Biggesee Marathon 2017 – Entspannt und schön

Der Biggesee Marathon 2017

Ich schrieb schon 2014 über den Biggesee Marathon ausführlich. Es gibt keinen Lauf, den ich so oft als Geheimtipp weitergebe. Ich war 2014, 2015 und nun 2017 am Start. Leider konnte ich 2016 nicht starten, denn ich lief den Zugspitzultra Lauf am gleichen Tag. Dieses Jahr konnte ich beide Läufe machen, denn eine Woche lag dieses Jahr zwischen den Zugspitzultra und dem Biggesee Marathon. Ich möchte hier festhalten, dass ich keine Zeitambitionen hatte. Im Gegenteil. Ich wollte den Lauf einfach laufen und genießen. Die Freude am Sport ausleben und den Tag positiv in Erinnerung behalten. Daher war es mir egal, dass nur eine Woche zwischen diesen beiden Läufen lag.
Ich fuhr auch nicht alleine zum Marathon. Ich konnte zwei Personen dieses Jahr überzeugen mitzukommen: Niklas und Inga. Inga läuft mit mir den Marathon mit 930 Höhenmeter und Niklas den Halbmarathon mit guten 450 Höhenmetern.

Anreise und vor dem Start
Die Anreise ist wie immer unproblematisch. Nach knapp zwei Stunden Autofahrt kommen wir gegen 12 Uhr auf dem Parkplatz an, der nur 200 m vom Start entfernt ist. Um 14 Uhr ist der Marathon- und um 15 Uhr der Halbmarathonstart. Wir holen zuerst unsere Startnummern und legen danach eine Mittagspause ein, um uns etwas zu stärken.
Wir stellen beim Mittagessen fest, dass wir mit dem Wetter sehr viel Glück haben. In der Woche zuvor war es teilweise über 30 Grad warm gewesen und es gewitterte. Nun am Tag des Biggesee Marathons ist es trocken, bewölkt und es sind 21 Grad. Das beste daran ist, dass es noch einen kühlenden und angenehmen Wind obendrauf gab.

Start
Ich habe das Gefühl, dass ich Inga etwas nerve, da ich immer wieder sage: „Lass uns das ganz entspannt runter laufen, ohne Stress, ohne Zeitambitionen und einfach mit Freude am Laufen.“ Wenn es so ist, dann lässt sie es sich zumindest nicht anmerken. Niklas steht am Start und feuert uns und die anderen Starter an, denn er hat noch eine Stunde bis zu seinem Start.

Km 1 bis Km 5 – Der erste Anstieg
Nach wenigen hundert Metern geht es den ersten Berg hinauf. Ich finde, dass der erste Anstieg einer der beiden schwersten Anstiege des gesamten Laufes ist, der erst nach gut 2,5 km endet. Wir laufen locker hoch, lernen einen Marathon-Finisher kennen, der kurz zuvor den Stockholm Marathon lief. Wir kommen ins Gespräch und quatschen bis Km 5 über Läufe und auch über den Biggesee Marathon an sich. Bei Km 1,5 steht ein Dudelsackspieler und spielt Musik. Großartig, denke ich. Der war doch schon 2015 da.

Bei Km 3 ist Inga überrascht, als ich sage, das war der erste Anstieg. Zu diesem Zeitpunkt ist sie sogar 2. Frau im Gesamtfeld, was uns ziemlich egal ist, wie folgender Dialog kurz vor dem Verpflegungspunkt bei Km 5 zeigt:
Ich: „Lass dich nicht irritieren, falls sie am VP was sagen.“
Inga: „Was meinst du damit?“
Ich: „Naja, du bist 2. Frau, wenn ich mich nicht verzählt habe.“
Inga: „Ich will nicht auf das Podest, hoffentlich überholen andere mich noch.“
Ich muss lachen. In diesem Moment beim ersten VP (Verpflegungspunkt) bei Km 5 ist mir klar, dass wir beide im entspannten Laufmodus sind.

Km 5 bis Km 10 – Das Battle der Top 3 Frauen
Nach dem ersten VP geht es weiter in einen Singletrailabschnitt. Der Wind kommt leicht einem entgegen. Wir springen von rechts des Weges nach links und wieder zurück. Ein Sprung über Wurzeln und Geäst steigert das Gefühl von rauer Natur umgeben zu sein.

