Hermannslauf 2016 – Der Lauf meines Lebens

Hermannslauf 2016 – Der Lauf meines Lebens

Ich habe eine sehr enge emotionale Verbindung zum Hermannslauf. Es ist schon verwunderlich, dass ich nicht vorher einen Blogeintrag über diesen Lauf verfasste. Seit dem Jahr 2009 laufe ich jedes Jahr diesen 31,1 km langen Traillauf von Detmold nach Bielefeld. Doch der Ursprung ist, dass ich am meisten gelitten, am meisten Schmerzen nicht auf Marathonläufen oder anderen Trailläufen hatte, sondern auf diesem Lauf, der sowas wie ein Heimspiel ist.

2009 bis 2015 – Ein Review
Der Hermannslauf ist wie eine Wundertüte. Du hast eine Ahnung was dich erwartet, aber es gibt immer eine Überraschung. 2009 bis 2011 waren es sehr heiße Wettkampftage, teils bis 27 Grad. Gerade mein erster Hermannslauf war sehr heiß und entsprechend meiner damaligen Form nicht gerade sehr schnell. 3 Stunden und 37 Minuten sollte ich für die Strecke benötigen. Neben 2009 musste ich 2011 auch in die Notaufnahme nach dem Hermannslauf, weil ich mich in den beiden Jahren verletzt hatte. Einmal litt das Knie, einmal war es eine Bänderüberdehnung. Doch ich habe die und andere Schwachstellen gezielt trainiert und seit dem *klopft auf einen Tisch* keine so starken Verletzungen mehr gehabt. Es gehört wohl leider als Anfänger dazu, der ich damals definitiv noch war, einfach Defizite im Training nicht zu bemerken.
2009 war mein Ziel den Hermannslauf überhaupt zu finishen. Er war eine Zwischenmarke für meinen ersten Marathon, der ungefähr sechs Monate später folgen sollte. Das schaffte ich. Ich nahm alle Willenskraft zusammen, guckte auf meine Uhr und sah zu, dass ich innerhalb der Streckenschließung blieb. Ab und zu trabte ich wieder an aber konnte wegen dem Knie mich kaum laufend bewegen. Doch ich gab nicht auf und kam, wie erwähnt nach 3:37h ins Ziel.
Da hatte ich sie, die Finisher-Medaille des Hermannslaufes 2009. Ich war damals stolz darauf und auch heute bin ich es noch. Mein nächstes Ziel war es unter 3 Stunden zu laufen, was ein equivalent darstellt zur berühmten 4 Stundenmarke beim Marathon. Viele möchte einmal darunter bleiben, so ich ebenfalls. Dieses Ziel erreichte ich direkt im Jahr 2010 mit einer 2:58h. Mein neues Ziel wurde es zumindest einmal unter 2:50h zu bleiben aber meine Leistung stagnierte in den nächsten Folgejahren zwischen 2:58h und 2:54h. Erst 2013 erlebte ich einen riesen Fortschritt, da ich das Training umstellte und gezielter auf Trails trainierte. Ich nahm mir nicht 2:50 als Ziel sondern eine 2:30h! Welch ein unrealistisches Ziel, dass war mir aber egal. Ziele sollen einen fordern und motivieren. Ein solcher Leistungssprung war nun doch schon enorm. Ich finishte in 2:34h und 2014 sogar in einer 2:32h. Es fehlte nicht mehr viel. Es liest sich sicherlich schnell, aber ich spreche hier von vielen Jahren, unzähligen Trainingsstunden und Disziplin. So trainierte ich für 2015 noch härter. Mehr Bergspringt, schnelleres Grundtempo und vieles mehr. Ich fühlte mich gut und dann kam der Wettkampftag und dieser war ein Musterbeispiel für das Pech einer schlechten Tagesform. Ich merkte schon nach 10 km, dass es nicht läuft. Nach 18 km war mir damals bewusst, dass ich nicht unter 2:30h bleiben werde. Nach 23 km setzte mein Kreislauf aus und ich hatte Schwindel, Kreislauf und mir wurde Schwarz vor Augen. Ich musste gehen und wurde erst später von einer Wanderin aufgepeppelt, weil die Sanitäter mich einfach bis zur 2 km entfernten Verpflegungsstadion schickten ohne sich meinen Zustand genauer anzugucken. Dank dem Traubenzucker der Wanderin und etwas Zucker und Iso an der 2 km späteren Verpflegungsstation kam ich wieder in meinen Rhythmus, doch die verlorene Zeit holte ich nicht mehr auf und kam am Ende mit einer 2:44h ins Ziel. Wieder ein Jahr und zum dritten Mal in Folge, dass ich mein Ziel nicht erreichte. Vielleicht sollte es nicht sein, vielleicht bin ich nicht in der Lage dieses Ziel, diese Marke zu unterbieten? Ich nahm an, dass ich am Limit meiner Leistungsfähigkeit angekommen sei. 2:30h sollte für mich unüberwindbar sein. Ich war niedergeschlagen, ich war traurig und ich akzeptierte die Situation … für einige Wochen. Ich beschloss dickköpfig nicht aufzugeben und es nochmal zu probieren. Ich brauchte einen neuen Impuls, ich brauchte neue Ideen. Ich war in meinem Training zu eingefahren und das musste sich ändern.

