nur noch 1,5 Tage bis zum Start des Marathons.

Sonntag, 26. Februar 2017
03:00 Uhr
Hab ich verschlafen? Ein Blick auf den Wecker und die Antwort war nein. Ein kurzer Gang zur Toilette und wieder ins Bett, gefolgt vom Versuch weiter zu schlafen.

05:13 Uhr – Stockende Gedanken
Ich erwache. 2 Minuten vor dem Wecker. Bin Müde, hab keine fließenden Gedanken. Aufstehen, anziehen, präparieren. Das Essen muss rein. Irgendwelche Milchbrötchen aus dem Supermarkt. Egal. Blicke in die Supporter-WhatsApp-Gruppe mit neuen Nachrichten. In Deutschland ist es acht Stunden früher. Freue mich und antworte. Überprüfe, ob alles in meiner Tasche ist. Nummer, Chip, Mütze, Sicherheitsarmband, Wechselkleidung, Handtuch, U-Bahn-Ticket. Überprüfe es nochmal. Immer noch Gedanken, die wie gestückelt wirken. Verabschiede mich von meiner größten Unterstützerin mit einem Kuss. Hoffe sie kann wieder einschlafen. Gehe los.
Verpasse die U-Bahn um wenige Sekunden. Muss warten, Zeit vergeht nicht. Sehe andere Läufer. Hoffe bald richtig klare Gedanken wieder zu fassen. Wach bin ich. Glaube ich zumindest.
Fahre U-Bahn. 40 Minuten. Nach und nach gibt es immer mehr Läufer_innen in der Bahn. Bin wohl richtig eingestiegen. Steige aus und denke mir: Ein Klo im S-Bahnhof ist besser als jedes Dixi. Super Idee. Hatten wohl auch viele andere. Muss warten…

07:14 Uhr – Ankommen
Als ich das Klo verlasse, fühle ich mich deutlich besser. Die Massen an Läufern und die frische Luft geben mir endlich die Möglichkeit klarer zu denken. Seit 7 Uhr dürfen die Läufer in den Startbereich. Es gibt sechs Gates, also Zugänge. Jeder Läufer und jede Läuferin darf nur über ein ganz bestimmtes Gate eingelassen werden. In meinem Fall ist das Gate Vier. Als ich kurz vor dem Gate war, sehe ich das viele Läufer_innen umpacken, sich umziehen und zum Sicherheitscheck gehen. Ich leere meine Wasserflasche in wenigen Zügen und schmeiße sie vor dem Sicherheitscheck in eine Tonne, weil ich das muss. Sicherheitsbestimmungen.

Der Einlass ist schnell, auch der Sicherheitscheck, da es keine langen Schlangen gibt. Nun geht es zur Kleiderbeutelabgabe, damit ich trockene Kleidung im Ziel habe. Danach noch zwei schnelle Fotos für den offiziellen Fotodienst und weiter zu den Verpflegungsständen. Eine halbe Banane und ein halbvoller Becher mit Wasser sind schnell im Magen verschwunden. Weiter geht es zum Startblock C. Es geht von A bis L. Wobei A die schnellsten Läufer enthält.


08:10 Uhr – Im Startblock
Ich bin 60 Minuten vor dem Start, und ca. 30 Minuten vor dem Schließen der Startblöcke im Block C und stelle mich vorne rein. Es ist sehr kalt, da unser Block im Schatten der Hochhäuser steht. Ich friere. Nein, wir alle frieren und warten. Um 8:40 sehe ich heran sprintende Läufer_innen, da die Blöcke kurz davor sind geschlossen zu werden.

Neben mir erscheinen die Pace-Maker für 3:30 Stunden als Zielzeit. Zwischen Block A und B stehen die 3:00 Stunden Pace-Maker. Um 8:50 Uhr sind dann wirklich alle Blöcke zu und die Unterscheidung der Blöcke wird aufgehoben. Alle rücken auf. Es gibt die Nationalhymne Japans, Ansprachen und um 9:05 Uhr den Start der Handbiker. Ich schaue mich kurz um, sehe einen männlichen Sailor-Moon, Pikatchu, Ruffy aus One Piece und viele andere Kostüme. Meine Anspannung steigt mitten in Tokio, neben dem Rathaus. Es ist ein Moment der mir Ehrfurcht abverlangt.

9:10 Uhr – Start des Marathons
0 km
Der Start des Marathons erfolgte durch Konfetti-Kanonen. Von rechts und links der Strecke abgeschossen, trafen sie sich in der Mitte über den Läufer_innen. Doch damit endete es nicht. Es gab Brücken zwischen Gebäuden und von der Brücke direkt über dem Start wurde eine weitere abgeschossen. Es sah sehr beeindruckend aus. Wir gingen alle langsam los und an einer riesigen Tribüne vorbei, die vor dem Tokioer Rathaus aufgebaut war. Das gehen sollte für mich keine zwei Minuten dauern, bis ich auf der Strecke war und lief.

Km 0 bis 10
Die ersten 10 Kilometer lassen sich schwer in Worte fassen, weil die Emotionen so intensiv und unterschiedlich waren. Auf der einen Seite entschloss ich mich per Puls zu laufen und blieb bei einem GA2 (Grundlagenausdauerbereich 2) Puls von um die 80% bis 82%. Ich muss mich immer wieder richtig bremsen und runter fahren vom Tempo. Auf der anderen Seite waren diese ersten 10 Kilometer annähernd einmalig und lassen sich nur mit den Kilometern in Manhattan beim New York Marathon vergleichen. Die Massen an Zuschauern, die Stimmung puschten einen so sehr, dass man gerade hier in Tokio enorm aufpassen musste, nicht direkt zu schnell zu laufen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es einigen passiert sein dürfte. Mir fiel es unheimlich schwer entspannt und locker zu bleiben. Diese Jubel, diese Anfeuerungen, dazu das wirklich perfekte Laufwetter. Wir hatten um die 10 Grad bei blauem Himmel und kaum Wind. Die Menschen standen in mehreren Reihen hinter einander und feuerten an. Ich sah wie einige an mir vorbei sprinteten und liefen als wäre der Teufel hinter ihnen her. Ich hatte die ersten Kilometer fast durchgängig Gänsehaut wusste oft nicht wohin ich gucken sollte, welche Reize ich gezielt aufnehmen sollte. Diese Rennphase war so unglaublich reizüberflutend. Ich war froh, dass Katja nicht extra zum Start gekommen war. Ich hätte sie höchstwahrscheinlich nicht gesehen oder gefunden. Vor allem das Läuferfeld war zu diesem Zeitpunkt natürlich noch sehr kompakt auf der Straße. Dazu kommen noch die Impressionen der Häuserschluchten, die das Gesamtbild eines großen Marathons abrundeten.