Gefolgt sind diese Eindrücke von den ersten weiten Aussichten ins Tal und in die Ferne. Diese Momente machen für mich den Biggesee Marathon aus. Ich mag die Strecke sehr, ich mag die Abwechslung, die einem geboten wird.

Inga und ich laufen weiter, vorbei an dem zweiten Verpflegungspunkt bei ungefähr Km 7,5. Plötzlich werden wir von zwei Frauen überholt, die eilig an uns vorbei rennen. Wir beobachten das Geschehen ungefähr 100 m vor uns über mehrere Km. Die nun zweite und dritte Dame kämpfen richtig. Ich sage zu Inga, dass es so ähnlich auf dem Hermannslauf war und ich auch dort den Kampf um Platz drei sehr interessiert verfolgt habe.
Der Untergrund wechselt von Forstweg zu Straße. Wir passieren die 10 Km Marke und ich sehe auf der Uhr, dass wir so bei 55 Minuten sind. Ich denke an meine ersten beiden Biggesee Marathons zurück und denke mir: Wir sind wirklich entspannt unterwegs. Gerade zwischen Km 5 und Km 10 haben uns viele Leute überholt.

Km 10 bis Km 20 – Das Feld wird langsamer
Nach dem 10. Km geht es langsam etwas bergauf. Es ist gut laufbar, auch wenn die Steigung nicht ganz ohne ist. Wir werden immer wieder von anderen Läufern überholt, aber weitere Läuferinnen sehen wir nicht. Eine Autofahrerin reiht sich hinter uns ein. Sie macht keinen Stress. Als etwas Platz ist, überholt sie sehr vorsichtig und jubelt bei offenen Fenstern jedem zu.
Wir erreichen bei Km 12 das Ende des Anstieges und damit den nächsten VP. Das ist die erste Versorgung, wo es nicht nur Wasser gibt. Ich nehme etwas Iso zu mir und esse ein viertel Apfel. Ein weiteres Viertel nehme ich mit und esse es beim Laufen. Wir stellen fest, dass die 2. und 3. Dame erneut die Plätze getauscht haben und wir nun langsam auf die 3. Dame auflaufen, ohne, dass wir unser Tempo erhöht haben. Wald und Straßenabschnitte wechseln sich hier ab. Bei Km 16 erscheinen Tümpel auf der rechten Seite. Ich zeige durch die Kronen der Bäume neben uns und meine: „Hier siehst du das Kloster oder die Burg, von dem ich im Vorfeld sprach. Die nächste Verpflegung ist erreicht.“ Wir trinken etwas, ich esse erneut etwas Apfel und es geht nach einer halben Minute weiter.

Wir laufen einen Singletrail Downhill, nur um dann nach einigen hundert Metern „unten“ anzukommen sein. Wir folgen einem Bach / Fluss entlang. Der Abschnitt ist wieder flach und führt uns in die Stadt Attendorn hinein. Hier überholen wir die dritte Frau und Inga nimmt ihre Position ein. Als uns erneut einige Herren überholen und Inga plötzlich mitziehen möchte, ermahne ich sie, sich nicht verleiten zu lassen und mit den Überholern mithalten zu wollen. Es würde hier keinen Sinn machen jetzt das Tempo zu erhöhen und wir sollten ruhig bleiben. Wir werden die Kraft in der zweiten Hälfte brauchen, da dieser Abschnitt anspruchsvoller sein wird. Sie vertraut mir und wir bleiben bei unserer Pace.