November 2015 bis April 2016, ein halbes Jahr der Vorbereitung
Okay, ich brauche neue Impulse, doch wie? Neue Laufgruppe und Literatur war meine Antwort. Ich schloss mich der kostenpflichtigen Trainingsgruppe für den Hermannslauf ‚Mein bester Hermann 2016‘ vom Active Sportshop Bielefeld an. Im Rahmen dieser Gruppe folgte ein Ernährungsseminar, Grundkurs in Trainingslehre, Trainingspläne und viele gute Gespräche. Ich möchte hier erwähnen, dass dies meine Erfahrung ist, ich weder dafür bezahlt werde, noch wissen die, dass ich diesen Artikel hier schreibe.
Ich weiß noch, dass ich mich doof fühlte, da es 4 Leistungsgruppen (Gruppe A bis D) für das Training gab. In A sollten jene trainieren, die unter 2:30h finishen möchten und in Gruppe D trainierten jene, die überhaupt erfolgreich finishen wollten, ohne Zeitvorgabe. Als ich mich als völlig unbekannter direkt für die stärkste Gruppe anmeldete, fühlte ich mich schon etwas seltsam, denn andere Teilnehmer_innen sagten mir direkt, dass eben jene Gruppe sehr klein sei und sie kaum Nachwuchs bekam. Auf Grund des Ernährungsseminar änderte ich weitreichend meine Ernährung ab Anfang 2016. Der Trainingsplan gab mir neue Reize. Ich nahm Krafttraining noch ernster, sowie Tempotraining. Ebenfalls kaufte ich mir mehrere Laufbücher, die mir sagten, wie man eher „richtig trainieren sollte. Allein über das Thema Training streiten sich die Gemüter und ich möchte dies hier ausklammern.
Ich erkannte wie viele grundlegende Fehler, ich die letzten Jahre gemacht habe. Ich trainierte nicht mehr nach Gefühl, sondern nach Puls. Falls ihr euch fragt, ob das alles noch Spaß machen kann, kann ich nur sagen: Ja, sowas von! Ich änderte alles langsam und ich achtete stets drauf, das mir das Laufen in erster Hinsicht noch Freude bereitet. Wenn es dem nicht so wäre, hätte ich aufgehört soviel umzustellen.
Natürlich hatte ich mit der Form absolut keine Erfahrung und ich konnte mich in keinster Weise wirklich gut vorstellen, ob dieses Training wirklich etwas bringt, aber ich machte weiter. Was hätte ich schon zu verlieren? Nichts. 🙂 Wenn ich das Ziel dieses Jahr nicht erreichen sollte, dann wäre es so und es wäre okay. Den seit ich dieses Jahr soviel umstellte und mich selbst sehr stark reflektierte, weiß mehr denn je, warum ich diesen Sport ausübe. Ich liebe diesen Sport. Er gibt mir viel, fordert aber auch einiges. Erfolge sind wahre erarbeitete Erfolge und das ist gut so. Meine Art von Erfolge ist nicht schneller als Person X zu sein, sondern weniger Zeit für eine Strecke zu brauchen, oder eben neue Strecken zu meistern.
Einige kleinere Testwettkämpfe waren gelaufen und liefen sehr gut und waren als Indikator ein erstes Zeichen, dass ich ganz vielleicht unter 2:30h bleiben könnte.