Nach ungefähr 7,5 km gab es eine Streckenteilung, wo die Läufer_innen der 10 km Distanz von den Marathonläufer_innen getrennt wurden. Das sah etwas seltsam aus, da die sehr wenigen, ja gar nur einzelne Teilnehmer_innen der Kurzdistanz fast die halbe Straßenbreite hatten und alle Marathonläufer_innen die andere.

Ich beendete meine ersten 10 Km in genau 45:00 Minuten. Die Zeit verging wie im Flug. Gefühlt nahm die Begeisterung der Menschen nicht ab. Die Zuschauer standen natürlich nur noch einreihig, aber sie waren unverändert motiviert am jubeln, schreien und anfeuern. Hätte ich mich von der Stimmung frei tragen lassen und mich nicht kontrolliert, hätte es sicher auch eine 40/41 Min Zeit werden können. Aber wozu? Ich hatte noch 32 km vor mir und ein besseres Preis/Leistungsverhältnis.

Km 10 bis 16
Bei Km 11 traf ich Katja, die mir zuwinkte. Wir hatten vereinbart, dass ich versuche immer einen kurzen Status Update zu geben. Hier war er „Ich laufe auf eine 3:10h Zielzeit.“
Ich sah auf die Gegenfahrbahn und las das „Km 27“ Schild. Wenn ich dort erst einmal bin. Das dauert aber noch mehr als eine Stunde, dachte ich. Es ging weiter. Bis Km 16 nahmen gefühlt die Euphorie und die Genialität des Laufes nicht ab. Bei Km 15 gab es den ersten U-Turn.

Wir liefen erst auf einen alten Schrein zu, der umhüllt von hohen Gebäuden war. Dann ging es um 90 Grad nach rechts und es kam wie aus dem Nichts der Skytree in Tokio einen in den Blick. Nach wenigen Metern ging es wieder um 90 Grad nach rechts und plötzlich befand ich mich auf der Gegenfahrbahn der Straße, die ich zuvor belief. Erst da realisierte ich langsam, dass wesentlich mehr Menschen hinter mir sind, als vor mir. Die Straße war viel voller. Bei mir war es schon gut und entspannt laufbar, aber hinter mir schien es ein höheres Gedränge zu geben. Bei Km 15,5 gucke ich auf die Uhr und dachte mir, dass die Weltspitze nun sicher ungefähr bei Km 25 sein musste. Als ich in eine Links Kurve einbog zwischen Km 16 und 17, sah ich plötzlich wieder leere Straßen auf der Gegenfahrbahn und das Schild „Km 25“. Was soll ich sagen? Die Weltspitze kam in dem Moment mir entgegen.

Km 16 bis 21,1
Nun war ich bei Km 17. Auf der Gegenfahrbahn las ich etwas später das Schild Km 24. Auf der Gegenfahrbahn sah ich vereinzelte kleinere Gruppen. Die liefen sicher auf eine 2:20h oder 2:30h Zielzeit, zumindest dachte ich mir das. Auf diesem Abschnitt war die Stimmung weitaus gedämpfter und weniger laut. Natürlich gab es immer noch unzählige Menschen die am Rand standen, doch mit mehr Ruhe und Zurückhaltung. Wenn sie jemand sahen, den sie kannten, dann rasteten die Japaner total aus. Ich erschreckte mich das eine oder andere mal, weil sie plötzlich, aus dem Nichts völlig aus dem Häuschen waren, schrien und rumsprangen.

Bei Km 19, auf einer kleinen Brücke, war mein zweiter Treffpunkt mit Katja. Ich sagte ihr, dass ich nun langsamer laufen werde. Ich merkte, dass ich schon kleinere Probleme mit den Beinen hatte. Es schien als wenn es für meinen Körper kein idealer Tag gewesen war. Meine Oberschenkel zwickten hier und da. Bei Km 20 hatte ich genau 1:30h auf der Uhr. Da ich das Tempo bewusst raus nahm, wusste ich nicht, wie viel Zeit ich liegen lassen würde. Mit meiner Halbmarathonzeit lief ich weiterhin grob auf eine 3:10h Zielzeit hinaus. Doch, dass sollte sich ja nun ändern. Spätestens bei km 30 sollte es sichtbar sein, dass es nichts mehr mit einer 3:10h wird. Dieser zweite von insgesamt 3 U-Turns war deutlich leiser beim Publikum und weniger spektakulär.

Km 21,1 bis 26
Nach dem zweiten U-Turn ging es zurück zu jenen Punkt, wo ich die Weltspitze sah. Je weiter ich lief, umso voller wurde die Gegenfahrbahn. Ich dachte, es gehe kaum noch voller, doch ich hatte Unrecht. Irgendwann durchfuhr mich das Bild einer dahin fließenden, riesigen Masse. Um mich herum geschah genau das Gegenteil: Es wurde immer leerer. Ich hatte unglaublich viel Platz und es wurde immer einsamer.

Bei Km 22 traf ich Katja wieder. Selbe Brücke wie bei Km 19, nur auf der anderen Straßenseite. Ich war sehr froh sie zu sehen und jemanden da zu haben, der mich unterstützte. Damit war das dritte von fünf geplanten Treffen auf der Strecke absolviert.

Immer wieder sah ich mich um und konnte nur schwer den Umstand greifen, dass ich in Tokio, auf der anderen Seite der Welt, gerade laufe. Was ich in diesem Abschnitt endlich begriffen hatte, war das Klo-System für die Läufer. An jedem Klo stand ein Helfer mit einem Schild auf dem zum Beispiel „Next Toilet 200m“ stand. Ich verstand endlich, dass diese Schilder auf aktuelle bereitstehende Toiletten hinwiesen, aber auch klar zeigten, wann die nächsten kamen. Die Toiletten waren Dixis, die hinter den Zuschauer standen, jedoch mit frei gehaltenem Ein- und Ausgang. So etwas ist wirklich hilfreich und jetzt wo ich darüber nachdenke, wünsche ich mir so eine Hilfe überall auf den Marathons.

Bei Km 25 guckte ich rüber auf die Km 16 Marke, da wo ich die Weltspitze gesehen hatte. Die Straße bei Km 16 war immer noch sehr voll. Unglaublich wie viele Menschen hinter mir liefen. Kurz nach Km 25 bogen ich links in eine Straße. Nun war die Gegenfahrbahn mit jenen Läufer_innen gefüllt, die nun ungefähr bei Km 12,5 waren. Hier wurde deutlich mehr gewalkt und die Straße war weniger voll.

