Transalpine-Run 2016 – Von Garmisch-Partenkirchen (Deutschland), über Österreich nach Brixen (Italien) – Teil 1 von 3

Vorwort im Allgemeinen, sozusagen ein Disclaimer:
Ich habe diesen Bericht primär für mich geschrieben, um die Erinnerungen stets frisch zu halten. Ich hatte überlegt, ob ich sieben Einzelberichte, oder ob ich einen sehr ausführlichen schreibe. Nachdem ich die erste Fassung des Berichtes für die gesamte Veranstaltung fertig hatte, entschloss ich mich, den Bericht zu dritteln. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen. Denn jetzt geht es los.

Vorwort:
Dieses Vorwort schreibe ich, nachdem ich die erste Rohfassung des gesamten Berichtes fertig hatte. Mir ist es wichtig, etwas vorweg zu sagen. Die Spannung in diesem Bericht besteht nicht darin, ob ich den Lauf erfolgreich gelaufen bin, sondern was ich bereit war zu ertragen und zu investieren. Gerade dieser Punkt beginnt jedoch erst mit dem 2. Teil des Berichtes. Nur um eines vorweg zu sagen, ich gehöre zu den glücklichen Finishern des Transalpine-Run 2016.
Der Transalpin-Run ist kein Lauf für Anfänger_innen oder für Leute, die meinen einfach mal so einen Lauf zu bestreiten. Der Transalpin-Run ist ein höchst anspruchsvoller Lauf über sieben Tage. Insgesamt müssen ungefähr 250 km und 15000 Hm bis zum Ziel überwunden werden. Er ist ein wundervoller, wunderschöner, emotionaler und vor allem sehr intensiver Lauf, der mein Leben bereichert hat. Aber er ist auch ein Lauf, der Leid und Schmerz bedeuten kann, alles abverlangt und einen für das Leben durch schlimme Verletzungen zeichnen kann. Absolut niemand weiß beim Start der ersten Etappe, ob er es bis ins letzte Ziel schafft. Es kann einfach sehr viel passieren und wenn man in einem kleinen, ungünstigen Moment nicht aufpasst, war es das.
Ich bin vorher über ein Dutzend Marathons gelaufen, sowie zwei Alpine Läufe, Zugspitzultra-Supertrail und Zugspitz-Marathon. Ich wollte gucken, ob ich diese Belastung überhaupt aushalten kann.
Überlegt es euch sehr gut, ob ihr den Transalpin-Run bestreitet wollt. Er kann einem sehr viel geben, aber auch nehmen.

03. September 2016
Ich stehe entspannt früh morgens gegen 8 Uhr auf, wohlwissend, dass meine Teampartnerin Juliane schon seit Stunden auf dem Weg nach Garmisch-Partenkirchen ist. Mein Zug jedoch fährt erst um halb Zehn und somit habe ich noch genügend Zeit, um in Ruhe zu frühstücken. Ich ahne schon, dass die nächsten Tage mich erschöpfen werden und sauge jede ruhige Minute in mich auf. Ich habe zu diesem Zeitpunkt jedoch keine Vorstellung, was mich wirklich erwartet. Ich starte beim Transalpin-Run 2016, einem Etappenlauf über die Alpen, von Garmisch-Partenkirchen nach Brixen. Gute 250 km, 15000 positive Höhenmeter und nochmal soviele negative Höhenmeter, sprich Downhills. Ich erinnere mich an den die letzten beiden alpinen Läufe, den Zugspitzultra und den Zugspitzmarathon und erstarre immer wieder selbst in Ehrfurcht vor der Strecke die vor mir liegt. Worauf habe ich mich nur eingelassen?
Ich nehme meine gepackte Tasche, gehe zum Zug und lasse mich binnen acht Stunden nach Garmisch-Partenkirchen durch die Bahn transportieren. Ich werde von Juliane feierlich und fröhlich empfangen. Bei dem Transalpin-Run muss man in zweier Teams laufen. In meinem Fall ist Juliane meine Teampartnerin. Auf geht es ins erste Hotel, zur Startnummerabholung und danach zur Pasta-Party.