24. April 2016 – Hermannslauf
Kilometer 0 – 11 Uhr – Start
Wie immer am Start eines Laufes, wusste ich nicht, was mich erwartet. Natürlich ist es mein achter Hermannslauf, und natürlich gibt es eine gewisse Routine. Die Gefühle, die Emotionen sind nicht mehr so intensiv, wie beim ersten Mal. Ich wusste welche Strecke vor mir liegt, ich wusste, wie ich meine Kraft einteilen musste. So stand ich im Block A und durfte, wie einige hundert Weitere direkt loslaufen. Block B startet immer um 11:05 und Block C um 11:15.

Kilometer 3
Nach drei Kilometern fast nur Bergablaufens kommt ein Stück gerade Straße. Der Kilometer drei Anzeiger ist für mich immer der Punkt, wo ich die erste Zwischenzeit mir angucke. 11:37 min zeigte mir die Uhr an. Ich war doch etwas schneller, als ich es geplant hatte. Die Gefahr ist, dass man schon hier zuviel Energie investiert, was sich später rächen kann. Eigentlich wollte ich erst nach 12 min hier sein. Ich musste aufpassen und mich drosseln. Vor allem, in zwei Kilometer fing der erste Berg an.

Kilometer 4
Ich traf Christian, ein Laufkollege aus Bielefeld. Ich halte ihn für einen sehr starken Läufer und war überrascht, dass er vor mir auftauchte. Wir unterhielten uns und ich bemerkte, dass er ähnliche Zielambitionen hatte. Soviel sei gesagt, wir liefen sehr vergleichbar. Mal war ich 50 m vor ihm, meistens war aber er 50 m vor mir.

Kilometer 5
Der Hermannslauf fing nach gut 21 Minuten nun für mich erst richtig an, denn der erste Berg zeichnete sich langsam ab: Der E-Berg. Ein langgezogener Berg, der jedoch noch gut zu laufen ist und irgendwie bei Kilometer 7,5 enden sollte. Der weiche Sand am Anstieg führte dazu, dass sich viele Läufer an den Rand drängten, wo zumindest einige Erde den Boden fester machten.

Kilometer 8
Ich überholte Björn, einen anderen Läufer aus der ‚Mein schnellster Hermannslauf‘-Gruppe der seine Freundin als Pacemaker begleitete. Er lief die Jahre zuvor immer knapp über die 2 Stunden, doch dieses Jahr war verletzungsbedingt angeschlagen. Er kommentierte „Ich habe dich schon vorher erwartet, du bist ein wenig spät dran.“ Ich musste schmunzeln und entgegnete, dass ich mich nicht überlasten wollte, der schwerste Abschnitt käme ja noch. Wir wechselten noch einige Worte und ich lief an ihm vorbei weiter ins Tal.

Kilometer 9
Der erste Hotspot auf der Panzerstraße! Trotz eher schlechten Wetters war hier sehr viel los. Es ist immer wieder erstaunlich, welch Stimmung hier ist und wie motiviert sich die Leute an den Rand stellen. Ich freue mich einfach und bemerkte, wie ich von vielen überholt werde. Solche Zuschauermengen sind natürlich motivierend, aber ich bremse mich. Kraft, ruhiger und gleichmäßiger Rhytmus sind mir wichtiger als mich jetzt zu einem hohen Tempo anzustacheln.

Kilometer 10
Ich verlasse die Panzerstraße und biege rechts in den Wald ein. Ein langes, relativ flaches Stück Waldweg folgt nun. Bei Kilometer 10 gucke ich auf die Uhr: 43:10 min. Ich war recht zügig unterwegs und machte mir schon sorgen. Das war auf jeden Fall die beste Zwischenzeit, die ich je nach 10 Kilometern auf dem Hermannslauf hatte. Erstaunlich, aber ich fühlte mich gut. Ich wollte nun jedoch etwas Tempo bewusst raus nehmen und drosselte mich auf eine maximale Pace von 4:25 min pro Kilometer.