Km 26 bis ‚Mann mit dem Hammer‘
Bei Km 26 / 27 erkannte ich die offiziellen Schlussläufer, die ungefähr Km 11 passierten. Hinter Ihnen räumten Aufräumtrupps mit hohem Tempo eine Verpflegungsstelle auf. Neben ihnen fuhren große Müllwagen. Hinter den Müllwagen war der Besenbus. Wem der Begriff des Besenbuses nichts sagt, dem sei kurz dies erklärt. Der Besenbus bildet den Abschluss des gesamten Feldes und sammelt all jene ein, die es zeitlich oder warum auch immer nicht mehr schaffen einen Lauf erfolgreich zu beenden. Ich war traurig, als ich erkannte, dass in dem Bus schon Personen drin saßen. Der Bus hatte gute 500 bis 800 m Abstand zu den Schlussläufern.

Ich war vor dem Marathon skeptisch, ob das wirklich schön ist, wenn eine Strecke drei U-Turns hat und alle im Grunde drei lange Straßen hin und wieder zurück liefen. Aber ich muss sagen, dass ich an diesem Moment das wirklich zu schätzen wusste. Ich wusste nach jedem U-Turn was kommt und es war einfach unglaublich spannend für mich das Feld vor mir, aber auch hinter mir zu sehen. Zudem ist Tokio mir so unbekannt, dass ich auf jedem Rückweg immer etwas neues entdeckte und Bilder, wie das Aufräumen eines Verpflegungspunktes genauso interessant waren, wie die Weltspitze laufen zu sehen.

Leider sah ich meine Supporterin nicht bei Km 27. Wie sie mir später im Hotel erklärte, hatte sie ein dringendes Verlangen nach einem Klo. Das hatten leider auch sehr viele andere Zuschauer und sie verlor eine Menge Zeit und kam nicht mehr rechtzeitig zum Treffpunkt. Als sie auf Facebook die Service Nachricht sah, dass ich schon bei Km 30 durch bin, fuhr sie weiter zum letzten Treffpunkt.

Bei Km 30 war ich immer noch offiziell auf einer Zeit von 3:15h unterwegs. Meine Beine waren aber schwer und ich merkte, wie schon der Mann mit dem Hammer neben mir auftauchte und mich mit seinem fiesen Grinsen ansah. Dreckiger Typ sag ich euch. Ich konnte noch zwei Kilometer vor ihm fliehen, doch bei Km 32 war es dann soweit. Er stellte sich vor mich, lächelte, zwinkerte mir zu und schlug auf mich ein. BÄM! Ich war k.o. Was jetzt?

Km ‚Mann mit dem Hammer‘ bis 40
Bei Km 32,5 kam eine Verpflegungsstation. Ich nahm Elektrolyte und blieb stehen, das erste Mal. Während dieses Verpflegungspunktes wollte ich nicht weiter laufen, sondern mich richtig aufbauen und etwas erholen. Der Schlag mit dem Hammer saß und das spürte ich. Aus etlichen anderen Läufen weiß ich: Ruhe bewahren, aufpeppeln und durchatmen. Ich aß ein Stück Apfel, es gab M&Ms und Traubenzucker. Alles wurde mit Wasser ordentlich nachgespült. Ich trabte wieder langsam an. Dabei beschloss ich, dass ich mir keinen Zeitstress oder -druck mache. Ich war in Tokio. ALTER! Ich war um die halbe Welt gereist, nur um hier Spaß zu haben, also hatte ich jetzt Spaß. Nix Stress! Nix Druck! SPASS! Mir diesen Umstand so klar zu machen, half enorm. Ich nahm erheblich das Tempo raus, aber ich lief. Mein Ziel war es, bis auf die Versorgungsstationen durchzulaufen.

Es gab hier auch immer wieder Phasen, wo sehr viele Personen am Rand standen und eine Totenstille herrschte. Dann gab es Phasen, die extra markiert schienen, in denen die Personen richtig Stimmung machten und rumschrien. In dem Abschnitt zwischen 30 und 40 waren die wenigsten Zuschauer. Ich hatte schon erwartet, dass in dieser U-Turn Schleife weniger los sein würde. Die S-Bahn Verbindung war schlechter. Das hatte ich vorher extra nachgesehen, da Katja und ich Treffpunkte ausgemacht hatten. Ich wünschte mir zwar, dass sie irgendwo zwischen Km 30 und 40 stand und mich anfeuerte, doch es machte einfach keinen Sinn. Ich hatte zu ihr gesagt, dass es hier kaum Publikum geben wird, da die Zuschauer_innen natürlich ihre Angehörigen eher vor dem Ziel sehen wollen. Auf Grund der mauen S-Bahn Verbindung in diesem Abschnitt war das aber kaum rechtzeitig möglich.

Irgendwann bei Km 35,5 kam ich in die letzte U-Turn Schleife. Nun ging es wieder komplett zurück. Im Grunde durfte ich diese Straße nun knappe 6 Km entlang laufen und dann sollte da irgendwo das Ziel stehen. Gesagt, getan. Ich blieb an Wasserpunkten nicht stehen, sondern trank im Gehen. Bei den Verpflegungspunkten, die mehr als nur Wasser anboten, blieb ich kurz stehen und aß etwas. Die Helfer an diesen Punkten munterten mich auf, dass sah ich in ihren Gesichert. Ihre Rufe habe ich auf Grund mangelnder Kenntnisse der japanischen Sprache nicht verstanden. Ich lächelte zurück, nickte und hoffte, dass meine Reaktion nicht beleidigend war.

Ich war glücklich und tief in meinem inneren Zufrieden. Mir hing dieser miese Hammerschlag noch nach, aber bei Km 36 ging es mir langsam besser und ich beschleunigte sogar wieder. Bei Km 38 verfluchte ich das fehlende Km 40 Schild und fragte mich, wieso es nicht käme. Bei Km 39 verfluchte ich meine Beine. Bei Km 40 verfluchte ich meine Uhr, weil diese schon bei Km 42,5 war und mich seit Beginn des Laufes völlig veräppelte.

Aber halt. Moment. Sekunde. Ich war bei Km 40. Yeah. Das Tal der Tränen war nun hinter mir. 2,195 km lagen vor mir und ich erkannte, dass ich bei ungefähr 3:15h nun war. D.h. ich hatte noch 20 min für diese Distanz, um eine neue Persönliche Bestleistung zu erreichen. Das gab mir neuen Auftrieb, zu wissen, dass dies mein bisher schnellster Marathon werden sollte. Ich guckte nach rechts, auf die Gegenfahrbahn (in Japan ist Linksverkehr). Dort war die Straße sehr voll und alle Läufer_innen waren gerade bei Km 31. Ich wünschte ihnen, dass sie besser durch diesen letzten Abschnitt kämen.

Km 40 bis Ziel
Ich hatte so viele Eindrücke, dass ich gefühlt zügig Km 41 erreichte. Dort irgendwo zwischen 41 und 42 sollte Katja stehen. Ich fragte mich, wie der letzte Kilometer werden würde. Er ist in Berlin durch das Brandenburger Tor etwas Besonderes und in New York durch den Central Park auch. Kurz nach dem Km 41 Schild lief ich in eine Allee mit hohen Häusern, wieder vielen Zuschauern und einer unglaublich guten Stimmung.