Bei der Startnummerabholung bekommen wir direkt eine große Reisetasche. Diese wird vom Veranstalter Plan B nun jeden Tag für uns transportiert. So müssen wir einiges umladen. Dank Jan Erik und Andrea von Asics und den Asics Frontrunntern, nehmen sie u.a. meine reguläre Tasche in ihrem Auto nun jeden Tag mit. Plan B nimmt natürlich nur die ausgegebene Reisetasche mit. Ich wusste nicht, dass wir alles umräumen müssen. Wäre mir das klar gewesen, hätte ich zu Hause 1. anders gepackt und 2. wesentlich weniger. Auch wäre ich mit dem Auto angereist, um meine reguläre Tasche für die Woche ins Auto zu packen. Ohne Jan Erik und Andrea, hätte ich nicht gewusst, wo ich die reguläre Reisetasche hätte lassen sollen. Wirklich ein riesen Dankeschön an euch beide!
Die offene und entspannte Grundatmosphäre gefiel mehr sehr gut. Zusammen schauten wir uns das Briefing für die erste Etappe an. Es soll ein einfacher Einstieg in das Etappenrennen sein, mit entspannten Cut-Off Zeiten und einem eher ruhigem Profil. Cut-Off Zeiten? Ja, das sind Zeiten, die wir unterbieten müssen, genauer bis zu diesen Zeitpunkten sind die Verpflegungspunkte (VP) und Ziele geöffnet. Reißt man eine Cut-Off Zeit, so ist man offiziell disqualifiziert und wird kein offizieller Finisher mehr. Außerhalb der Wertung ist eine weitere Teilnahme zwar möglich, jedoch gibt es das begehrte Finisher Shirt nicht mehr.

Auf dem Briefing wird auch erwähnt, dass es eine Überscheidung mit der Strecke vom Zugspitz-Ultratrails gibt. Ich lasse mich überraschen, welcher Abschnitt das wohl wird.
Nach dem Briefing beschließen wir früh ins Bett zu gehen, auch wenn der Start erst um 10 Uhr ist. Es ist alles sehr aufregend und schließlich wollten wir nicht müde in die erste Etappe einsteigen.

04. September 2016, Etappe 1: Garmisch-Partenkirchen – Lermoos
Wir, Juliane und ich, stehen pünktlich auf, ziehen uns an und gehen erst einmal erneut zur Startnummerausgabe. Sehr ärgerlich, denn wir hatten vergessen PlanB mitzuteilen, in welchen Hotels wir in den kommenden Tagen nächtigen. Schließlich möchten wir, dass wir unsere Taschen am nächsten Abend wiederbekommen. So gegen halb neun, nach einem ausgiebigen Frühstück gingen wir zum Start. Schnell geben wir noch unsere Reisetaschen ab und stellen uns für Fotos in den Startblock. Mit den anderen Asics Frontrunnern, Juliane ist ein Mitglied der Frontrunner, werden noch mehr Fotos und Einschwörungsformeln ausgetauscht.

Die letzten Minuten vor dem Start waren dabei besonders intensiv für mich. Ich gucke ich mich um, und realisiere, dass jeder dritte den ich gerade sehe es nicht bis nach Brixen schaffen wird. Zumindest wenn man den statischen Zahlen der letzten Jahre glaubt. Wir starten mit knapp 300 Teams und ich frage mich, ob wir wirklich am Ende nur noch gute 200 Teams sein werden? Nehmt euch die Zeit und guckt euch die beiden Fotos vom Start mal genau unter dem Aspekt an, um vielleicht nachzuvollziehen, was ich fühlte. Es machte mich etwas melancholisch. Ich habe mir in dem Moment gewünscht, dass wir alle Gesund und heile bis nach Brixen ins Ziel kommen. Doch dies ist eine Utopie, eine Wunschvorstellung, die so nicht eintrifft. Niemand kann und darf sich sicher sein, es bis nach Brixen zu schaffen. Ich atme tief ein und aus und frage mich, was mich an Erfahrungen erwartet, welche guten sowie schlechten Momenten wohl vor mir liegen? Die Verbindung zwischen mir und diesem Lauf klingt ein wenig nach einer Eheschließung. Durchaus gibt es gewisse Parallelen auf die ich jetzt nicht explizit eingehe, sondern ich überlasse es euch, ob ihr im Bericht diese Parallelen ebenfalls wieder findet. Ich weiß eines ganz sicher, dass ich diesen Lauf laufen will, mit Juliane. Mit wem auch sonst, wenn nicht mit meiner Marathonpartnerin? Ich schaue zu Juliane rüber und sie jubelt. Ich weiß, dass ich viel von ihr verlange. Ich bin der organisierte Typ, der alles akribisch plant und vorbereitet. Sie ist da eher das Gegenteil was Wettkämpfe und Läufe angeht. Sie lässt es gerne auf sich zukommen. Der aktuelle Deal ist es, dass ich mich um Pace und das Erreichen der Cutoff-Zeiten kümmere. Sie vertraut mir da und lässt mich machen. Vielleicht habe ich da zu viel verlang von ihr und mir. Vielleicht.