Kilometer 12
Ja, ich werd‘ nicht mehr! Da ist eine ganz bestimmte Läuferin aus Minden vor mir. Dafür muss ich etwas ausholen. Ich nahm vor einigen Jahren an der Mühlenkreisserie teil und lernte bei einer Siegerehrung dieser Laufserie die Sarah kennen, die beim TUS Minden ist. Ich glaube nicht, dass sie mich noch kennt oder sich an mich erinnert. Ich erinnere mich jedoch sehr gut. Sie ist eine unglaublich starke Läuferin und mir ist es in all den Jahren nie gelungen sie zu überholen. Auf jedem Wettkampf auf dem ich sie sah, lief ich an sie ran, doch ich schaffte es nie, nicht ein einziges mal, sie zu überholen. Nun war sie vor mir, nur wenige Meter, weil sie mir vorher nicht auffiel. In diesem Moment beschloss ich, dass ich sie nun einmal wenigstens in meinem Leben überholen wollte und sei es nur für 100 m. Ich trat etwas an und überholte sie und war nun gespannt, wie lange es dauern sollte, bis sie mich wieder überholte.

Kilometer 15
Nach 1:06h erreichte ich den Tönsberg, der für mich schwerste Berg im Wettkampf. Ich entschied mich für einen Mix aus Laufen und Gehen. Kurz zuvor überholte ich Christian, der bis Kilometer 14 meistens wenige Meter vor mir war oder neben mir war. Durch meine Strategie locker den Berg hoch zugehen/zu laufen überholte mich Christian und setzte sich auf weit über 100 m von mir ab und diese Distanz sollte ich lange nicht mehr aufholen können.

Kilometer 17
Ich lief runter ins Tal nach Oerlinghausen. Der zweite Hotspot stand an, doch dieser war irgendwie anders als sonst.

Kilometer 18
Normalerweise ist in Oerlinghausen sehr viel los, doch auf Grund des trüben und eher schlechten Wetters war gefühlt tote Hose im Ortskern, den wir passieren durften. Ich verlor nicht viel Zeit am Verpflegungspunkt und verließ die Ortschaft. Nun ging es auf zu meinem persönlichen Angstpunkt: Das Schöpktetal.

Kilometer 20
Da war der Punkt, das Schöpktetal. Auf den meisten Hermannsläufen brach ich hier das erste Mal ein. Ich konnte nicht mehr oder war temporär erschöpft. In diesem Moment fühlte ich mich eigentlich gut, wenn der Mix aus Graupel und Schneesturm nicht eingesetzt hatte. Stellt euch vor: Es ist der letzte Sonntag im April; freie Ackerflächen und am Rande dieser Flächen ist ein Waldweg und ihr lauft gegen den starken Wind. Schnee und Graupel flog mir ins Gesicht. Da lief ich nun mit Langarm-Shirt und kurzer Hose. Irgendwie war es doch Ironie, dass dies genau an meinem persönlich meist gehasstem Punkt während des Laufens passierte.

Kilometer 21
Der Schnee und Graupel ließ langsam nach und ich überholte exakt an dieser Kilometermarke wieder Christian, nach 6 Kilometern, denn solange brauchte ich, um die 100 m wieder rein zulaufen, um wieder auf ihn aufzuschließen. Ich fühlte mich gut und sah wieder auf die Uhr: 1:34:07h benötigte ich bisher. Ich war damit 53 Sekunden unter meiner als Idealzeit berechneten Finisher Zeit. Ich fühlte in mich hinein und spürte, dass es mir immer noch blendend ging. Genau ab diesem Punkt bis zum Ziel benötigte ich 46 Minuten im Training bei gegebenen Wettkampftempo. Ich schmunzelte und schrie zu Christian: „Komm Christian, noch 46 Minuten, dann haben wir es geschafft.“ Er schien sich gerade nicht so gut zu fühlten und gab sich skeptisch. Ehrlich gesagt, bedeutete dies eine Zielzeit von 2:20h ungefähr für mich. Alleine mit dieser Zeit wäre ich sehr glücklich gewesen, denn mein Ziel war es eine 2:30h zu laufen. Ich rechnete es mir hoch und dachte: „Ja super, dann habe ich jetzt gute 55 min für die letzten 10 km.“ Selbst in diesem Moment glaubte ich nicht ansatzweise daran, in Richtung 2:20h zu laufen.

Kilometer 23
Die Treppen von Lämmershagen waren vor mir. Der Punkte wo ich ein Jahr zuvor mein Kreislaufproblem hatte und sehr viel Zeit verlor. Ich passierte die Treppen und lief weiter und es ging mir immer noch richtig gut. Christian blieb dran und wir liefen einige Zeit gemeinsam.