In der Menge der Zuschauer winkte und schrie Katja mir zu. Ich winkte zurück, lief zu ihr, klatschte sie mit einem High Five ab, warf ihr einen Luftkuss zu und schrie: „WAS EIN LAUF! BESTZEIT!“ Sie schrie irgendwas zurück, was ich nicht verstand. Es war wirklich laut. Aber es beflügelte mich noch einmal anzutreten. Diese letzten 500 m kannte ich zufälligerweise vom Vortag, da wir hier zu Fuß waren, um uns alles anzusehen. Ich schaute nach links und rechts, ich lachte, grinste und wurde emotional. Die Strecke bog nach Links ein und da war es: Der Bereich, wo man auf den Kaiserpalast sah und das Ziel. Es waren nur noch wenige Meter. Es gab eine Anzeige, die uns die Siegerzeit „2:03:58“ darstellte und darüber die aktuelle Zeit.

Viele, aber nicht alle, jubelten, schrien und freuten sich. Als ich hinter der Ziellinie war zeigte ich kurz den Daumen hoch in meine Kamera. Danach schaltete ich die Kamera aus. Dieser Moment danach im Ziel, der gehört mir und wird an dieser Stelle nicht geteilt.

Der wohl am meisten bewegende Moment war nach dem Ziel
Und als ich mir meinen Moment genommen hatte, ging ich weiter. Schließlich wollte ich meine trockene, warme Kleidung haben und natürlich die Medaille. Ich ging und ging und ging und nichts geschah. Wir Läufer_innen wurden gleich geteilt anhand der Farbe der Nummer. Je nach Farbe gab es woanders die Kleidungsbeutel. Ich ging gute 500 m bevor ich ein Finisher Handtuch bekam, einige Meter danach eine Wärmedecke, dann nach einigen Metern eine Flasche Wasser, danach eine leere Plastiktüte. Ich fühlte mich so unfassbar an die Ausgabe der Startnummer erinnert. Diesmal hieß es: Ich packe meine Finisher-Versorgungstüte. Tatsächlich gab es Stände mit Bananen, Brote und anderen Kleinkram. Erst nach der Versorgung und nach fast einem Kilometer gab es die Medaille. Ich sah links nämlich die Stelle, wo das Km 41 Schild stand.

Hier wurden wir nochmals nach der Farbe der Startnummer getrennt. Irgendwann sah ich endlich den Weg zu meiner Baggage Claim (Rückgabe des Kleiderbeutels). Ich war völlig in Gedanken, wo ich gleich noch hin wollte und wie ich am besten zur S-Bahn komme, die mich ohne Umweg zum Hotel bringen würde. Ich konzentrierte mich schon völlig auf die Abreise bis zu jenen Moment, wo ich bemerkte, dass der Läufer vor mir plötzlich beklatscht wurde von den Helfer_innen beim Baggage Reclaim. Ich dachte: „Na wenn da jemand nicht Bekannte stehen hat.“ Doch die Helfer_innen hinter den ersten machten weiter. Dann klatschen sie mir zu, gratulierten mir. Jeder tat das. Viele gaben mir ein High Five, aber alle klatschten und gratulierten mir. Der Baggage Reclaim für Orange war sicher gute 80 m lang. Alle standen Spalier und bejubelten jeden einzelnen der da durch ging. Es lief mir kalt den Rücken runter und ich war völlig überfordert, weil ich absolut nicht damit gerechnet hatte. Das war der für mich der wohl am meisten bewegende Moment, weil ich alles was ich hinter der Ziellinie fühlte, hier wieder hochkam und noch einmal getoppt wurde. Danke an die Japaner_innen, die mir diesem unvergesslichen Moment an Freude und Glück geschenkt haben. Ich werde dies niemals vergessen.

Nachdem ich meinen Kleiderbeutel bekommen hatte und im Bereich hinter der Kleiderabgabe gestanden hatte, zog ich mir fix warme Sachen an, ging zu Seiko, um an der Finisher-Aktion teilzunehmen. Jeder der wollte, durfte ein riesiges Plakat beschreiben, mit seiner offiziellen Finisherzeit. Diese wurden am Folgetag in den U-Bahnen aufgehängt. Ich fand die Aktion sehr toll und nahm dran teil.

Danach ging es direkt ins Hotel zu Katja und zur Dusche. Endlich duschen, endlich ausruhen und die vielen Eindrücke verarbeiten. Danke Tokio, ich werde davon lange zehren. Ich hoffe wir sehen uns wieder.

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Wie ich überraschend Ostwestfalenmeister im Crosslaufen für die Alterklasse Männer 30 wurde

Januar 2017
Ich stöberte in den Resultaten der Ostwestfalen-Crossmeisterschaften (OWL-CM) 2016 und sah, dass ich durchaus in der Lage wäre, im Mittelfeld mitzulaufen. Daraufhin beschloss ich, den Verein zu bitten, mich zu den OWL-CM 2017 zu schicken. Gesagt, angemeldet und voller Vorfreude.

Sonntag, 05. Februar 2017

Vor dem Start
Der Lauf war in Lüchtingen, Höxter. Die Anfahrt war entsprechen weit für mich, um die 80 km pro Weg. Als ich ankam, stand dort die Feuerwehr und zeigte mir, sehr höflich und freundlich, wo ich parken durfte. Es war alles total entspannt und gut organisiert.
Ich kam im Stadion an und sah mehrere Kinder, die gerade in ihren Disziplinen starteten. Parallel gab es Siegerehrungen. Dies war mein erster „echter“ Wettkampf seit gut 6 oder 7 Jahren. Mein letzter Wettkampf waren die Cross-Kreismeisterschafen, wo ich damals in der Altersklasse Männer (20 bis 29) Kreismeister wurde. Was ich mit „echt“ meine? Es war eine Meisterschaft, wo es auch um den Titel Ostwestfalenmeister ging. Eine realistische Chance für einen Sieg habe ich mir nicht ausgerechnet oder gar dran gedacht. Ich versuche im Moment meine Bindung mit dem Verein wieder zu stärken und für ihn auf Meisterschaften zu fahren. Meine Zeiten sind in Ordnung, aber reichen eben nicht für Siege. Gerade in der Altersklasse M30 (Männer, 30-34) erlebe ich es immer wieder, dass ich zwar im Gesamtfeld eher vorne mitlaufe, jedoch in der Altersklasse eher nicht vorne mitlaufe.