Da fiel der Startschuss und wir liefen los. Wir hatten auf den ersten 2,5 km ein gutes Tempo, da wir zügig an den ersten Anstieg wollten. Endlich Trails, Natur und eine tolle Atmosphäre. Wir waren gespannt und auch ein wenig in freudiger, nervöser Stimmung. Der erste Anstieg zog sich über fast 10 km, jedoch mit laufbaren oder schnell zu wandernden Abschnitten. An der Spitze des ersten Berges angekommen standen Personen mit Rosa Puscheln und bejubelten alle. Juliane ließ sich kurz mit ihnen fotografieren und dann ging es weiter zum ersten Downhill. Es war der identische Downhill, wie der letzte Downhill beim Zugspitz-Ultratrail und mein Gedanke war: „Ach du Scheiße. Darf ich kotzen? Ich hasse ihn jetzt schon. Wenigstens ist er diesmal trocken und nicht total matschig vom Regen, wie beim Zugspitz-Ultratrail.“ Ich mochte den Abstieg nicht, aber es half nichts, wir mussten darunter. Auf halben Weg stützte ich. War ja klar. Mir passierte nichts, jedoch zerstörte es einen meiner Trailstöcke vollständig, da er nun einen zweifachen Bruch hatte. Diesen gab ich später am VP 2 ab. Ein Helfer bot es mir an, diesen für mich Fachgerecht zu entsorgen. So lief ich an diesem Tag mit nur noch mit einem Trailstock weiter. Einer war schließlich besser als keiner.


Beim zweiten Anstieg des Tages hatte sich das Feld mittlerweile so sehr gezogen, das wir immer öfter alleine waren. Das war nicht schlimm, aber wir wollten uns auch nicht hetzen lassen. Mehrere Personen sagten uns sehr eindringlich, dass wir nicht zu schnell den Lauf angehen sollten und das viele andere genau diesen Fehler machen würden und die erste Etappe richtig rannten.
Wir wussten relativ schnell, dass wir eher im hinteren Feld waren, aber es war uns egal, denn das wichtige war nur, dass wir Gesund durchkamen und Spaß hatten. Ich drehte mich immer wieder um und genoss die Aussichten ins Tal. Es war landschaftlich einfach wunderschön. Kurz vor dem zweiten „Gipfel“ des Tages, an der Grenze nach Österreich trafen wir einen japanischen Kamaramann. Er filmte mit mehreren und begleitete einige japanische Läufer. Er war total witzig und wir unterhielten uns kurz mit ihm.



Auf dem Weg zum VP 3 lernten wir dann Cindy und Geo kennen und liefen mit ihnen einige Kilometer und unterhielten uns länger mit ihnen. Cindy hatte Geo überzeugen können, hier mitzumachen. Ich glaube, die beiden wussten nicht mehr, als wir, worauf sie sich da eingelassen haben. Es waren auf jeden Fall zwei sehr sympathische Personen. Beim zweiten Downhill des Tages war ich froh, dass ich Handschuhe anhatte, da diese mir beim Abstieg enorm halfen. Ich weiß, dass ich die Handschuhe anzog, um Blasen an meinem Daumen von den Trailstöcken zu verhindern. In diesem Moment beschloss ich, denn gesamten Transalpinlauf nur noch mit Handschuhen zu laufen, damit ich besser klettern konnte und einen besseren Halt hatte.

Das letzte Stück der ersten Etappe war flach und gut zu laufen. Wir sahen Cindy und Geo nicht mehr, da sie lockerer laufen wollten. Juliane und ich nahmen noch einmal Schwung und liefen locker ins Ziel und beendeten die erste und zweitlängste Etappe nach gut 6:47h in Lermoos.