Der Abschnitt in der Stadt ist nicht schön, aber dafür sehr kurz. Weiter geht es am Fluss und damit wieder aus dem Stadtabschnitt heraus. Wir laufen kurz danach Serpentinen hoch. In weißer Farbe sind dort Zahlen notiert, die einem runterzählen, wie viele Serpentinen es noch sind, bis man oben ankommt. Dann sind es nur noch wenige hundert Meter bis wir zur Streckenteilung zu kommen. Die Streckenteilung ist gleichzeitig die Km 20 Marke. Links geht es für die Halbmarathonläufer und rechts für die Marathonläufer weiter. Wir haben ungefähr 1:52h Stunden auf der Uhr. Wir laufen beide im niedrigen Pulsbereich und für uns gesehen locker. Auch auf den letzten 10 km wurden wir von einigen überholt. Inga meint, ob wir so langsam wären? Ich antworte mit einem klarem nein. Wir hätten gut mit den Kräften hausgehalten. Der zweite Abschnitt sei der für mich schönere Abschnitt, aber auch der schwierigere. Wer auf der ersten Hälfte seine Kräfte unnötig verspielt, hat es auf der zweiten Hälfte deutlich schwerer. Wir biegen rechts in die zweite Hälfte ab.

Km 20 bis Km 26 – Quatschen und Stille
Es wird flach bis Km 22. Beim Halbmarathon laufen wir an der Verpflegungsstation der JVA (Justizvollzugsanstalt) Attendorn vorbei, wo wir wieder eine gute Verpflegung erhalten. Es geht weiter zu dem wohl härtesten Anstieg des Laufes. Auf diesem Anstieg gehen alle, auch wir. Inga und ich unterhalten uns auf diesem Abschnitt darüber, dass sie zuvor nie auf einem Lauf gegangen ist, was mich überrascht.

Ich erzähle ihr, dass es beim Trail, insbesondere beim Ultra völlig normal wäre Passagen zu gehen und dies absolut kein Zeichen von Schwäche ist, sondern auch Taktik sein kann. So gehen wir diese 200m bis 300m steil bergauf. Oben angekommen laufen wir weiter und haben einen wunderschönen Abschnitt bis Km 26 vor uns, der uns durch urige Wälder führt.

Mal geht es leicht hoch, mal leicht bergab. Alles ist dicht bewachsen und einsam. Kurz vor der Verpflegung bei Km 26 gehen wir nochmal 50 m einen steilen Abschnitt hinauf. Warum auch nicht? Die Zeit war uns egal. Interessanterweise beginnen wir hier automatisch wieder einige Leute einzuholen, die oft länger gingen oder deutlich langsamer laufen, als noch auf der ersten Hälfte.

Km 26 bis Km 32 – Der Märchenwald
Meiner Meinung nach, ist der wohl härteste Abschnitt des Marathons liegt zwischen Km 26 und Km 30. Wer diesen Abschnitt hinter sich gebracht hat, hat auf dem Biggesee Marathon die meisten positiven Höhenmeter abgelaufen. Bei Km 30 ist ungefähr der höchste Punkt des gesamten Marathons.

Inga und ich laufen fast als einzige bis Km 29, wo wir kurz stehen bleiben. Vor uns liegt eine schöne Aussicht und wir nehmen uns ein paar Sekunden, um sie auf uns wirken zu lassen und zu genießen den Moment.

Wir gehen von hier aus einige hundert Meter weiter. Ich merke nun langsam, dass ich eine Woche vorher den Zugspitzultra gelaufen bin. Bei ungefähr Km 29,5 laufen wir weiter, wohlwissend, dass nun mein persönliches Highlight der Strecke kommt: Der Märchenwald!

Auf einer Länge von ungefähr einen Km laufen wir durch einen Wald, der zudem ein Singletrailabschnitt voller Dekorationen ist. Ein Paradies für Kinder und Familien, aber mich erheitert es immer wieder. Wir sehen Statuen, Holzschmuck und geflochtene Äste. Wunderschön dekoriert und erlebbar! Der eine Kilometer geht viel zu schnell vorbei und endet in einem Downhill, der uns direkt zur drittletzten Verpflegung bei Km 32 bringt.

Hier bei Km 32 angekommen, wird Inga zum ersten Mal begrüßt als: Da ist die dritte Frau im Gesamtfeld. Sie nahm das entspannt zur Kenntnis und wir trinken, essen, bedanken uns und laufen weiter.