Der Lauf
Fast alle Namen wurden vor dem Start von einem Wettkampfrichter vorgelesen. Nachdem die Anwesenheit fest- oder eben nicht festgestellt worden ist, ging es los in die erste von sechs Runden. Gelaufen wurden insgesamt 7,9 km, aufgeteilt auf sechs Runden.
Ich hatte mich im Stadion warm gemacht und mir gar nicht die Strecke angesehen. Dort liefen ja die ganze Zeit Wettkämpfe und ich wollte dort einfach nicht stören. Insgesamt, rückblickend, gefiel mir die Runde. Es ging mit einer leichten Steigung über mehrere hundert Meter los. Dann gab es einen ähnlich langen, gut zu laufenden Downhill. Gefolgt wurde der Abschnitt aus mehreren scharfen Kurven und einem hügligen auf und ab bis es am Ende ins Stadion ging. Eine halbe Stadionrunde war am Ende zu absolvieren. Jetzt ging es noch fünfmal von vorne los.
Nach den ersten beiden Runden lag ich schon hinter der Zeit, die ich mir vornahm: 11:30 min zeigte meine Uhr an. Damit lief ich also auf eine 34:30 min hinaus. Eine 32 min Zeit hatte ich mir vorgenommen. Als mir ab der dritten Runde die Luft ausging, dachte ich, dass wohl nicht mehr viel möglich sein würde.
In der fünften Runde ging es mir wieder besser und ich zog an. Insbesondere da ein anderer Läufer von hinten immer näher heran lief, schöpfte ich daraus Motivation vor diesem Läufer zu bleiben. Am Ende der fünften Runde wurde ich von ersten drei Läufern überrundet.
In der letzten Runde machte ich nochmal richtig Tempo. Ich würde vermuten, dass ich nun die schnellste Runde lief. Als ich realisierte, dass ich knapp unter 35 Minuten ins Ziel kommen könnte, startete ich zu einem richtigen Zielsprint über gut 300 m und kam nach 34:58 min ins Ziel.

Das Warten
Nach dem Lauf ging es unter die Dusche. Noch nie war die Umkleide so klein und die Duschen so wenige für das Starterfeld. Ich musste anstehen, um überhaupt in die Umkleide gehen zu können.

Ich dachte erst, ich würde die Siegerehrung verpassen, jedoch ließ diese auf sich lange Zeit warten. Der Aushang sagte, dass ich zweiter der M30 (Alter 30-34) wurde. Yeah! Okay, okay … Ich wurde zweiter von vieren. Aber dennoch freute ich mich sehr, denn ich hatte definitiv eine schlechtere Platzierung erwartet. Dann kam die Siegerehrung der M30. Der Erste der M30 wurde aufgerufen und ich wartete nervös auf meinen Namen.

Als der Sprecher mich aufrief erklärte er, dass ich zweiter wurde und neuer OWL-Crossmeister der M30 bin. Ich dachte, das muss ein Versprecher sein, denn ich bin zweiter. Als ich mich auf das Siegertreppe als zweiter stellte, überreichte man mir zwei Urkunden: 2. Platz für den Crosslauf und 1. Platz für den Ostwestfalenmeister. Ich besprach mich mit dem Sieger und dieser mit einer Wettkampfrichterin. Sie wies darauf hin, dass er für die OWL Meisterschaften nicht startberechtigt sei. Er käme von außerhalb von OWL und starte entweder für eine Stadt oder einen Verein, der nicht zu OWL gehöre. Er meinte, er sei geborener Ostwestfale. Sie entgegnete, dass dies nicht ausreiche.

Und so kam es, dass ich total überraschend OWL-Meister über 7900m Cross der Altersklasse M30 wurde. Ich kann euch sagen, den restlichen Tag konnte ich nicht mehr aufhören zu grinsen. 🙂

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Borgholzhausen Weihnachtscross 2016

Der Weihnachtscross in Borgholzhausen sollte mein Abschluss im Laufjahr 2016 zeichnen. Ein letztes Mal wollte ich 16 km mit einem zügigen Tempo laufen. Nach dem recht erfolgreichen Nikolauslauf in Everswinkel, wollte ich eine vergleichbare Leistung erbringen. Zu der Distanz kamen noch gute 450 Höhenmeter. Ich kannte die Stecke, lief ich sie in den letzten Jahren des Öfteren. Mein Ziel war es eine neue Bestzeit auf dieser Strecke zu laufen, in unter 1:10h.
Dafür nahm ich dieses Mal keine Kamera mit, um mich vollständig auf den Lauf zu konzentrieren. Deswegen gibt es dieses Mal keine Bilder.

Vor dem Start
Ich war mit zwei Freundinnen angereist: Ariane und Inga. Ariane lief die 10 km Runde. Inga, die schon in Everswinkel dabei war, und ich starteten auf der 16 km Runde.
Der Weihnachtscross ist das, was der Name verspricht: Ein Crosslauf mit einigen Höhenmetern kurz vor Weihnachten. Der einzige Unterschied zwischen der 10 km und 16 km Runde ist, dass der zu bewältigende Hügel exakt ein zweites Mal erklommen werden durfte.
Ich weiß gar nicht, wie oft ich diesen Lauf schon absolviert habe. Ich glaube dies war mein fünftes Mal. Der Weihnachtscross ist der dritte Lauf innerhalb des Trailcups 2016 / 2017, an dem ich unter anderem teilnehme.
Ebenfalls hieß es, dass ein sehr kleiner Teil der Strecke von einigen hundert Metern geändert wurde. 2016 gab es eine sehr rutschige Passage, die zu Stürzen und Stopps geführt hat. Diese Passage war kurz nach dem Start. Dieses Jahr sollte diese Passage durch einen Straßenabschnitt umlaufen werden.

Start
Es ging erst einmal auf eine dreiviertel Runde durch das Stadion, in dem wir starteten. Als wir das Stadion verließen waren wir direkt auf der neuen Passage. Die Straße war viel angenehmer zu laufen, als die rutschige Passage von 2016. Mir kam die neue Strecke ein wenig länger vor. Ich schätze so 200 m dürften das zusätzlich gewesen sein. Es ging sehr schnell zurück auf die „alte“ Strecke in Richtung der ersten Runde und damit dem ersten Anstieg.

1. Runde
Der Crossabschnitt fing nach ungefähr 2 km an und sollte bis km 13,5 nicht enden. Es war teilweise matschig, wegen des eher schlechten Wetters die Tage zuvor. Ich muss jedoch auch klar sagen: Der Großteil der Strecke war gut zu laufen. Ich hatte eine für mich angenehme Pace gefunden und lief diese auch bis zur ersten schweren Steigung gut durch. Dort angekommen, nahm ich das Tempo etwas raus. Der größte Fehler beim Weihnachtscross ist es, sich direkt in der ersten Runde kaputt zu machen.
Oben angekommen konnte ich etwas Luft holen und wieder das Tempo anziehen. Zu meiner Überraschung war der eine Getränkepunkt nicht da. In den letzten Jahren gab es immer einen Getränkepunkt, der nun fehlte er. Einen Schluck heißen Tee hätte ich mir dennoch gewünscht. Ich hatte mich, basierend auf meiner Erfahrung der letzten Jahre mit der Strecke, auch drauf eingestellt hier etwas zu trinken zu bekommen.
Ich musste erst den gesamten Berg runter laufen, bis ich zur Versorgungsstelle kam. Beim Downhill hatte ich ehrlich gesagt, gemischte Gefühle. Ich konnte es zwar gut laufen lassen, jedoch merkte ich, dass ich mich noch immer unsicher bei Downhills durch den Transalpine-Run fühlte.