Kilometer 25
Links von mir war der eiserne Anton (ein Aussichtspunkt mit Eigennamen) und der letzte richtige Verpflegungspunkt, der mehr als nur Wasser hatte. Ich griff noch einmal richtig zu und stärke mich schnell. Ich sah bewusst nicht auf die Uhr, denn ich wollte das Gefühl eines Laufes den ich genieße. Ich wusste, dass ich gut in der Zeit bin.

Kilometer 27
Ab Kilometer 27 geht es nur noch Bergab oder flach weiter. Es gab kein richtigen Anstieg mehr, was mich sehr zufrieden stimmte. Ich sah auf die Uhr auf war völlig irritiert: 2:01h! Wenn ich die letzten 4,1 km mit einer Pace von 4:30 laufen würde, dann könnte ich tatsächlich unter 2:20h bleiben? Oh mein Gott! Oh mein Gott! Was passiert hier gerade?
Dieser Moment brachte mir die Erkenntnis, dass ich mein Ziel auf jeden Fall erreichen werde: Meine erster Hermannslauf unter 2:30h. Jahre hatte ich drauf hin trainiert und nun hatte ich noch 28 Minuten für 4,1 km. Das sollte mir nicht mehr zu nehmen sein.

Kilometer 29
Hier überholte mich Christian zum letzten Mal. Ich sollte ihn nicht mehr einholen können, denn er zog mit seinem Tempo noch einmal richtig an. Ich sah erneut auf die Uhr: 2:10h. Nur noch 2,1 km in weniger als 10 Minuten sind theoretisch machbar, aber langsam setzte doch eine Müdigkeit ein. Ich lief am letzten Getränke-Wasser-Stand vorbei und nahm nichts. Ich hatte beim eisernen Anton ausreichend getrunken. Ich fühlte mich gut und es war kühl. Jetzt kam es doch auf jede Sekunde an.

Kilometer 30
Endlich war auf der Promenade. Der letzten Stück Weg zieht sich leider jedes Jahr, trotz eines zügigen Tempos von 4:30 min pro Kilometer. Ich sah ein letztes Mal auf die Uhr: 2:14:30h. Das werde ich nicht vergessen. Ich musste nun nur noch 1,1 km in unter 5:30 Minuten laufen und ich würde unter einer anderen magischen Grenze laufen. Ich rechnete meine Pace fix im Kopf durch und kam auf eine benötigte Zeit von 4:58 Minuten, wenn ich mein Tempo halten würde. Das reichte, um genau 32 Sekunden.

Kilometer 31,1 – Das Ziel
Ich lief weiter und als ich endlich das Ziel sah, konnte mich nichts mehr halten. Ich fühlte ein letztes Mal in mich hinein und alles fühlte sich gut an und zog ein letztes mal das Tempo an. Es war kein Sprint, denn ich wusste ich bleibe drunter und mehr möchte ich gerade nicht. Ich lief ins Ziel und jubelte, schrie und war einfach zufrieden und glücklich. Ich hatte mein besten Hermannslauf beendet. Dies war mein Tag, als 174. Mann mit einer Zeit von 2:19:18h lief ich ins Ziel und erreichte eine Leistung, an die ich niemals geglaubt hatte und niemals erwartet habe. Es war der Lauf meines Lebens.

Einige Tage später:
Nachdem ich den Lauf verarbeitet hatte, beschloss ich mir kein zeitliches Ziel mehr für den Hermannslauf zu stecken. Alle zukünftigen Hermannsläufe sollen so enden, wie ich halt in Form bin. Ich werde weiterhin entsprechend trainieren. Ich habe auf dem Hermannslauf zeitlich mehr erreicht, als ich je erwartet hatte. Natürlich könnte ich nun sagen: Ich peile die 2:15h an, aber das möchte ich nicht forcieren. Persönliche Ziele können nicht immer weiter, höher und schneller gehen. Sollte ich diese Leistung noch einmal toppen, dann werde ich erneut laut jubeln und mich enorm freuen, aber ich möchte primär Gesund und Spaß am Laufen haben und je höher man sich Ziele steckt, umso vielfacher sind die Kosten, um eben jenes zu erreichen. So gilt es für mich primär Gesund zu bleiben, Spaß zu haben und die Leistungsstufe zu halten und nach vorne zu schauen.

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