Km 32 bis Km 42 – Partystimmung ohne Ende
Wer glaubt, dass so ein kleiner Lauf keine Stimmung erzeugen kann, der sollte sich auf die letzten 10 Km und die letzten zwei Verpflegungspunkte freuen.
Doch zuerst müssen wir sie erreichen. Von Km 32 an bis ungefähr Km 36 geht es bis auf wenige Meter nur bergab und es ist flach. Inga und ich holen nach und nach wieder Läufer ein. Hier zeigt es sich, dass wir gut mit unserer Kraft hausgehalten haben. Den Läufer, der beim Stockholm Marathon startete, sehen wir das erste Mal seit Km 5 wieder und lassen ihn, nach einem kurzen Gespräch über sein Befinden, hinter uns. Wir holen noch eine Reihe weiterer Läufer ein und werden gar nicht mehr selbst eingeholt.

Die Strecke führt aktuell fast vollständig durch den Wald und es ist schön kühl und angenehm. Kurz vor dem VP bei Km 36 erklingt der laute Anfeuerungslärm. Ach! Ich mag diesen Punkt und ich mochte in den Jahren zuvor. Wir erreichen ihn unter großem Jubel einiger weniger. Wir bekommen sogar Getränke angeboten, die pauschal gar nicht auf den Verpflegungstischen stehen. Inga wird wieder als dritte Frau angesprochen und nebenbei versorgt man uns vorbildlich. Wir werden gefragt wie es uns geht und die Leute am Verpflegungspunkt sprechen uns großen Mut zu, dass bald es geschafft sei. Sie jubeln und feuern jeden einzelnen energisch immer wieder an. Wir brechen auf und laufen weiter.

Diesmal sind es nur drei Km bis zum letzten Verpflegungspunkt des Marathons. Ich erzähle Inga, dass nun es noch ein Highlight gibt. Der VP bei Km 36 macht immer unheimlich viel Stimmung und der bei Km 39 bietet eine Sirene zur Begrüßung. Mir geht es immer weniger gut und ich merke leichte Magenprobleme, die mich nicht wundern. Schließlich hatte ich nur vor einer Woche massive Probleme beim Zugspitzultra, doch ich kämpfe mich irgendwie durch. Erst wollte ich Inga anbieten, ob sie nicht Vorlaufen möchte, aber ich bitte sie bei mir zu bleiben. Es wären nur noch 4 Km und so viel könnte sie nun auch nicht mehr raus laufen und zu zweit sei es doch schöner, wenn man schon 38 km zusammen gelaufen ist.
Kurz vor dem letzten VP verlassen wir die Natur und kehren nach Attendorn zurück. Wir erreichen den letzten VP und die Sirene in mitten eines Siedlungsgebietes erklingt für uns. Dazu gibt es Applaus und Jubel von den Zuschauern. Ich bekomme wieder ein gutes Gefühl und ich bin für die Motivation dankbar. Inga erzählt mir nach dem Lauf, dass dieser Moment ihr Highlight des gesamten Laufes war. Unsere Pause ist recht kurz und wir laufen weiter. Nun müssen wir nur noch 3 Km durch die Stadt laufen und dabei einen letzten Anstieg nehmen. Gesagt, getan. Am Ende des Anstieges bitte ich Inga, noch ein letztes Mal die letzten Meter mit mir zu gehen. Als wir oben auf dem Damm des Biggesees ankommen, laufen wir erneut los.

Ziel und Fazit
Ich zeige über den Biggesee und sage zu Inga, dass unser Ziel sichtbar ist. Wir laufen eine gute Pace für die letzten gut 1,5 km. Gefühlt geht die Zeit schnell vorbei und irgendwie sind wir dann schon im Ziel. Wir bekommen unsere Finisher-Medaillien umgehängt und Inga wird als dritte Frau begrüßt bei ihrem Zieleinlauf.

Im Ziel wartet Niklas auf uns und begrüßt uns und gratuliert uns. Er war von dem Halbmarathon völlig begeistert. Er lief ihn in 1:39h und möchte unbedingt wieder kommen.

Er überlegt auch den Marathon beim nächsten Mal zu machen. Inga sagte mir einige Tage nach dem Lauf, dass sich eine Rückkehr ebenfalls vorstellen könnte. Und ich? Ich bin sowieso ein Fan von diesem Marathon. Dies war meine dritte Teilnahme beim Biggesee Marathon und sicherlich nicht meine Letzte. Nur wer kommt beim nächstes Mal mit?

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