2. Runde
Als ich den Berg runter gelaufen war, hatte ich ein Schluck Wasser genommen und keinen Tee. Es ging sofort weiter, da nun die zweite Runde anfing, die größtenteils identisch mit der ersten Runde war. Mir kamen einige 5 km Läufer_innen entgegen. Noch vor dem Anstieg lief ich auf die Gesamt-dritte Frau der 16 km auf und überholte sie. Kurz danach erreichte ich die 10 Kilometermarke in knapp 43 Minuten. Ich hatte 27 Minuten für Anstieg, das runter laufen und einen flachen Abschnitt zurück zum Ziel. Insgesamt waren es noch 6 km bis ins Ziel. Hier überholte auch Ariane und weitere Läufer_innen der 10 km Runde, die später gestartet waren. Beim Anstieg beschloss ich mich erneut nicht an mein Limit zu gehen, da ich die Kraft im flachen nutzen wollte. Es zogen einige an mir vorbei. In dieser Phase war es schwer an meinem Plan festzuhalten, doch ich konnte mich zusammenreißen. Als ich oben ankam fing das Zick-Zack-Laufen an, da ich viele aus der 10 km Runde überholte. Die anderen Läufer_innen ließen immer eine Gasse zum Überholen oder wichen kurz zur Seite, wenn sie bemerkten, dass jemand von hinten angelaufen kam. Über diesen Umstand war ich sehr erleichtert.

Ziel
Als ich den Hügel runter gelaufen war, nahm ich mir nur ein Schluck Wasser vom Verpflegungspunkt und trank im Laufen. Seit dem Downhill lief ein anderer Läufer in meinen Hacken und ich beschloss ihn nicht mich passieren zulassen. Die Konsequenz war, dass ich eine 3:55 min pro Km Pace lief. Diese wollte auf den letzten zwei Kilometern auch halten, irgendwie. Aktuell hatte ich nach 13,5 km eine gute Stunde auf der Uhr.
Mein Plan ging auf. Ich lief mit hohem Tempo in Ziel und ließ niemanden mehr mich überholen. Das schwerste war es, die Läufer_innen der 10 km Runde auf diesem flachen Abschnitt zu überholen. Das Überholen rieß mich kurzzeitig aus dem runden Rhythmus. Als ich ins Stadion einlief und noch die letzte 3/4 Runde vor mir hatte, wusste ich, dass ich auf jeden Fall unter 1:10h bleiben würde. Dennoch hielt ich mein Tempo und lief das Rennen zu Ende. 1:08:10h Brutto sollte es am Ende geworden sein. Netto habe ich keine offizielle Zeit, da ich zu den 50 Personen gehörte, wo die Messung fehlschlug und ein Brutto = Netto gemessen wurde. Laut meiner Uhr hätte es eine 1:07:58h sein müssen. Egal. Ich konnte meine Leistung vom Lauf in Everswinkel bestätigen und war letztendlich zufrieden. Ich wartete im Ziel auf Inga und Ariane, die beide einige Minuten nach mir einliefen.
Zu dritt machten wir uns auf den Weg nach Hause.

Fazit
Es war mal wieder ein schöner, gut organisierter Lauf. Die Streckenänderung empfand ich als sehr gut und ich hoffe, die Veranstalter behalten sie bei. Schade war es, dass die Chip-Messung dieses Jahr nur Suboptimal verlief.

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Nikolauf 2016 – Everswinkel

Wo stehe ich? Ich hatte ein dreiviertel Jahr nicht auf Tempo trainiert. Ich wollte im Jahr 2017 etwas mehr an Geschwindigkeit gewinnen und neue Bestzeiten erreichen. Mit welchem Spielraum ich rechnen kann, das wusste ich nicht. Der Nikolauslauf in Everswinkel (korrekterweise heißt er nur Nikolauf Everswinkel), sollte mir ein Gefühl davon geben, was für mich realistisch ist. Die Gesamtdistanz von offiziell vermessenen und flachen 15 km, wurden innerhalb von 6,5 Runden erlaufen.
Es war wieder ein Lauf, wo ich einige, wenige Personen fragte, ob sie mitkommen wollten. Am Ende kam Inga mit! Sie war die Frau mit der ich im Sommer 2016 fast alle langen Einheiten zusammen gelaufen bin. Juhu! Ich freute mich darüber.

Vor dem Start:
Wir kamen mit einer guten Stunde vor dem Start an. Ich kannte die Organisatoren nicht und plante etwas mehr Zeit ein. Ich wusste nicht, was mich vor Ort an Laufwegen und langen Schlangen erwartete. Es war sehr einfach einen Parkplatz zu finden. Dieser war direkt neben der Halle, wo man duschen, sich umziehen und die Startnummern bekommen konnte. Im Endeffekt hatten wir sehr viel Zeit. Es gab weder lange Laufwege, noch lange Schlangen noch sonst irgendetwas, was viel Zeit kosten könnte. Ich muss sagen, alles war sehr entspannt und gut organisiert.
Der Lauf in Everswinkel hatte einen Charme von einem kleinen, familiären Volkslauf. Eltern verkauften Kuchen oder gaben einem die Startnummern, Kinder tollten durch die Sporthalle. Alles war sehr überschaubar und sehr viele Starter gab es nicht. Es war wirklich eine nette, freundliche und schöne Grundatmosphäre.
Inga und ich zogen uns etwas später um und liefen uns mit einer halben Runde erst einmal warm. Denn am Parkplatz war zwar das Ziel, jedoch nicht der Start. Im Grunde war es nicht schlimm erst einmal eine halbe Runde zu laufen, denn warmlaufen ist grundsätzlich eine gute Sache. Wir hatten zwar recht kaltes aber trockenes und sonniges Wetter.

Der Start der 15 km Läufer_innen war auf einem Parkplatz. Es gab lediglich zwei kleine in den Boden gerammte Schilder, die auf den Start hinwiesen. Das einzige, was wir vermissten, war jemand Offizielles, der den Start geben könnte. So sammelten sich knapp 50 Personen und warteten auf einen Startschuss, den es aber nicht gab, weil niemand diesen geben konnte.