Nach einer kurzen Pause suchte ich den Verkaufsstand von PlanB auf und informierte mich, ob sie noch Trailstöcke verkauften. Es gab nicht die optimalen für mich, und es gab kaum noch welche und ich musste in Bar bezahlen. Das letztere war ein enormes Problem, da ich extra für Hotels Bargeld mitgenommen hatte. Doch den Transalpin-Run ohne Trailstöcke bestreiten? Das wollte ich auch nicht. Wir verhandelten, dass ich am nächsten Morgen mir die Stöcke abholen durfte und dann einfach direkt bezahle.
Danach suchten wir unser Hotel auf, duschten und fuhren zur Pasta-Party. Dankbarerweise nahm uns andere Frontrunner in ihrem Auto mit. Es wäre für uns unmöglich gewesen das reguläre Shuttle zu erreichen, da wir dafür zu spät eingelaufen waren. Das Ziel war sogar noch länger geöffnet, als die Shuttles fuhren. Jeder der nach 8 Stunden drin war, hätte es wegfahren sehen können und die Läufer_innen hatten sogar 9 Stunden Zeit für die Etappe. Das Shuttle wurde gebraucht, da es in Lermoos keine Pasta-Party gab, sondern im benachbarten Ehrwald. Wir hörten später, dass das Shuttle teilweise über eine halbe Stunde zu spät kam. Doch damit nicht genug. Es gab nur eine Essensausgabe für um die 600 Läufer. Daraus folgte, dass die Schlange am Essen sehr lang war und es auch sehr lange dauerte, bis alle Essen bekamen. Das Essen selbst war ok, doch viele Läufer_innen empfanden die Organisation in Lermoos als nicht optimal. Bei dem anschließendem Briefing für den zweiten Tag, gab es auch promt eine Entschuldigung und das Versprechen, dass es nun besser werden sollte. Ich war sehr gespannt, ob sie dieses Versprechen einhalten würden.
Beim Streckenbriefing wurde eine Routenänderung vorgestellt. Ein Streckenabschnitt dürfe nur durchlaufen werden, wenn es trocken sei, doch wegen Regen war der Abschnitt gesperrt. Somit wurde die Strecke um einen Kilometer gekürzt und um 400 positive, wie negative Höhenmeter. Nach dem Streckenbriefing ging es zurück ins Hotel. Dort angekommen trafen sich noch einige im Foyer, um das WLAN zu nutzen. Ich war dabei. Dabei trafen wir Cindy wieder. Lustiger weise erkannte sie mich in „zivil“ nicht sofort. Das führte zu einem sehr interessanten Dialog, als sie plötzlich von dem Tag und mir berichtete. Erst da bemerkte ich, dass sie mich nicht erkannt hatte. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass sie gerade von mir sprach. Wir lachten und unterhielten uns weiter. Aber halt, was war das? Ach mein Bett ruft!

05. September 2016, Etappe 2: Lermoos – Imst
Nächster Tag, 2. Etappe. Wir standen früh auf, auch weil wir die Taschen rechtzeitig vor das Hotel bringen mussten. Ich ging am Morgen alleine zum Start, da ich noch neue Trailstöcke kaufen wollte / musste. Dabei lernte ich zwei Spanier kennen, mit denen ich mit ein wenig unterhielt. Sie schienen sehr erfahren zu sein und ich war beeindruckt von ihrer schier endlosen Liste von erfolgreichen Ultraläufen, die sie vorwiesen. Ich war total glücklich, wie viele Menschen ich in so kurzer Zeit kennen gelernt habe. Es wirkte alles sehr familiär, was mir sehr gut gefiel.
Als die Spanier und ich beim Start ankamen, trennten sich unsere Wege. Ich ging alleine weiter zum Verkaufsstand von PlanB. Ich hatte am Vorabend schon alles organisiert und besprochen und so war es ein schnelles und leichtes die Trailstöcker zu bekommen. Allerdings erfuhr ich auch, dass sie nun keine mehr zum Verkauf hatten. Es wurden die wenigen Paare nach einer Etappe verkauft. Ob sie nochmal welche bekamen, wussten sie selbst zu dem Zeitpunkt nicht. Sie waren überrascht, welcher Bedarf plötzlich sich aufzeigte.
Als ich auf Juliane wartete, fühlte ich einen leichten Muskelkater im Oberschenkel, aber dagegen war wohl nichts mehr zu machen. Ich entschied mich ihn rauszulaufen und hoffte einfach, dass er nicht schlimmer werden würde.

Wir starteten bei Regen. Heute gab es zwei Startblöcke, da der erste Anstieg schon nach 1,5 km anfing, ein Singletrail war und man keine größeren Staus dort provozieren wollte. Wir waren im zweiten Startblock anzutreffen. Wir stellten uns vorne rein, um einem potentiellen Stau zu entgehen.
Unsere Taktik war einfach: Im Flachen wollten wir einige Minuten heraus laufen, um dann entspannt den ersten Anstieg hoch wandern. Als kritisch erachtete ich die Cut-Off Zeit des ersten Verpflegungspunktes. Daher war es nicht verkehrt, den Lauf zügiger anzugehen. Durch die Streckenänderungen blieben wir auch am 2. Tag unter der magischen 2000 m Grenze.


Der erste Anstieg war ein sehr schöner Singletrail und es staute sich schnell hinter uns. Wir waren froh, dass wir zügig unterwegs waren und so entspannt und ohne Stau den ersten Anstieg nehmen konnten. Es war ein Single-Pfad durch Gestrüpp und Wald, voller S-Kurven. Sehr bald hörte auch der Regen auf und es lockerten sich die Wolken. Es wurde wärmer und ein Panorama nach dem anderen offenbarte sich. War ich von der ersten Etappe schon sehr angetan, musste ich anerkennen, dass die zweite Etappe noch viel schöner war.