Ein bis zwei Minuten nach dem eigentlichen offiziellen Start kam ein Radfahrer angerast, entschuldigte sich und erläuterte, dass jemand ausgefallen sei. Er sprach über ein Funkgerät, da der Start der 7,5 km und 15 km Läufer_innen synchron passieren musste. Wir hatten zwar alle einen Laufchip für eine individuelle Laufzeitmessung, jedoch war bei diesem Lauf trotzdem Brutto = Netto-Zeit. Es gab nur eine Matte im Zielbereich die den Chip verarbeiten konnte. Somit musste die Zeitmessung im Zielbereich synchron über das Funkgerät gestartet werden.

Die erste Runde (ausführlich)
Es ging los. Da wir nur wenige Starter waren, gab es direkt kein Gedrängel. Wir liefen vom Start aus über Straßen zu einer Hauptstraße. Hiermit ist auch schon gut ein fünftel der Runde beschrieben.

Dort ankommen ging liefen wir auf dem Fußgängerweg neben der Straße zu dem Zielbereich. Dies war für mich der wohl unschönste Abschnitt. Hier hatte sich das Feld schon so sehr gezogen, das ich alleine lief. Der Zielbereich selbst war geteilt. Wer links einlief hatte es geschafft, wer rechts durchlief musste eine weitere Runde laufen. Kurz nachdem Zielbereich kamen wir zu der einzigen Verpflegungsstation, wo es Wasser und Tee gab. Da jede Runde etwas länger als 2 km war, brauchte ich nicht jede Runde etwas trinken. Ich griff in der dritten und fünften Runde zu und gönnte mir eine Erfrischung.

Nach dem Getränkepunkt führte die Strecke durch ein kleines Waldstücken. Ab der zweiten Runde brannten hier viele große Teelichter, die eine schöne, warme Stimmung bei mir erzeugten. Jede Runde war dieser Abschnitt eines meiner Highlights, auf die ich mich freute. Wer bei Wald nun einen einen Trail/Cross Abschnitt denkt, muss ich leider enttäuschen. Die Gesamte Runde wurde auf Asphalt gelaufen. Nach dem Wald folgte eine kleine Siedlung.

Als nur sehr wenige Häuser passiert waren, war ich wieder zwischen Feldern und lief der untergehenden Sonne entgegen, was an diesem Tag traumhaft schön war. Hier lief ich auf die ersten 7,5 km Läufer_innen auf, die eine viertel Runde vor uns gestartet waren.

Kaum hatte ich die Atmosphäre aufgesogen, war die Runde auch schon vorbei und ich lief am Start vorbei.

Runde zwei bis Sechs
Ich wollte Tempo machen und einige Läufer, die ungefähr mein Tempo liefen halfen mir eine Orientierung zu bewahren. Nach Runde zwei wusste ich, welche Abschnitte schneller zu laufen waren und welche langsamer zu laufen sind. Ich konnte ab Runde drei anfangen meine Kräfte entsprechend einzuteilen. Zudem war es schön, jede Runde aus der Siedlung heraus in die Felder zu laufen. Der Blick auf die untergehende Sonne war immer wieder schön. Neben den Teelichtern im Wald war dieser Abschnitt ein weites Highlight, was dem Wetter geschuldet war. Ab Runde vier fing ich an andere Läufer_innen aus der 15 km Gruppe zu überrunden. Inga sah ich jedoch nicht einmal. Ich vermutete sie knapp hinter mir und das sie ein tolles Rennen laufen würde.
In der sechsten Runde blickte ich hinter mich. Einige der Läufer, die mir als Orientierung dienten, waren etwas zurück gefallen. Ich beschloss für die letzte Runde noch einen drauf zu setzen und alles zu geben. Dies gelang mir auch. 400 m vor dem Ziel zog ich meine Kamera für den Zieleinlauf heraus. Das war gar nicht so einfach bei einer 3:45 min pro Kilometer Pace. Ich hätte mir das mit der Kamera auch sparen können, weil alle Bilder ausnahmslos stark verwackelt sind.

Ziel
Wie ich später zu Hause aus der Ergebnisliste erfuhr, lief ich als Gesamt Zehnter in 1:02:00h ein. Das war eine neue persönliche Bestzeit für flache 15 km. Als ich auf Inga wartete, hatte ich noch eine Diskussion mit den Zeitnehmerinnen. Auf diese gehe ich gleich im Fazit ein. Nach einigen Minuten lief Inga ein und hatte es als zweite Frau ebenfalls erfolgreich geschafft. Als Belohnung gab es einen Stutenkerl, der recht lecker war. Zur Siegerehrung blieben wir nicht. Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, ging es zurück nach Hause.

Fazit
Es war für mein ein toller Lauf. Ich habe nichts zu kritisieren, bis auf eine Sache. Im Ziel drohten mir die Zeitnehmerinnen mit Disqualifikation, weil ich Kopfhörer trug. Sie wussten weder, was ich hörte, noch ob ich etwas mir angehört hatte. Nur der Fakt, dass ich welche aufhatte, führte dazu, dass sie mich disqualifizieren wollten. Als ich entgegnete, dass mir das herzlich egal sei, schauten sie mich ungläubig an und meinten, dass der vierte sich über den dritten schon beklagt hätte. Dies sei schließlich ein offizieller DLV Lauf und es könnte um Qualifikationen gehen. Ich erwiderte, dass ich solche Läufe laufe, als Belohnung für mein Training und nicht als Ziel für mein Training. Ich führte weiter aus, dass ich mir auch Podcast anhöre und nicht notwendigerweise Musik. Dann kam das Thema Sicherheit als Argument. Ich entgegnete, dass ich hier voll zustimme, und dass ich extra aufliegende Kopfhörer habe, damit ich die Geräusche von außen möglichst nicht gedämpft wahrnehme, da ich In-Ears-Kopfhörer als Dämpfung empfunden hatte. In Kombination mit einem Podcast wäre es, als wenn ich mich mit anderen Läufern unterhalte. Alles das war den beiden Damen herzlich egal. Sie meinten, ich müsse mich nun beim Renndirektor melden und angeben, dass ich Kopfhörer auf hätte und mich disqualifizieren lassen. Sie selbst könnten es nicht entscheiden. Wir beendeten die Diskussion hier und ich ging nicht zum Renndirektor.
Das ist sicherlich ein ernstes Thema für einen ernsten Lauf, wo es um etwas geht. Wahrscheinlich war für einige dieser Lauf ein wichtiger. Für mich ging es aber um nichts, außer um eine Zeit und eine Einschätzung, was nächstes Jahr drin ist. Ich bin bei diesem Lauf nicht angetreten, um eine Platzierung zu erreichen oder um auf das Podest zu klettern. Ich wollte einfach einen tollen Lauf erleben, was ich auch habe. Ich war für die Streckenposten immer voll ansprechbar. Tatsächlich wurde ich in Runde sechs mehrfach angesprochen, ob dies meine letzte Runde sei oder ob ich in Runde fünf sei. Diese Diskussion im Ziel trübte meine Stimmung. Dies ist mein einziger negativer Punkt zum Nikolauf in Everswinkel.