Kaum vorzustellen, dass sich das noch steigen ließe. So liefen wir nach 7,5 km direkt an Wasserfällen vorbei, sahen Wolken auf Augenhöhe und hatten Aussichten, die ich so nicht kannte. Mir stockte mehrmals der Atem. Ich musste mich selbst immer wieder ermahnen, nicht zulange an einem Ort zu verweilen. Wir wussten ja, dass der Cut-Off zum ersten Verpflegungspunkt relativ eng gestrickt war. Daher gaben wir bis dorthin auch richtig Tempo. Das war aber nicht so einfach. Kurz vor dem Verpflegungspunkt mussten wir einen Singletrail durch dichtes Getrüpp bergab schleichen. Eigentlich kam es mir so vor, als wenn ich einen Abhang runter glitt, rutschte und kletterte. Es staute sich sehr und wir verloren sehr viel Zeit. Kurz nach dieser Abstiegsaktion erreichten wir den VP1 gerade so in der Zeit. Wir hatten nur 14 Minuten bis zum Cut-Off. In nur 5 Kilometern weiter sollten wir schon auf den 2. VP treffen. Jedoch war dieser Abschnitt primär ein breiter Waldweg, Straße und ging fast nur Bergab. Die hier vorgesehene Zeit war jedoch plötzlich so großzügig, dass wir den zweiten VP mit knapp einer Stunde vor dem Cut-Off wieder verließen und nun ein entspanntes Rennen zu Ende laufen konnten. Der Weg zur VP 3 stellte sich als unspektakulär heraus, was der Streckenänderung wohl geschuldet war.


Wir liefen entspannt den Lauf ab und der Vorsprung vor dem Cut-Off wurde immer größer und war für uns sehr bald nach dem zweiten VP nicht mehr relevant. Die letzten Kilometer waren eine abschüssige Straße und verlief in die Stadt Imst rein. Daher liefen wir locker ins Ziel und freuten uns, dass wir auch die zweite Etappe nach gut 6:20h erfolgreich mit viel guter Stimmung absolvieren konnten.


Getrübt wurde unsere Stimmung jedoch vom nicht funktionierenden Shuttelsystem. Vor uns warteten einige Läufer schon über eine Stunde, da viele Hotels außerhalb von Imst lagen, so auch unseres. Es endete damit, dass wir nach einer halben Stunde warten ein Taxi nahmen und zum Hotel fuhren. Zwei Stunden später fuhren wir jedoch entspannt mit dem Shuttel zur Pasta Party, denn am Abend funktionierte das Shuttle tadellos. Bei der Pasta Party trumpfte Imst voll auf! Wahnsinn. Kein großes Warten, riesige Portionen an Nudeln, Salat, Nachtisch und alles in allem ein sehr gutes, leckeres Essen. Dieses wurde von den Läufer_innen mit riesigem Applaus gedankt. Auch wenn das Shutteln nach dem Zieleinlauf echt mies war, so war die Pasta-Party ein voller Erfolg. Ich war auch nach zwei Tagen noch völlig entspannt. Das Briefing zur dritten Etappe jedoch, erfüllte mich das erste Mal mit Sorgen, denn es war die Königsetappe. Die meisten Höhenmeter (um 3000 Hm) und die längste Distanz von fast 50 km lagen vor uns. Ich musste direkt an meinen Scott Rock the Top Marathon denken, denn sofort kamen die schlimmen Momente hoch; das gestresste, negative Gefühl. Ja, der Zweifel klopfte an diesem Abend an meine Tür. Ich war vom Briefing sorgenerfüllt und meine belastenden, negativen Erinnerungen ließen mich nicht mehr los. Ich wusste, dass es meine unberechtigten Sorgen waren. Es würde sicher alles gut gehen. Einige von den Asics Frontrunnern beruhigten mich und meinten, dass das wird. Ich war über die Aufmunterung froh, konnte ich doch mit einigen meine Sorgen teilen. Aber im Grunde wollte ich das mit mir ausmachen, da meine Sorgen hoffentlich unbegründet sein sollten. Niemand wusste großartig von meinen Erfahrungen beim Scott Rock The Top und welche Spuren dieser Lauf hinterlassen hatte. Ich realisierte zu diesem Punkt auch noch nicht die Tragweite. Doch durch die dritte Etappe sollte sich vieles ändern. Sehr viel. Und einiges zum negativen.

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