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1. St. Martinslauf in Paderborn – Ein 10 km Lichtlauf

1. St. Martinslauf in Paderborn – 10 km in 5 Runden

Nach dem Röntgenlauf Ende Oktober, wo ich eine große innere Zufriedenheit verspürte, war ich zwei Wochen später, am Freitag, den 11. November 2017 in Paderborn zum 1. St. Martinslauf angemeldet. Die Idee des Laufes erschien mir schön: Eine 2 km Runde, die im Dunkeln gelaufen wird und auf unterschiedlichster Weise illuminiert wird. Sprich: Es ist ein Lichtlauf.
Zu meiner Überraschung, denn es war ja der Erste, war der Lauf über beide angebotenen Distanzen vollständig ausverkauft. Angeboten wurden 3 Runden (6 km) und 5 Runden (10 km). Insgesamt gab es 850 Starter_innen, wobei die meisten die 10 km Runde liefen.
Der Veranstalter war der gleiche, wie beim Paderborner Osterlauf.
Ich werde die erste Runde ausführlich berichten und die letzten vier Runden nur grob.

Anreise
Dieser Lauf fiel erneut in die Kategorie: Ich habe mehrere Leute gefragt, ob sie mit möchten, einige sagten ja, doch am Ende kam keiner mit. Die Anreise nach Paderborn selbst war entspannt.
Ebenso entspannt war die Abholung der Startnummer. Sie war direkt neben dem Start-/Zielbereich, der wiederum auf dem Domplatz in Paderborn war. Da es bitter kalt war, entschloss ich mich in einer nahe liegenden Arcade zu warten. Ich hatte noch gute 45 min bis zum Start und bei 0 Grad Außentemperatur, war ich um jede warme Minute froh. Auf dem Weg zum Start/-Zielbereich sah ich erste bunte Beleuchtungen. Es war sehr schön und ich war gespannt, wie es werden sollte.

Start
Auf dem Weg zum Start, gab ich meinen Kleiderbeutel ab. Kurz noch zu den reichlich aufgestellten Dixies und dann zur Startlinie. Mein Eindruck bis hierhin: Alles war top organisiert und ich konnte mich über rein gar nichts beklagen.

Gestartet wurde in drei kleinen Blöcken und leicht zeitversetzt. Jeder sollte sich selbst einsortieren, entsprechend seiner Selbsteinschätzung über die läuferische Stärke. Der erste Block ging bis zu einer Zielzeit von 42 Minuten und so stellte ich mich dort rein. Ich hatte keine Ambitionen, doch die Zeit sollte ich laufen können. Ich packte meine Kamera aus und wollte die erste Runde filmen.
Und dann ging es los!

Die erste Runde (ausführlich)
Ich lief los, direkt in eine rechts Kurve an Geschäften vorbei, wieder rechts auf einer Straße, gefolgt von einer kleinen Gasse. Ich kam bei einer Ansammlung von Cafés heraus und vor alten, wahrscheinlich katholischen Gebäuden heraus. Die Stimmung an der Strecke war je nach Hotspot sehr gut. Es kurzes Warnschild, dass nun Treppen kommen. Nach diesen Treppen ging es durch einen Innenhof und erneut Treppen runter. Bis hier hin war es schon eine sehr abwechslungsreiche Runde, doch wir hatten nicht einmal einen Kilometer vollenden.

Der nächste Abschnitt war ein kleiner Park. Dort waren große Teelichter/Kerzen aufgestellt, die nur schwach leuchteten aber es war trotzdem ein sehr schöner Anblick. Eine andere Stelle im Park war ein Lichtspiel, wo nur der Boden abwechselnd blau und orange beleuchtet war. War dieses Lichtspiel erlebt, hieß es kurz durchatmen, sich auf den Pflasterstein konzentrieren bis zum nächsten Event, welches auch sehr schnell kam.

Eine Bahn aus dutzenden Diskokugeln und -beleuchtung war aufgebaut und alle Läufer_innen durften da direkt durchlaufen. In meiner Erinnerung war dieses Event sicher gute 50 m lang. Vielleicht auch 70 m. Großartig!. Es war mein persönliches Highlight der Runde. Danach war das Publikum sehr motiviert, rief fast jedem zu, motivierte immer wieder.

Wieder bog ich in eine Gasse ein, die sehr schmal war. Hier war es schlecht zu überholen, denn es gab einfach kaum Platz. Das musste ich mir für die nächsten Runden merken. Nach der Gasse ging es Links einen doch knackigen, kurzen Anstieg hoch. Die Belohnung des Anstieges war die Beendigung der Runde und damit die das Wissen, die ersten zwei Kilometer absolviert zu haben.

Runde zwei bis fünf
Ich packte nach der ersten Runde meine Kamera weg. Nun wollte ich die Atmosphäre auf mich wirken lassen und mehr auf das drum herum achten. Die Runde änderte sich ja nicht mehr, jedoch die Menschen, die einen begegneten. Ich sah Väter und Mütter, die mit ihren Kindern liefen oder gingen. Sie hatten Startnummern, und trugen Laternen vor sich her. Das sah sehr süß aus. Ich freute mich darüber, dass dies wirklich kein Wettkampf war, sondern mehr ein Event. Ein Lob muss ich auch aussprechen. Wenn ich mal jemanden überholte, so reichte ein „Achtung bitte. Ich überhole von links“ und die alle haben mir oft, sofern möglich, etwas Platz gemacht oder ließen mich ohne Probleme vorbei. Es gab schon Veranstaltungen, wo dies anders war. Doch hier in Paderborn machte ich durchweg positive Erfahrungen.
In runde vier wurde ich vom ersten Läufer der 10 km überrundet. In dieser Runde realisierte ich auch erst, dass ich wirklich gut unterwegs war und entschied die letzten zwei Runden ein höheres Tempo anzugehen.

Ziel
Am Ende überquerte ich als 36. Gesamt die Ziellinie (von 486) in 41:00 min. Die Strecke offenbarte, dass sie laut meiner Uhr nur 9,5 km lang war. Auch die Topläufern liefen kaum schnellere Zeiten, als auf einer flachen 10 km Runde. Der Anstieg, die Treppen, die engen Gassen ermöglichen keine Topzeiten.

Ich erhielt einen Stutenkerl als Belohnung und holte meine Tasche ab. Die Zielverpflegung war sehr gut und es gab auch hier für mich nichts zu kritisieren. Ein tolles Event, welches sich auf jeden Fall für mich gelohnt hat. Ich werde wieder kommen. Als Eventlauf mit toller Stimmung und Organisation ist dieser Lauf absolut zu empfehlen. Ich merkte der Organisation ihre Erfahrung mit dem Paderborner Osterlauf an. Daumen hoch.

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